nach meinem Absturz infolge des verpassten Aufstiegs der KT Rinnenkings am letzten Spieltag der Vorsaison bin ich zurück in der Redaktion.
Meine Psychiaterin, Frau Dr. Harleen Quinzel, hat mir bescheinigt, dass ich wieder voll belastbar bin und arbeiten darf.
So ein Mist. XD
Warum Frau Dr. Harleen Quinzel dabei so komisch gelacht hat, erschließt sich mir allerdings bis heute nicht. Vielleicht wusste sie etwas, das ich noch nicht wusste. Vielleicht wusste sie sogar ganz genau, was mich in dieser Redaktion erwarten würde.
Denn in dem Moment, als die Tür zum Konferenzraum aufschwingt, bekomme ich plötzlich ein sehr ungutes Gefühl.
Nicht dieses „Ich-habe-den-Herd-angelassen“-Gefühl. Eher diese Sorte Nervosität, bei der der Puls plötzlich schneller wird,
obwohl der Kopf noch gar nicht verstanden hat, warum.
Das ist also meine neue Chefin? Julia Reich – die Stieftochter von Verleger und Chefredakteur J. Jonah Jameson.
Der Name klingt schon nach Schlagzeile. Nach Titelseite. Nach Ärger.
Ich wette, sie ist mit dem Learjet direkt aus New York eingeflogen – geschniegelt, geschniegelt, geschniegelt… und brandgefährlich.
Angeblich hat sie in den USA die Auflage der Zeitung „Picture“ in nur sechs Monaten verdoppelt.
Man erzählt sich, sie hätte dafür kaum geschlafen, rund um die Uhr gearbeitet und dabei ganze Redaktionen um den Finger gewickelt. Angeblich konnte Julia Reich mit Charme, Ehrgeiz und diesem berüchtigten Blick selbst die härtesten Kritiker weichkochen —
unabhängig vom Geschlecht. Für den Erfolg ging sie angeblich bis an ihre körperlichen Grenzen.
Vielleicht sogar ein kleines Stück darüber hinaus.
Als sie den Raum betritt, wird es still. Nicht dieses höfliche Büro-Schweigen.
Eher diese Art von Stille, die entsteht, wenn plötzlich alle denselben Gedanken haben.
Und als ihre Absätze langsam über den Boden klicken, fühlt sich der Konferenzraum plötzlich kleiner an.
Wärmer. Dichter. Fast elektrisch.
„Liebe Kolleginnen und Kollegen“, beginnt sie und stellt ihre Tasche langsam auf dem Tisch ab, „mein Stiefvater hat mir die Verantwortung für diese Zeitung übertragen. Und ich werde mein Bestes tun – nein, alles tun –, um dieses Verlagshaus an die Weltspitze zu führen!“
Sie sagt das mit einem Blick, der hängen bleibt.
Ein Blick, der sich festkrallt wie Fingernägel auf nackter Haut.
Die ist ja so verrückt wie Harley Quinn – nur heißer.
Gefährlich heiß.
Und gefährlich auf eine Art, die wahrscheinlich in keinem Arbeitsvertrag dieser Welt erwähnt wird.
Meine Gedanken machen sich bereits selbstständig.
„Nach dem letzten Bestechungsversuch von Herrn van Heutchen hat sich mein Stiefvater nach Miami zurückgezogen. Er hatte keine Lust mehr auf den Stress. Bei unserem letzten Telefonat sagte er nur: Die Presse bleibt frei! Oder so ähnlich… ich habe ihn nicht ganz verstanden. Er hatte ständig ein Glas Champagner in der Hand und eine Zigarre im Mund. Ich glaube, er ist glücklich.“
Na, der Bestechungsversuch ist wohl gründlich daneben gegangen, denke ich und muss mir ein Grinsen verkneifen.
„Unsere Zeitung hat 27 Millionen Abonnenten weltweit – das ist eine große Verantwortung.“
Für eine halbe Sekunde herrscht absolute Stille.
Dann geht ein kaum unterdrückbares Kichern durch den Raum. Selbst Klara muss sich sichtbar zusammenreißen, während ich krampfhaft versuche, ernst zu bleiben — mit eher mäßigem Erfolg.
Julia blinzelt kurz irritiert, fängt sich aber erstaunlich schnell wieder.
Fast so, als wäre sie es gewohnt, selbst nach einem Stolperer einfach weiterzulaufen — vorzugsweise in verdammt hohen High Heels.
„Wie kommen Sie denn auf diese Zahl, Frau Reich?“ frage ich und wische mir die Tränen aus den Augen.
„Mein Stiefvater sagte, die Zeitung habe 27 Abonnenten. Ich bin davon ausgegangen, dass es 27 Millionen sind…?“
Ihre Stimme verliert kurz an Spannung. Ihr Blick sucht Halt. Fast süß. Fast gefährlich.
„Nein“, sagt Karla Kolumna ruhig und nimmt einen Schluck Wasser, „es sind 27 Liebhaber des freien Journalismus. Ganz ohne zusätzliche Nullen.“
Betretenes Schweigen legt sich über den Raum.
Dicht. Schwer. Fast intim.
Man hört plötzlich nur noch ruhiges Atmen und das leise Klirren eines Wasserglases. Für einen Moment fühlt sich der Raum seltsam eng an — als würde niemand zu tief Luft holen wollen.
Dann richtet Julia sich langsam wieder auf.
Und plötzlich ist sie wieder voll da.
Diese Energie. Dieses Feuer.
„Also gut! Auch wenn die meisten Leser gar keine Vorstellung davon haben, wie viel Aufwand es ist, eine unterhaltsame Zeitung zu machen, sind wir den Aktionären… äh… der Wahrheit verpflichtet!“
Mit neuem Selbstbewusstsein richtet sie sich auf. Die Unsicherheit ist verschwunden.
Jetzt steht da keine nervöse Verleger-Tochter mehr. Jetzt steht da eine Frau, die beschlossen hat, den ganzen Raum an sich zu reißen — und niemand scheint etwas dagegen zu haben.
„Ab sofort weht hier ein anderer Wind. Wir geben den Leuten genau das, was sie wollen: Drama, Sex und Gewalt! Heiße Bilder, wenig Text und große Buchstaben! Schlagzeilen, die knallen. Bilder, die unter die Haut gehen. Dinge, die man nachts heimlich nochmal anschaut. Geschichten, bei denen der Puls steigt und der Finger plötzlich länger auf der Seite bleibt als geplant.“
Ein aufgeregtes Raunen geht durch den Raum.
Ich merke plötzlich, wie ich jedes einzelne Wort aufsauge. Selbst Klara, die eben noch skeptisch wirkte, verfolgt Julias Auftritt inzwischen mit einer Aufmerksamkeit, die fast schon bewundernd wirkt.
„Hier in Deutschland ist das so eine Sache…“ versucht Klara einzuwenden.
Julia winkt sofort ab.
„Papperlapapp! Die Pressefreiheit ist unantastbar! Hier laufen ‚Eis am Stiel‘ und ‚CSI: Miami‘ mittags im Free-TV. In der Tagesschau,
der Bildzeitung und selbst im KiKA-Kanal gibt es härtere Inhalte als in unserem Hochglanzmagazin.“
Sie lehnt sich leicht auf den Tisch.
Dabei beugt sie sich gerade weit genug nach vorne,
um wirklich jedem im Raum die volle Aufmerksamkeit zurückzuholen.
„Außerdem arbeitet unsere Redaktion mit ChatGPT – die härteste Tür in Sachen Jugendschutz überhaupt! Was ChatGPT zulässt,
ist definitiv sauber und nicht dirty!“
Klara lächelt nervös.
Man spürt, wie sich etwas verändert.
Wie Spannung langsam in Neugier kippt.
Die Luft wird wärmer. Dichter. Gefährlicher.
Fast so, als hätte jemand heimlich den Sauerstoff gegen Adrenalin ausgetauscht.
Alle atmen durch.
Drei Minuten – und der Raum fühlt sich plötzlich völlig anders an.
Ich kann es nicht steuern, nicht erklären — aber plötzlich klopfe ich zustimmend auf den Tisch. Und Klara tut es direkt danach ebenfalls.
„Wir müssen die Dinge richtig anpacken! Fester zupacken, tiefer graben, uns die Finger schmutzig machen.“
Ihre Stimme wird tiefer. Rauer.
„Vielleicht bekommen wir auch mal eins auf den Hintern – von Lesern oder Zensoren. Na und? Dann lecken wir unsere Wunden…
und kommen zurück.“
Sie lächelt dabei.
Dieses Lächeln sollte wahrscheinlich unter das Waffengesetz fallen.
„Stärker. Schärfer. Hungriger.“
Sie macht eine kurze Pause.
Lässt den Moment wirken. Kostet ihn aus.
Und verdammt…
sie weiß ganz genau, wie sehr sie diesen Raum inzwischen in der Hand hat.
Niemand im Raum sagt etwas.
„Wer sagt denn, dass das keinen Spaß machen darf? Mein Ziel: Wir verdoppeln die Abonnentenzahl bis 2027. Wir setzen neue Maßstäbe. Wir fesseln unsere Leser wieder – so sehr, dass sie nicht mehr loskommen.“
Sie blickt einmal langsam durch den Raum.
„Sie sollen süchtig werden nach unseren Geschichten. Nach Bildern, die sich einbrennen. Nach Schlagzeilen, die den Puls hochtreiben.“
Ein leichtes, verdammt selbstsicheres Lächeln gleitet über ihre Lippen.
„Die Presse bleibt frei! Wer uns nicht mag, darf uns ignorieren — sollte uns aber trotzdem respektieren.“
Sie macht eine kleine Pause.
„Wir werden für große Unterhaltung sorgen. Genau dafür spielen wir.“
Noch eine Pause.
Dann dieses Funkeln in ihren Augen.
„Und wir spielen, um zu gewinnen.“
Stille.
Keine peinliche Stille. Keine unsichere Stille.
Diese gefährliche Art von Stille.
Die entsteht, wenn Menschen plötzlich merken, dass sie gerade angefangen haben, an etwas zu glauben.
Dann hebt sie leicht das Kinn.
„Wir werden der Babo auf dem Zeitungsmarkt. Too big to fail. Unantastbar.“
Julias Begeisterung reißt uns plötzlich mit. Fast gleichzeitig erheben wir uns von unseren Stühlen und applaudieren unserer neuen
Boss Lady mit ehrlicher Begeisterung.
Sogar Klara klatscht jetzt begeistert mit — und das will wirklich etwas heißen.
So eine Rede hat dieser Raum noch nicht erlebt.
Euphorisiert lasse ich mich zurück in meinen Stuhl sinken. Ich lehne mich zurück, lockere meinen Kragen und denke nur:
Einleitung
Liebe Leser,
nach meinem Absturz infolge des verpassten Aufstiegs der KT Rinnenkings am letzten Spieltag der Vorsaison bin ich zurück in der Redaktion.
Meine Psychiaterin, Frau Dr. Harleen Quinzel, hat mir bescheinigt, dass ich wieder voll belastbar bin und arbeiten darf.
So ein Mist. XD
Warum Frau Dr. Harleen Quinzel dabei so komisch gelacht hat, erschließt sich mir allerdings bis heute nicht. Vielleicht wusste sie etwas, das ich noch nicht wusste. Vielleicht wusste sie sogar ganz genau, was mich in dieser Redaktion erwarten würde.
Denn in dem Moment, als die Tür zum Konferenzraum aufschwingt, bekomme ich plötzlich ein sehr ungutes Gefühl.
Nicht dieses „Ich-habe-den-Herd-angelassen“-Gefühl. Eher diese Sorte Nervosität, bei der der Puls plötzlich schneller wird,
obwohl der Kopf noch gar nicht verstanden hat, warum.
Das ist also meine neue Chefin? Julia Reich – die Stieftochter von Verleger und Chefredakteur J. Jonah Jameson.
Der Name klingt schon nach Schlagzeile. Nach Titelseite. Nach Ärger.
Ich wette, sie ist mit dem Learjet direkt aus New York eingeflogen – geschniegelt, geschniegelt, geschniegelt… und brandgefährlich.
Angeblich hat sie in den USA die Auflage der Zeitung „Picture“ in nur sechs Monaten verdoppelt.
Man erzählt sich, sie hätte dafür kaum geschlafen, rund um die Uhr gearbeitet und dabei ganze Redaktionen um den Finger gewickelt. Angeblich konnte Julia Reich mit Charme, Ehrgeiz und diesem berüchtigten Blick selbst die härtesten Kritiker weichkochen —
unabhängig vom Geschlecht. Für den Erfolg ging sie angeblich bis an ihre körperlichen Grenzen.
Vielleicht sogar ein kleines Stück darüber hinaus.
Als sie den Raum betritt, wird es still. Nicht dieses höfliche Büro-Schweigen.
Eher diese Art von Stille, die entsteht, wenn plötzlich alle denselben Gedanken haben.
Und als ihre Absätze langsam über den Boden klicken, fühlt sich der Konferenzraum plötzlich kleiner an.
Wärmer. Dichter. Fast elektrisch.
„Liebe Kolleginnen und Kollegen“, beginnt sie und stellt ihre Tasche langsam auf dem Tisch ab, „mein Stiefvater hat mir die Verantwortung für diese Zeitung übertragen. Und ich werde mein Bestes tun – nein, alles tun –, um dieses Verlagshaus an die Weltspitze zu führen!“
Sie sagt das mit einem Blick, der hängen bleibt.
Ein Blick, der sich festkrallt wie Fingernägel auf nackter Haut.
Die ist ja so verrückt wie Harley Quinn – nur heißer.
Gefährlich heiß.
Und gefährlich auf eine Art, die wahrscheinlich in keinem Arbeitsvertrag dieser Welt erwähnt wird.
Meine Gedanken machen sich bereits selbstständig.
„Nach dem letzten Bestechungsversuch von Herrn van Heutchen hat sich mein Stiefvater nach Miami zurückgezogen. Er hatte keine Lust mehr auf den Stress. Bei unserem letzten Telefonat sagte er nur: Die Presse bleibt frei! Oder so ähnlich… ich habe ihn nicht ganz verstanden. Er hatte ständig ein Glas Champagner in der Hand und eine Zigarre im Mund. Ich glaube, er ist glücklich.“
Na, der Bestechungsversuch ist wohl gründlich daneben gegangen, denke ich und muss mir ein Grinsen verkneifen.
„Unsere Zeitung hat 27 Millionen Abonnenten weltweit – das ist eine große Verantwortung.“
Für eine halbe Sekunde herrscht absolute Stille.
Dann geht ein kaum unterdrückbares Kichern durch den Raum. Selbst Klara muss sich sichtbar zusammenreißen, während ich krampfhaft versuche, ernst zu bleiben — mit eher mäßigem Erfolg.
Julia blinzelt kurz irritiert, fängt sich aber erstaunlich schnell wieder.
Fast so, als wäre sie es gewohnt, selbst nach einem Stolperer einfach weiterzulaufen — vorzugsweise in verdammt hohen High Heels.
„Wie kommen Sie denn auf diese Zahl, Frau Reich?“ frage ich und wische mir die Tränen aus den Augen.
„Mein Stiefvater sagte, die Zeitung habe 27 Abonnenten. Ich bin davon ausgegangen, dass es 27 Millionen sind…?“
Ihre Stimme verliert kurz an Spannung. Ihr Blick sucht Halt. Fast süß. Fast gefährlich.
„Nein“, sagt Karla Kolumna ruhig und nimmt einen Schluck Wasser, „es sind 27 Liebhaber des freien Journalismus. Ganz ohne zusätzliche Nullen.“
Betretenes Schweigen legt sich über den Raum.
Dicht. Schwer. Fast intim.
Man hört plötzlich nur noch ruhiges Atmen und das leise Klirren eines Wasserglases. Für einen Moment fühlt sich der Raum seltsam eng an — als würde niemand zu tief Luft holen wollen.
Dann richtet Julia sich langsam wieder auf.
Und plötzlich ist sie wieder voll da.
Diese Energie. Dieses Feuer.
„Also gut! Auch wenn die meisten Leser gar keine Vorstellung davon haben, wie viel Aufwand es ist, eine unterhaltsame Zeitung zu machen, sind wir den Aktionären… äh… der Wahrheit verpflichtet!“
Mit neuem Selbstbewusstsein richtet sie sich auf. Die Unsicherheit ist verschwunden.
Jetzt steht da keine nervöse Verleger-Tochter mehr. Jetzt steht da eine Frau, die beschlossen hat, den ganzen Raum an sich zu reißen — und niemand scheint etwas dagegen zu haben.
„Ab sofort weht hier ein anderer Wind. Wir geben den Leuten genau das, was sie wollen: Drama, Sex und Gewalt! Heiße Bilder, wenig Text und große Buchstaben! Schlagzeilen, die knallen. Bilder, die unter die Haut gehen. Dinge, die man nachts heimlich nochmal anschaut. Geschichten, bei denen der Puls steigt und der Finger plötzlich länger auf der Seite bleibt als geplant.“
Ein aufgeregtes Raunen geht durch den Raum.
Ich merke plötzlich, wie ich jedes einzelne Wort aufsauge. Selbst Klara, die eben noch skeptisch wirkte, verfolgt Julias Auftritt inzwischen mit einer Aufmerksamkeit, die fast schon bewundernd wirkt.
„Hier in Deutschland ist das so eine Sache…“ versucht Klara einzuwenden.
Julia winkt sofort ab.
„Papperlapapp! Die Pressefreiheit ist unantastbar! Hier laufen ‚Eis am Stiel‘ und ‚CSI: Miami‘ mittags im Free-TV. In der Tagesschau,
der Bildzeitung und selbst im KiKA-Kanal gibt es härtere Inhalte als in unserem Hochglanzmagazin.“
Sie lehnt sich leicht auf den Tisch.
Dabei beugt sie sich gerade weit genug nach vorne,
um wirklich jedem im Raum die volle Aufmerksamkeit zurückzuholen.
„Außerdem arbeitet unsere Redaktion mit ChatGPT – die härteste Tür in Sachen Jugendschutz überhaupt! Was ChatGPT zulässt,
ist definitiv sauber und nicht dirty!“
Klara lächelt nervös.
Man spürt, wie sich etwas verändert.
Wie Spannung langsam in Neugier kippt.
Die Luft wird wärmer. Dichter. Gefährlicher.
Fast so, als hätte jemand heimlich den Sauerstoff gegen Adrenalin ausgetauscht.
Alle atmen durch.
Drei Minuten – und der Raum fühlt sich plötzlich völlig anders an.
Ich kann es nicht steuern, nicht erklären — aber plötzlich klopfe ich zustimmend auf den Tisch. Und Klara tut es direkt danach ebenfalls.
„Wir müssen die Dinge richtig anpacken! Fester zupacken, tiefer graben, uns die Finger schmutzig machen.“
Ihre Stimme wird tiefer. Rauer.
„Vielleicht bekommen wir auch mal eins auf den Hintern – von Lesern oder Zensoren. Na und? Dann lecken wir unsere Wunden…
und kommen zurück.“
Sie lächelt dabei.
Dieses Lächeln sollte wahrscheinlich unter das Waffengesetz fallen.
„Stärker. Schärfer. Hungriger.“
Sie macht eine kurze Pause.
Lässt den Moment wirken. Kostet ihn aus.
Und verdammt…
sie weiß ganz genau, wie sehr sie diesen Raum inzwischen in der Hand hat.
Niemand im Raum sagt etwas.
„Wer sagt denn, dass das keinen Spaß machen darf? Mein Ziel: Wir verdoppeln die Abonnentenzahl bis 2027. Wir setzen neue Maßstäbe. Wir fesseln unsere Leser wieder – so sehr, dass sie nicht mehr loskommen.“
Sie blickt einmal langsam durch den Raum.
„Sie sollen süchtig werden nach unseren Geschichten. Nach Bildern, die sich einbrennen. Nach Schlagzeilen, die den Puls hochtreiben.“
Ein leichtes, verdammt selbstsicheres Lächeln gleitet über ihre Lippen.
„Die Presse bleibt frei! Wer uns nicht mag, darf uns ignorieren — sollte uns aber trotzdem respektieren.“
Sie macht eine kleine Pause.
„Wir werden für große Unterhaltung sorgen. Genau dafür spielen wir.“
Noch eine Pause.
Dann dieses Funkeln in ihren Augen.
„Und wir spielen, um zu gewinnen.“
Stille.
Keine peinliche Stille. Keine unsichere Stille.
Diese gefährliche Art von Stille.
Die entsteht, wenn Menschen plötzlich merken, dass sie gerade angefangen haben, an etwas zu glauben.
Dann hebt sie leicht das Kinn.
„Wir werden der Babo auf dem Zeitungsmarkt. Too big to fail. Unantastbar.“
Julias Begeisterung reißt uns plötzlich mit. Fast gleichzeitig erheben wir uns von unseren Stühlen und applaudieren unserer neuen
Boss Lady mit ehrlicher Begeisterung.
Sogar Klara klatscht jetzt begeistert mit — und das will wirklich etwas heißen.
So eine Rede hat dieser Raum noch nicht erlebt.
Euphorisiert lasse ich mich zurück in meinen Stuhl sinken. Ich lehne mich zurück, lockere meinen Kragen und denke nur:
Das hier könnte verdammt spannend werden.
geschrieben von van Heutchen
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