Die Hinrunde ist vorbei, und beim FC
Antarktis herrscht nicht nur sportlich, sondern auch atmosphärisch die reinste
Eiszeit. Mit drei Punkten aus 13 Spielen hat der Klub etwas geschafft, das in
der Liga als echtes Kuriosum gilt: Es ist weniger eine Ausbeute als vielmehr ein
Statusupdate, ungefähr so aussagekräftig wie ein Pinguin, der versucht, den Ball
mit den Flossen aufzunehmen. Während andere Mannschaften zumindest gelegentlich
den Eindruck erwecken, Fußball spielen zu wollen, wirkt der FC Antarktis, als
nehme er an einem anderen Wettbewerb teil, vermutlich an einem Forschungsprojekt
über menschliches Scheitern unter Tiefkühlbedingungen.
Als Reaktion auf diese historische Nichtleistung hat sich der Verein
entschlossen, ein Trainingslager in Italien zu organisieren. Die Spieler waren
beim ersten Schritt auf grünen Rasen derart verwirrt, dass sie diesen zunächst
für ein schlecht gemaltes Feld aus dem Vereinsmagazin hielten. „Es war warm.
Also richtig warm“, berichtete ein Verteidiger, der offenbar seit Monaten
vergessen hatte, dass Temperaturen über null Grad existieren. Manch einer
behauptet sogar, die Mannschaft habe ganze zehn Minuten lang flüssig gepasst,
bevor sie hektisch wieder in gewohnte Muster zurückfiel: Standfußball,
Fehlpässe, und dieser eine Spezialmove, bei dem sich zwei Spieler gegenseitig
über den Haufen rennen.
Um neuen Schwung in die Mannschaft zu bringen, wurden außerdem zwei Neuzugänge
präsentiert, die (so hofft man) dem Team zumindest die Illusion einer
Verbesserung verleihen. In der Innenverteidigung soll künftig Peter für
Stabilität sorgen. Der Innenverteidiger wurde als „robust“ beschrieben, was
vermutlich darauf basiert, dass er beim Medizincheck beim Stolpern nicht sofort
umgefallen ist. Im Sturm setzt man auf Dolls, einen Angreifer, der zumindest
beim Einlaufen eine gewisse Torgefahr ausstrahlt, auch wenn unklar bleibt, ob er
diese Gefahr absichtlich oder zufällig erzeugt. Insider berichten jedoch, dass
beide Neuzugänge im Training bereits bewiesen haben, dass sie die Gesamtleistung
des Teams perfekt ergänzen: „Es wird dadurch alles vermutlich nicht besser, aber
es wirkt jetzt wenigstens wie ein vollständiges Chaos.“
Trainer Polar, der schon mehrfach mit dem Gedanken gespielt haben soll, seinen
Namen in „Minuspol“ zu ändern, fasste die Gesamtsituation des Vereins beim
inoffiziellen Halbzeitgespräch eindrucksvoll zusammen: „Wir wissen, wo wir
stehen. Ganz unten. Also wirklich ganz unten. Da, wo nicht mal mehr Kellerkinder
wohnen.“ Er führte weiter aus, dass es wichtig sei, die Rückrunde mit
realistischen Zielen anzugehen. „Realistisch heißt: drei Punkte holen. Nicht
drei Siege, drei Punkte. Insgesamt. Wenn wir das Schaffen, können wir mit
erhobenem Haupt in die Oberliga absteigen.“ Den Spielern riet er zudem, sich
mental auf Gegner einzustellen, die in der nächsten Saison nicht unbedingt
stärker, aber zumindest weniger enttäuschend sein werden.
Doch nicht nur sportlich herrscht Eiszeit, auch finanziell friert der Verein
seit Monaten. Die miserable Finanzsituation hat inzwischen Ausmaße angenommen,
die sogar den Putz von den Kabinenwänden abblättern lassen. Der Kassierer soll
kürzlich vorgeschlagen haben, die Mannschaft auf Fahrräder umzustellen, „um
zumindest beim Training Strom für die Flutlichter zu erzeugen.“ Sponsoren
springen reihenweise ab, seit bekannt wurde, dass der Verein das Weihnachtsgeld
der Spieler versehentlich in einen mysteriösen „Arktis-Fonds“ investiert hat,
der sich inzwischen als äußerst fragwürdige Pinguin-Pyramide entpuppt hat.
Trotz allem gibt sich der Verein nach außen kämpferisch. Man sei bereit, die
Rückrunde mit neuer Energie zu bestreiten. Oder wie es ein Vorstandsmitglied in
einer Mischung aus Selbsttäuschung und Zweckoptimismus ausdrückte: „Es kann nur
besser werden. Also… statistisch gesehen. Theoretisch. Vielleicht.“
Der FC Antarktis steuert also mit voller Fahrt und ohne Frostschutz in die
Rückrunde. Ob man dort wenigstens ein bisschen auftaut oder endgültig einfriert,
bleibt abzuwarten. Aber eines ist sicher: Unterhaltung liefert dieser Klub
immer. Punktetechnisch zwar nicht, aber dafür zuverlässig, wie ein Schneesturm
im Juli.