Esskultur meinen die Rechten bestimmt nicht, wenn sie von Fremdkultur faseln. Ich habe selber nach einer Rechtendemonstration, die für fast zwei Stunden Stau und Verkehrschaos verursacht hatte, eine Gruppe Demonstranten gesehen, die in der einen Hand ihr Schild mit Hassparole und in der anderen Hand einen Döner hielten.
Welche Kultur sie meinen, weiß ich allerdings auch nicht. Religiös sind sie ja nicht, Literaturkenntnisse und Theaterbesuche unterstelle ich ihnen auch nicht und vermutlich hören sie nicht einmal Wagneropern.
liebe Grüße an Dich, Schätzchen
Aber wenn ich versuche *Kultur* zu beschreiben, habe ich ein dickes Problem. Denn: ich habe offenbar keine, oder sehr wenig. Literatur beginnt und endet bei mir mit Harry Potter. In der Schule gab es noch Faust, Woyzeck und Effi Briest, aber die rauschten an mir nur vorbei. An klassischer Musik hat mich nur Vivaldi erreicht - und der ist nicht wirklich *deutsch*. Theater und Oper finde ich grottig, Vereine sind nichts für mich und meine Lieblingsfilme sind amerikanisch.
Fehlt noch etwas?
Esskultur könnte ich noch abhandeln. Da bin ich schon sehr *deutsch*. Ich esse häufig:
- Pasta - wohl kaum deutsch, sondern eher international, obwohl Italien die Urheberschaft einfordert. China will auch der Schöpfer von Nudeln sein, aber ich denke, dass es nach der Erfindung des (Brot?)Teigs kein großer Schritt zu einer Suppeneinlage war. Das passierte vermutlich an vielen Orten gleichzeitg. Der Trick war nur das Mahlen des Getreides. Ich bevorzuge trotzdem die *italienische* Variante.
- Pizza - da gilt im Grunde das Gleiche wie bei Pasta. Die Entwicklung ist nach der Erfindung des Teigs recht simpel, da es sich irgendwie nur um belegtes Fladenbrot handelt. Vor den Tomaten mag die Pizza eher wie Flammkuchen belegt worden sein.
- Currywurst - scheint *deutsch* zu sein, da hier erfunden (Berlin oder Ruhrgebiet?). Eine lange Tradition steckt allerdings nicht dahinter, denn Wurst ist schon in der Antike bekannt und Curry kennt man in Asien auch schon lange. *Deutsch* erscheint mir da etwas hoch gegriffen.
- Döner - ist angeblich in Berlin erfunden worden, also *deutsch*. Den Drehspieß gibt es aber schon sehr lange, nicht nur in Griechenland und Türkei.
- Burger - haben die Amis aus Frikadellenbrötchen / -brot gezaubert. Als *Kultur* ist es auf jeden Fall US-amerikanisch.
- *Schnittchen* sind typisch deutsch? Belegtes Brot ist leider kein Geniestreich.
- traditionell deutsche Küche kommt mir selten unter. Und wenn, dann ist es regionale oder eingedeutschte Küche (etwa Gulasch).
So richtig *deutsch* kommt mir die Esskultur nicht vor. Vergesse ich da etwas?
geschrieben von popo23
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