Ein völlig betrunkener Rückblick auf die erste Regionalliga-Saison
Verfasst am : 15.03.2026 19:47
von unserer Redaktion
Die erste Regionalliga-Saison ist gespielt.
Es gibt einige Dinge zu analysieren und zu besprechen.
Aus diesem Grund hat unsere Redaktion weder Kosten noch Mühen gescheut und Karla Kolumna und mich auf den Saison-Abschlussball der KT-Rinnenkings geschickt.
Natürlich ohne Eintrittskarten!
Stattdessen wurden wir von der Chefredaktion ausdrücklich ermutigt, uns – wie bereits bei früheren Recherchen – als Service-Personal zu verkleiden, um uns undercover in den Ballsaal des Luxushotels „Zur wunderschönen Layla“ einzuschleusen.
Wir meldeten uns gegen 17 Uhr beim Bankettleiter.
Der Mann musterte uns kurz, zuckte mit den Schultern und zeigte uns anschließend die Gemeinschaftsumkleide des Personals. Danach drückte er uns mit einem breiten Grinsen im Gesicht die Uniformen auf die Brust.
Ich beobachtete Karla Kolumna dabei, wie sie sich vor dem Spiegel feuerroten Lippenstift auftrug, und war einen Moment lang irritierend fasziniert davon, wie geschniegelt und gleichzeitig gefährlich sie mit ihren hochgesteckten Haaren wirkte.
Ich brauchte etwas länger, um mich zu sammeln.
Dann rief ich mir unseren Auftrag wieder ins Gedächtnis zurück und war fest entschlossen, die Story meines Lebens abzuliefern.
So wie an Weihnachten würde ich mich jedenfalls nicht noch einmal ins Bockshorn jagen lassen.
Der Ballsaal selbst bot ein Bild, das irgendwo zwischen Oligarchen-Empfang und Vereinsfeier der Kreisliga lag. Goldene Kronleuchter, eine Liveband, mehrere Meter Buffet – und mittendrin die Funktionäre der Rinnenkings, die bereits vor Beginn der offiziellen Veranstaltung erstaunlich gute Laune hatten.
An der Bar sichteten wir schnell die üblichen Verdächtigen: Trainer Augustin Dietze, der versuchte, gleichzeitig drei Funktionären taktische Konzepte zu erklären, während er mit der anderen Hand sein Glas nachfüllte.
Und natürlich Sportdirektor van Heutchen, der wie ein zufriedener Mafioso in einem Sessel saß, Zigarre rauchte und die Szenerie überblickte.
Durch unsere Uniformen getarnt mischten Karla Kolumna und ich uns unter die rund 1000 geladenen Gäste.
Mein volles Tablett mit Sektflöten war das perfekte trojanische Pferd, um Vorstandsmitglieder und das Präsidium zu belauschen.
Um das Niveau der Vereinsführung einordnen zu können, reicht dieses kleine Gedächtnisprotokoll:
Präsident Rainer Bahnhof zu Vizepräsidentin Hannelore Kraftlos:
„Wenn wir nächste Saison noch drei Innenverteidiger holen, steigen wir auf!“
Hannelore antwortet trocken:
„Wir haben schon sechs.“
„Dann holen wir halt neun.“
Redaktion:
So langsam verstehen wir, warum van Heutchen alle Macht auf sich vereinigen will.
Plötzlich verstummt der Saal.
„Ich möchte euch zur Saison-Abschlussfeier der KT Rinnenkings begrüßen“, sprach van Heutchen mit einladender Stimme in das Mikrofon.
Der übergewichtige Glatzenträger hatte sich in seinem weißen Anzug gemeinsam mit seiner Freundin Linda Lindemann auf die Bühne geschleppt.
Bevor der Baulöwe seine Rede fortsetzte, wischte ihm das Ex-Playmate der Dezemberausgabe 1999 noch schnell das weiße Pulver von der Nasenspitze.
Redaktion:
Da hatte die Visagistin in der Maske wohl etwas zu viel Puder verwendet.
„Ich möchte kurz die Saison zusammenfassen“, fuhr der Erfolgsmanager fort, während Linda Lindemann ihm mit einem Spitzentuch – oder war es ein Spitzenhöschen – den Schweiß von der Stirn tupfte.
„Eigentlich war als Aufsteiger nicht mehr zu erwarten. Die Spiele, die wir gewinnen mussten, die haben wir gewonnen. Der Aufstellungsfehler gegen Spartak Moskau darf sich nicht wiederholen.
Zum Finale im Meisterpokal gegen 1. FC Neuss möchte ich sagen:
Zuerst hatten wir kein Glück – und dann kam auch noch Pech dazu.“
Redaktion:
Bei einer 6:1-Klatsche von Pech zu sprechen ist schon… mutig.
„Wir werden jetzt nicht den Sand in den Kopf stecken. Ich habe einen Plan für die kommende Spielzeit. Ich habe einen Großteil unserer Leistungsträger verkauft und einen Teil des Erlöses in neue Talente investiert!“
Redaktion:
Es hält sich hartnäckig das Gerücht, dass der – unter anderem wegen Spinnen-Quälerei – vorbestrafte, kettenrauchende Bier-Vernichter 10 % des Transfergewinns als Bonus ausgezahlt bekommt.
„Es wird vielleicht ein paar Spielzeiten brauchen, aber ich bin vom Konzept der Goldenen Generation überzeugt! Es gibt keine Alternative!
Wer nicht mitzieht oder keine Leistung bringt, wird verkauft oder entlassen!“
Einigen Spielern und Assistenten war die Verunsicherung deutlich ins Gesicht geschrieben.
„Ich erwarte einen gesicherten Mittelfeldplatz und jede Menge Umsatz an der Bier- und Würstchenbude. Der Fanshop bleibt wegen Ausbauarbeiten auf unbestimmte Zeit geschlossen.“
Redaktion:
Es kursiert das Gerücht, dass der Sportartikelhersteller Panther zu wenig Schmiergeld an die Strohmann-Firma Lindemann GmbH gezahlt haben soll und mit dieser Aktion aus dem Geschäft gedrängt wird.
„Ich wünsche euch noch einen schönen Abend und lasst es richtig krachen!
Wie immer geht alles auf meinen Nacken!
Ich habe fertig!“
brüllte der Zwei-Zentner-Riese zum Abschluss seiner Rede ins Mikrofon.
Wie auf Befehl stimmte die Liveband die Vereinshymne an:
„Ich hab ’n Puff und meine Puffmama heißt Layla …“
Augenblicklich explodierte die Stimmung.
Alle Gäste und Vereinsfunktionäre rissen die Hände in die Luft und gröhlten den Schlagerhit.
Der Sekt wurde mir vom Tablett gerissen und in einem Zug geleert.
An investigativen Journalismus war jetzt nicht mehr zu denken.
Auch ich verfiel in den Party-Beastmode und riss mir Sakko und Hemd vom Oberkörper.
Im Augenwinkel sah ich noch, wie meine Kollegin Karla Kolumna und Physiotherapeutin Alexandra Neumann sich leidenschaftlich küssten.
Es war wieder einer dieser legendären Abende, an die man kaum Erinnerungen hat – die man aber nie vergisst.
Am nächsten Morgen erfuhr ich aus dem Konkurrenzblatt, dass es wieder den üblichen Polizeieinsatz gegeben hatte: mehrere Verhaftungen wegen Widerstand gegen die Staatsgewalt, Trunkenheit und Drogenkonsum.
Diesmal soll sogar Staatsanwalt Harvey Dent unter den Festgenommenen gewesen sein. Dem charismatischen Juristen werden schon länger Drogenkonsum und Kontakte ins kriminelle Milieu nachgesagt. Seinen Spitznamen „Two-Face“ soll er nicht ganz zu Unrecht wegen seiner Freundschaft zu van Heutchen erhalten haben.
Unsere Redaktion wird selbstverständlich weiter an den heißen Storys dranbleiben.
Man darf gespannt sein, was die kommende Spielzeit bringt.
Wird sich der Kader entwickeln?
Wo ist das Geld geblieben?
Und vor allem: Was ist mit Karla Kolumna passiert?
Die erste Regionalliga-Saison ist gespielt.
Es gibt einige Dinge zu analysieren und zu besprechen.
Aus diesem Grund hat unsere Redaktion weder Kosten noch Mühen gescheut und Karla Kolumna und mich auf den Saison-Abschlussball der KT-Rinnenkings geschickt.
Natürlich ohne Eintrittskarten!
Stattdessen wurden wir von der Chefredaktion ausdrücklich ermutigt, uns – wie bereits bei früheren Recherchen – als Service-Personal zu verkleiden, um uns undercover in den Ballsaal des Luxushotels „Zur wunderschönen Layla“ einzuschleusen.
Wir meldeten uns gegen 17 Uhr beim Bankettleiter.
Der Mann musterte uns kurz, zuckte mit den Schultern und zeigte uns anschließend die Gemeinschaftsumkleide des Personals. Danach drückte er uns mit einem breiten Grinsen im Gesicht die Uniformen auf die Brust.
Ich beobachtete Karla Kolumna dabei, wie sie sich vor dem Spiegel feuerroten Lippenstift auftrug, und war einen Moment lang irritierend fasziniert davon, wie geschniegelt und gleichzeitig gefährlich sie mit ihren hochgesteckten Haaren wirkte.
Ich brauchte etwas länger, um mich zu sammeln.
Dann rief ich mir unseren Auftrag wieder ins Gedächtnis zurück und war fest entschlossen, die Story meines Lebens abzuliefern.
So wie an Weihnachten würde ich mich jedenfalls nicht noch einmal ins Bockshorn jagen lassen.
Der Ballsaal selbst bot ein Bild, das irgendwo zwischen Oligarchen-Empfang und Vereinsfeier der Kreisliga lag. Goldene Kronleuchter, eine Liveband, mehrere Meter Buffet – und mittendrin die Funktionäre der Rinnenkings, die bereits vor Beginn der offiziellen Veranstaltung erstaunlich gute Laune hatten.
An der Bar sichteten wir schnell die üblichen Verdächtigen: Trainer Augustin Dietze, der versuchte, gleichzeitig drei Funktionären taktische Konzepte zu erklären, während er mit der anderen Hand sein Glas nachfüllte.
Und natürlich Sportdirektor van Heutchen, der wie ein zufriedener Mafioso in einem Sessel saß, Zigarre rauchte und die Szenerie überblickte.
Durch unsere Uniformen getarnt mischten Karla Kolumna und ich uns unter die rund 1000 geladenen Gäste.
Mein volles Tablett mit Sektflöten war das perfekte trojanische Pferd, um Vorstandsmitglieder und das Präsidium zu belauschen.
Um das Niveau der Vereinsführung einordnen zu können, reicht dieses kleine Gedächtnisprotokoll:
Präsident Rainer Bahnhof zu Vizepräsidentin Hannelore Kraftlos:
„Wenn wir nächste Saison noch drei Innenverteidiger holen, steigen wir auf!“
Hannelore antwortet trocken:
„Wir haben schon sechs.“
„Dann holen wir halt neun.“
Redaktion:
So langsam verstehen wir, warum van Heutchen alle Macht auf sich vereinigen will.
Plötzlich verstummt der Saal.
„Ich möchte euch zur Saison-Abschlussfeier der KT Rinnenkings begrüßen“, sprach van Heutchen mit einladender Stimme in das Mikrofon.
Der übergewichtige Glatzenträger hatte sich in seinem weißen Anzug gemeinsam mit seiner Freundin Linda Lindemann auf die Bühne geschleppt.
Bevor der Baulöwe seine Rede fortsetzte, wischte ihm das Ex-Playmate der Dezemberausgabe 1999 noch schnell das weiße Pulver von der Nasenspitze.
Redaktion:
Da hatte die Visagistin in der Maske wohl etwas zu viel Puder verwendet.
„Ich möchte kurz die Saison zusammenfassen“, fuhr der Erfolgsmanager fort, während Linda Lindemann ihm mit einem Spitzentuch – oder war es ein Spitzenhöschen – den Schweiß von der Stirn tupfte.
„Eigentlich war als Aufsteiger nicht mehr zu erwarten. Die Spiele, die wir gewinnen mussten, die haben wir gewonnen. Der Aufstellungsfehler gegen Spartak Moskau darf sich nicht wiederholen.
Zum Finale im Meisterpokal gegen 1. FC Neuss möchte ich sagen:
Zuerst hatten wir kein Glück – und dann kam auch noch Pech dazu.“
Redaktion:
Bei einer 6:1-Klatsche von Pech zu sprechen ist schon… mutig.
„Wir werden jetzt nicht den Sand in den Kopf stecken. Ich habe einen Plan für die kommende Spielzeit. Ich habe einen Großteil unserer Leistungsträger verkauft und einen Teil des Erlöses in neue Talente investiert!“
Redaktion:
Es hält sich hartnäckig das Gerücht, dass der – unter anderem wegen Spinnen-Quälerei – vorbestrafte, kettenrauchende Bier-Vernichter 10 % des Transfergewinns als Bonus ausgezahlt bekommt.
„Es wird vielleicht ein paar Spielzeiten brauchen, aber ich bin vom Konzept der Goldenen Generation überzeugt! Es gibt keine Alternative!
Wer nicht mitzieht oder keine Leistung bringt, wird verkauft oder entlassen!“
Einigen Spielern und Assistenten war die Verunsicherung deutlich ins Gesicht geschrieben.
„Ich erwarte einen gesicherten Mittelfeldplatz und jede Menge Umsatz an der Bier- und Würstchenbude. Der Fanshop bleibt wegen Ausbauarbeiten auf unbestimmte Zeit geschlossen.“
Redaktion:
Es kursiert das Gerücht, dass der Sportartikelhersteller Panther zu wenig Schmiergeld an die Strohmann-Firma Lindemann GmbH gezahlt haben soll und mit dieser Aktion aus dem Geschäft gedrängt wird.
„Ich wünsche euch noch einen schönen Abend und lasst es richtig krachen!
Wie immer geht alles auf meinen Nacken!
Ich habe fertig!“
brüllte der Zwei-Zentner-Riese zum Abschluss seiner Rede ins Mikrofon.
Wie auf Befehl stimmte die Liveband die Vereinshymne an:
„Ich hab ’n Puff und meine Puffmama heißt Layla …“
Augenblicklich explodierte die Stimmung.
Alle Gäste und Vereinsfunktionäre rissen die Hände in die Luft und gröhlten den Schlagerhit.
Der Sekt wurde mir vom Tablett gerissen und in einem Zug geleert.
An investigativen Journalismus war jetzt nicht mehr zu denken.
Auch ich verfiel in den Party-Beastmode und riss mir Sakko und Hemd vom Oberkörper.
Im Augenwinkel sah ich noch, wie meine Kollegin Karla Kolumna und Physiotherapeutin Alexandra Neumann sich leidenschaftlich küssten.
Es war wieder einer dieser legendären Abende, an die man kaum Erinnerungen hat – die man aber nie vergisst.
Am nächsten Morgen erfuhr ich aus dem Konkurrenzblatt, dass es wieder den üblichen Polizeieinsatz gegeben hatte: mehrere Verhaftungen wegen Widerstand gegen die Staatsgewalt, Trunkenheit und Drogenkonsum.
Diesmal soll sogar Staatsanwalt Harvey Dent unter den Festgenommenen gewesen sein. Dem charismatischen Juristen werden schon länger Drogenkonsum und Kontakte ins kriminelle Milieu nachgesagt. Seinen Spitznamen „Two-Face“ soll er nicht ganz zu Unrecht wegen seiner Freundschaft zu van Heutchen erhalten haben.
Unsere Redaktion wird selbstverständlich weiter an den heißen Storys dranbleiben.
Man darf gespannt sein, was die kommende Spielzeit bringt.
Wird sich der Kader entwickeln?
Wo ist das Geld geblieben?
Und vor allem: Was ist mit Karla Kolumna passiert?
geschrieben von van Heutchen
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