V.I.P.
Eine persönliche
Offenbarung in zwei Akten
Der Ausbau des Stadions der KT Rinnenkings schreitet – zumindest fast –
planmäßig voran.
Offiziell läuft alles nach Plan.
Zumindest auf dem Papier.
Das für einen Dorfclub völlig überdimensionierte Bauprojekt geht bereits in die
nächste Phase.
In Bauphase eins wurden alle drei Tribünenebenen vollständig auf Stehplätze
umgebaut.
Phase zwei sah ursprünglich vor, sämtliche Blöcke mit zusätzlichen Sitzschalen
aufzurüsten.
Ursprünglich.
Denn dann kam van Heutchen.
Der Bauherr hatte offenbar beschlossen, dass Bauingenieure zwar rechnen
dürfen
aber am Ende trotzdem er entscheiden muss.
Kaum waren die ersten drei Blöcke der Südtribüne mit Sitzschalen versehen,
verlangte der schwerkriminelle Gangsterboss nach seiner persönlichen
V.I.P.-Loge.
Ganz nach kölschem Liedgut:
„Ich han de Musik bestellt, doröm bestemme ich
och wat se spillt.“
Und van Heutchen hatte bestellt.
Sein persönliches Prestigeprojekt ist inzwischen fertiggestellt.
Schon jetzt fasst der Betonkoloss unglaubliche 46.300 Zuschauer.
Sollte dieser Wahnsinn weiter konsequent durchgezogen werden,
entsteht in „absehbarer Zeit“ eine Arena mit 77.800 Plätzen.
Am Stadtrand von Dormagen.
Die Bauzeit: etwa zehn Jahre.
Die geschätzten Gesamtkosten:
Rund 300 Millionen Euro.
Ein Betrag, der selbst Lars Klingbeil ins
Schwitzen bringen würde.
Ohne EU-Fördergelder, Zuschüsse der Landesregierung und Bürgschaften des DFB
wäre dieses Projekt
vermutlich niemals Realität geworden.
Ein kleines Geschmäckle bleibt allerdings.
Denn Bauherr ist ausgerechnet:
van Heutchen Industries.
Zufälle gibt es.
Aber manche Zufälle wirken ungefähr so
glaubwürdig wie nüchterne Entscheidungen im Vereinsumfeld.
Zur Eröffnung seiner V.I.P.-Loge – übrigens die einzige, die bisher überhaupt
fertiggestellt wurde
lädt uns der stolze Baulöwe höchstpersönlich zum „Meet and Greet“.
Karla Kolumna und ich haben uns vorgenommen:
Heute fällt er.
Korruption.
Menschenhandel.
Prostitution.
Irgendwas.
Denn eines ist klar:
So ein Projekt entsteht nicht aus gesundem Menschenverstand.
„Das ist ein großartiger Tag! Für
mich!“
Mit diesen Worten begrüßt uns der Drei-Zentner-Gangster.
Ein breites, festgetackertes Grinsen klebt in seinem Gesicht.
„Auch der Verein und die Stadt sollten glücklich sein,
dass meine Firma hier so hervorragende Arbeit zu so geringen Kosten leistet!“
Völlig selbstverliebt und arrogant winkt er seine Freundin heran.
Linda Lindemann.
Sie kommt näher.
Enges Outfit.
Ruhiger, selbstsicherer Gang.
Ein Blick, der nicht fragt – sondern nimmt.
Ich merke, wie meine Gedanken kurz abschweifen.
Verdammt.
Reiß dich zusammen.
Verdammt heiß, denke
ich, als sie mir die Bierflaschen reicht.
Ihre Finger streifen meine Hand – einen Tick zu lange, um Zufall zu sein.
Und während ich versuche, professionell zu bleiben,
habe ich das Gefühl, von Lindas Blick regelrecht ausgezogen zu werden.
Ich gebe Karla eine Flasche weiter.
Sie steht dicht hinter mir, fast suchend.
Vielleicht Schutz.
Vielleicht mehr.
Ich schlucke.
Nicht nur das Bier.
„Sehen Sie sich das
an!“
Van Heutchen klickt durch seine Präsentation.
„Ich habe mich selbst übertroffen! Modernstes
Stadion, schönstes Vereinsgelände, effizienteste Infrastruktur
und das alles zum Spottpreis!“
Er strahlt.
Er glänzt.
Er glaubt jedes einzelne Wort.
„Schon bei Tageslicht ist das fast erregend! Aber
nachts…“
Kurze Pause.
Ein schiefes Grinsen.
„…da entfaltet sich die wahre Schönheit meiner Schöpfung.“
Ich hasse es
zuzugeben – aber die Bilder sehen verdammt gut aus.
Zu gut.
Ein Detail sticht mir ins Auge.
Vielleicht ist es das fünfte Bier.
Vielleicht die Spannung in der V.I.P.-Lounge.
Die Frage platzt aus mir heraus:
„Ist der Parkplatz nicht… etwas klein für so ein
Stadion?“
Stille.
Dann dieses Lächeln.
Dieses van-Heutchen-Lächeln.
„Sie verstehen das Konzept nicht.“
Er beugt sich vor.
„Die Parkplätze sind nicht für
Zuschauer.“
Pause.
„Die sind für Ferrari, Lamborghini,
Porsche.“
Noch eine Pause.
„Für meine Spieler. Meine saudischen Freunde. Und
natürlich meinen Rolls-Royce.“
Er lehnt sich zurück.
„Die Fans kommen zu Fuß.“
Ein Grinsen.
„Oder mit dem Bus. Der Umwelt zuliebe.“
„Kommen Sie. Staunen
Sie.“
Van Heutchen führt uns hinaus auf den heiligen Rasen.
Mitten auf dem Spielfeld bleiben wir stehen.
Die Arena erhebt sich um uns herum wie ein
Denkmal.
Nicht für Fußball.
Für Größenwahn.
Ich fasse mir ein Herz.
„Herr van Heutchen…“
Meine Stimme zittert kurz, doch ich zwinge mich weiterzureden.
„Glauben Sie nicht, dass eine Arena mit 77.800 Plätzen für eine Stadt mit 70.000
Einwohnern
völlig überdimensioniert ist? Baukosten von 300 Millionen Euro – wie soll sich
das jemals rechnen?
Wer hat diese Fördergelder bewilligt? Und warum übernimmt der DFB Bürgschaften
in dieser Größenordnung?
Und was ist dran an den Vorwürfen bezüglich der Sklaven aus Saudi-Arabien?“
Ein Fehler.
Ein großer Fehler.
Van Heutchen explodiert.
„Jetzt hör mal zu,
du Lappen!“
Seine Stimme knallt über den Platz.
„Was fällt dir ein, mir so ’ne Scheiße zu
unterstellen? Gleich klatscht es – aber keinen Beifall!“
Er baut sich vor mir auf.
Zwei Meter Wut.
Drei Zentner Druck.
Schweiß.
Ego.
„Ich kenne ‚Ursula vdL.‘ und ‚Bernd N.‘ seit
meiner Kindheit! Ich habe alles von denen gelernt!
Also pass auf, wem du hier was unterstellst!“
Er kommt näher.
„Und die Sklaven… äh… ich meine die Arbeiter aus
Saudi-Arabien?
Da war erst letzte Woche ein DFB-Inspektor da – Franz B. oder so!
Der hat im TV gesagt: Die laufen alle frei herum! Keine Ketten, keine
Büßerkappen – alles sauber!“
Er nickt überzeugt.
Als hätte er gerade den endgültigen Beweis geliefert.
„Und dass das ganze Dorf ins Stadion passt?
Perfekt!“
Er breitet die Arme aus.
„Wir schließen niemanden aus!“
Ich spüre, wie mir der Schweiß den Rücken hinunterläuft.
Ich nicke.
Langsam.
Vorsichtig.
Ein Schritt zurück.
Überleben vor Journalismus.
Ein Satz, den ich mir als Journalist eigentlich niemals erlauben dürfte.
Heute scheint er allerdings die realistischste Arbeitsanweisung zu
sein.
Van Heutchen wischt sich den Schweiß von der Stirn.
Mit einem Spitzentuch.
Oder…
war das ein Spitzenhöschen?
Dann drehen wir uns um.
Und erstarren.
Linda.
Karla.
Offensichtlich sind
die beiden ebenfalls stark erhitzt.
Nur auf eine andere Art.
Eng umschlungen.
Zu eng, um Zufall zu sein.
Ihre Körper pressen sich aneinander, als hätten sie alles um sich herum
ausgeblendet.
Karlas Hände liegen an Lindas Hüften – erst zögernd, dann fester, als würde sie
sich vergewissern,
dass das hier gerade wirklich passiert.
Linda reagiert sofort.
Zieht sie näher.
Selbstverständlich.
Ihre Bewegungen wirken ruhig – fast zu ruhig.
Abgestimmt.
Lippen treffen aufeinander.
Nicht vorsichtig.
Nicht überrascht.
Direkt.
Fordernd.
Ein Moment, der sich ausdehnt.
Lindas Finger gleiten langsam Karla den Rücken
hinauf, bleiben kurz im Nacken liegen.
Ein sanfter
Druck.
Kein Zwang.
Aber auch kein Zufall.
Karla geht mit.
Ohne sichtbaren Widerstand.
Ohne Zögern.
Ich bin verwirrt.
Ist Karla nicht gerade erst mit Alexandra Neumann zusammengekommen?!
Ich bin gefesselt.
Ein Teil von mir will wegsehen.
Ein anderer…
ganz sicher nicht.
Gefangen zwischen Schock und Faszination.
Van Heutchen wirkt ebenfalls kurz irritiert.
Ein harter Blick.
Ein kurzes Zucken.
Dann fängt er sich.
Natürlich.
Das schiefe Grinsen kehrt zurück.
Er legt mir den Arm um die Schulter.
„Komm, Jung…“
ruhig, fast gönnerhaft.
Ein Nicken Richtung Mittelkreis.
„Wir lassen die beiden mal machen.“
Kurze Pause.
„…und gehen ein Bier trinken.“
Ende von Akt 1
Fortsetzung folgt
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Verfasst am : 16.06.2026 19:05
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Alle Jahre wieder
Massiver
Kaderumbruch bei den KT Rinnenkings – schon wieder!
Ein Leitartikel
Einleitung:
Liebe Leser,
meine neue neue Chefin Julia Reich, Stieftochter von Verleger und Chefredakteur
J. Jonah Jameson, hat mich ganz lieb und nett
darum gebeten, van Heutchen, den vorbestraften Baulöwen und Sportdirektor der KT
Rinnenkings, unter Beobachtung zu nehmen.
Offensichtlich hat sie es bis heute nicht verwunden, dass es van Heutchen
gelungen ist, ihren Stiefvater zu bestechen.
Seitdem scheint sie auf Vergeltung zu sinnen.
Aus diesem Grund sitze ich in einem kleinen stickigen Hotelzimmer in Sichtweite
der Stadionbaustelle fest.
Frei nach dem Motto: „Halte deine Freunde nah,
aber deine Feinde noch näher.“
Verdammt, warum kann
ich Frauen einfach nicht widerstehen!?
Je länger ich das kriminelle Schwergewicht beschatte, desto dunkler werden meine
Gedanken um meine geliebte KT Rinnenkings.
Ich kann es nicht greifen, nicht benennen und nicht beweisen, aber unmoralische
Menschen tun unmoralische Dinge
und führen unseren Verein in eine dunkle Zukunft!
Ich fühle mich wie Frodo, der Ringträger.
Etwas vergiftet meine Gedanken.
Etwas flüstert mir ständig zu, dass hier etwas ganz und gar nicht stimmt.
Aber ich kann es nicht erklären!
Artikel:
Alle Jahre wieder.
Wobei – mittlerweile müsste man wohl sagen:
Alle halbe Jahre wieder.
Kaum hat sich das Transferfenster geöffnet, beginnt bei den Rinnenkings erneut
das große Kommen und Gehen.
Sportdirektor Van Heutchen arbeitet unbeirrt weiter an seiner berühmten
„Goldenen Generation“.
Langsam stellt sich allerdings die Frage, ob diese Generation jemals tatsächlich
gemeinsam Fußball spielen soll oder ob sie lediglich
als Durchgangsstation auf dem Transfermarkt existiert.
Es grenzt mittlerweile an Besessenheit, mit welcher Entschlossenheit der
dominante Macher vom Niederrhein
den blutjungen Talenten auf dem Transfermarkt nachjagt!
Ein Glück sind wir hier im Herrenbereich, sonst
würde ich mir noch deutlich mehr Sorgen machen!
Egal, wie viele Transferfenster ein schlechter Manager für eine Goldene
Generation benötigt:
van Heutchen braucht mehr!
Kaum entwickelt sich ein Spieler zum Star seiner Liga, wird er verkauft.
Kaum verlässt ein Talent das Nachwuchsleistungszentrum, wird es verkauft.
Kaum wird ein Spieler älter als 24 Jahre, wird er verkauft.
Die meisten Kois im Vereinsweiher verfügen mittlerweile über mehr
Lebenserfahrung als die erste Mannschaft.
Und vermutlich auch über längerfristige Arbeitsverträge.
Ist das noch Kaderplanung oder bereits gewerbsmäßiger Menschenhandel?
Natürlich weiß ich, dass Juristen auch diese Formulierung kritisch sehen
werden.
Juristen sind allerdings nicht diejenigen, die jedes halbe Jahr einen komplett
neuen Kader auswendig lernen müssen.
Mittlerweile ist der Kader so weit ausgedünnt, dass die verbliebenen Spieler
alle Spiele durchspielen müssen.
Für die Neuverpflichtungen mussten Kaderplätze freigemacht werden.
So spielt der übergewichtige Mafiaboss vom Niederrhein nicht nur mit der
Gesundheit der Stammspieler,
sondern gefährdet auch noch den sportlichen Erfolg des Vereins!
Zurzeit sind aufgrund von Personalmangel praktisch keine Einwechslungen
möglich.
Am Deadline Day wechseln mittlerweile regelmäßig mehr Spieler zum Verein als
Tiger Woods außereheliche Affären hatte.
In einem Jahr versteht sich!
Das hat doch gar nichts mehr mit seriösem und
professionellem Management zu tun!?
Irgendwann ist auch bei einem Transferfenster die Grenze zur Drehtür
überschritten.
Ich werde bald die Gelegenheit haben, den verantwortungslosen
Möchtegern-Casanova der KT Rinnenkings zur Rede zu stellen.
Meine Kollegin Karla Kolumna und ich sind zum „Meet and Greet“ als eine Art
Einweihungsfeier der ersten VIP-Loge
im neuen Stadion eingeladen.
Diesmal bleibe ich standhaft.
Diesmal lasse ich mich nicht von Charme, PR-Geschwätz oder luxuriösem Catering
einlullen.
Diesmal überführe ich den Drei-Zentner-Koloss der organisierten Kriminalität.
Ich darf nicht schon wieder
kneifen!
Es wird Zeit, dass
sich etwas ändert.
Die schleichende Übernahme des Vereins durch den Kingpin muss gestoppt
werden.
Ich beobachte die Entwicklung der KT Rinnenkings seit der Verpflichtung des
Dormagener Selfmade-Millionärs mit Argusaugen.
Und je länger ich hinschaue, desto klarer wird das Bild.
Zugegeben:
Die sportliche Entwicklung des Vereins ist beeindruckend.
Die finanzielle Entwicklung ist geradezu atemberaubend.
Der Stadionbau schreitet bemerkenswert voran.
Die Marktwertentwicklung des Kaders ist phänomenal.
Ja, ich weiß, die Fakten sprechen nicht unbedingt für meine These.
Aber genau das macht die Sache doch so verdächtig!
Kein normaler Mensch kann gleichzeitig so erfolgreich und so suspekt sein.
Aus diesem Grund bitte ich jeden Leser
eindringlich:
Lesen Sie alle meine bisherigen Artikel.
Beginnen Sie mit „Van Heutchen übernimmt – Rinnenkings zwischen Bier, Ball und
Bundesliga-Träumen“ vom 18.10.2025
(aber unbedingt die überarbeitete Fassung vom 18.03.2026)!
Achten Sie auf die Kleinigkeiten.
Achten Sie auf die Randnotizen.
Achten Sie auf die Hinweise.
Verbinden Sie die Punkte.
Sie werden es erkennen.
Es ist offensichtlich.
Es ist ein Plan.
Und er darf nicht gewinnen.
Die Geschichte wird heiß.
Nein.
Die Geschichte IST heiß.
Oder hat Frau Dr.
Harleen Quinzel am Ende doch recht und ich sollte mich einfach einmal ein paar
Tage ausruhen?
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Verfasst am : 07.06.2026 20:32
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Double-Party
Ein
Augenzeugenbericht
Es war eine herausragende Saison der KT Rinnenkings!
Die erste Meisterschaft der Vereinsgeschichte – und die zweite Torjägerkanone
für Hanspeter Hobel.
Die Bilanz dieses wahr gewordenen Fußball-Fiebertraums:
22 Siege, 4 Unentschieden, 0 Niederlagen und ein Torverhältnis von 94:26!
Torschützenkönig wurde Hanspeter Hobel – von allen nur Hansi genannt – mit
aberwitzigen 30 Ligatreffern.
Wenn es je eine Thekenmannschaft verdient hat, sich ins Goldene Buch der Stadt
Dormagen einzutragen, dann diese Kampftrinkertruppe!
Wenige Tage nach dem letzten Saisonspiel ist es heute endlich so weit.
Die ganze Stadt ist auf den Beinen, um ihre Aufstiegshelden gebührend zu
feiern!
Die Szene erinnert an die fünfte Jahreszeit im
Rheinland: Karneval.
Tausende Fans säumen den Straßenrand, um ihrem Prinzen „van Heutchen“ und seinem
Hofstaat zu huldigen.
Wie ein Karnevalsfürst hat sich der Kingpin an die Spitze seines Wagens gestellt
und lässt sich vom gemeinen Volk feiern.
Immer wieder stemmt der Macher vom Niederrhein die Meisterschale in die Luft und
genießt den tosenden Jubel seiner Untertanen.
Auch sein Adjutant Hansi, Hanspeter Hobel, kostet es sichtlich aus, seine
Torjägerkanone zu präsentieren.
Die beiden wirken dabei fast so innig wie ein Brautpaar auf dem Weg zum Altar –
nur deutlich betrunkener.
Ich würde wetten, dass die Mannschaft jetzt schon
denselben Pegel hat wie an Rosenmontag gegen 23 Uhr.
Unsere neue Chefin, Frau Julia Reich, hat Klara und mir den Auftrag gegeben, den
Festakt rund um den Eintrag ins
Goldene Buch zu dokumentieren.
Wahrscheinlich hofft sie, wir könnten dabei die eine oder andere Schweinerei
oder Peinlichkeit aufdecken. Frau Reich hat offenbar bis heute nicht verwunden,
dass es van Heutchen gelungen ist, ihren Stiefvater zu bestechen. Seitdem
scheint sie auf Vergeltung zu sinnen.
Klara und ich entscheiden uns deshalb für Arbeitsteilung.
Ich soll den Narzissten über seine eigene Eitelkeit in einen selbstverliebten
Laberflash treiben. Ein bisschen Honig ums Maul schmieren, ein bisschen
Aufmerksamkeit geben – selbstverliebte Männer werden davon schnell
leichtsinnig.
Klara dagegen übernimmt den heikleren Teil.
Sie will ihren Finger noch einmal tief in die offene Wunde legen und nachbohren,
was Linda uns damals an Weihnachten eigentlich anvertrauen wollte.
Der eigentliche Akt des Eintrags ins Goldene Buch verlief anschließend relativ
unspektakulär.
Das Interview dagegen nicht.
Der kriminelle Baulöwe wirkte noch immer berauscht
von der Ehre dieses Moments, sodass ihm plötzlich
folgende Worte aus dem Mund fielen:
„Herr van Heutchen, zunächst einmal Gratulation zur Meisterschaft und zum
verdienten Aufstieg in die 3. Liga. Ein Traum wird wahr!“
„Sie sagen es! Endlich Profifußball! Endlich die große Bühne! Endlich das große
Geld! Endlich die Anerkennung, die ich verdiene!“
„Was sind Ihre Pläne für die Zukunft? Wie soll es mit Ihrem Verein
weitergehen?“
„Als Erstes baue ich eine Radiostation!“
„Eine Radiostation? Das ist überraschend.“
„Aber nur für dich, du Luftpumpe.“
Dabei rammt er mir grinsend die Faust gegen die Schulter.
Bei van Heutchen fühlt sich selbst ein freundschaftlicher Stupser an wie
häusliche Gewalt.
„Das ist ganz einfach“, beginnt er anschließend die Erläuterung seines
diabolischen Plans.
„Wer die Medien beherrscht, beherrscht die Menschen. Erst kaufe ich die
Zeitungen, dann das Radio und am Ende kontrolliere ich das Fernsehen. Dann hält
mich niemand mehr auf.“
Ich frage mich ernsthaft, ob er das gerade wirklich gesagt hat.
Unwillkürlich beschleicht mich das Gefühl, mitten in einem James-Bond-Film oder
einem schlechten Marvel-Comic gelandet zu sein.
Offenbart hier gerade tatsächlich der Superschurke höchstpersönlich seinen
Masterplan zur Ergreifung der Weltherrschaft?
Aber wer soll in dieser Geschichte bitte der Held sein?
Unsicher lasse ich den Blick durch den Saal wandern und versuche, Blickkontakt
zu Klara aufzubauen.
Vergeblich.
Klara hat es offensichtlich geschafft, Linda in ein bemerkenswert intensives
Gespräch zu verwickeln. Die beiden stehen ungewöhnlich nah beieinander. Linda
spielt nervös mit ihrem Sektglas, während Klara sie mit diesem ruhigen,
gefährlich aufmerksamen Blick fixiert, bei dem Menschen entweder anfangen zu
reden – oder sich auszuziehen.
Offenbar bemerkt der Drei-Zentner-Riese seinen Fauxpas inzwischen selbst und
versucht hektisch zu retten, was noch zu retten ist.
„Du gehst doch zum Lachen in den Keller, hab ich recht?! Das war natürlich nur
ein Scherz!“
Schon wieder kracht mir seine Hand gegen die Schulter.
Diesmal eindeutig mehr Schlag als Stupser.
„Einige neutrale Fußballfans fanden es… sagen wir… bemerkenswert, dass jedes
Spiel Ihrer Mannschaft vom selben Schiedsrichter geleitet wurde. Wie ist dieser
Umstand zu erklären?“
„Also auf Herrn Robert Hoyzer lasse ich nichts kommen, der Mann ist ein echter
Ehrenmann! Warum der Bernd N. vom DFB immer den Robert geschickt hat, weiß ich
auch nicht. Aber Robert hat seine Sache immer richtig und gut gemacht. Ein
Top-Schiedsrichter!“
Das sind die letzten Worte, die er bereit ist, mit mir zu wechseln.
Seine Spieler drängen bereits auf den Balkon, um sich ihren Fans zu
präsentieren.
Da darf der Mann mit der Meisterschale natürlich nicht fehlen.
In einem für seine Körpermasse beeindruckenden Tempo sprintet der Macher vom
Niederrhein die Stufen hinauf. Als schließlich alle Spieler samt van Heutchen
auf dem Balkon versammelt sind, beginnt die Party endgültig zu
eskalieren.
Aus sämtlichen Boxen dröhnt:
„Ich hab ’n Puff und meine Puffmama heißt Layla.
Sie ist schöner, jünger, geiler …“
Die Menge grölt jede Zeile mit. Bier schäumt durch die Luft, Fahnen peitschen
über den Rathausplatz,
und irgendwo zieht bereits das erste Pärchen deutlich zu eng umschlungen
Richtung Seitenstraße davon.
Stundenlang feiern die Offiziellen gemeinsam mit ihren Fans.
Irgendwann kippt die Stimmung – und die Dorfbewohner eskalieren, wie bei Feiern
der Kings üblich, maximal.
Es kommt zu den obligatorischen Massenschlägereien,
und die Polizei muss den Rathausplatz schließlich mit einem Großaufgebot
räumen.
Was sich anschließend im Inneren des Rathauses abgespielt hat, entzieht sich
leider meiner Kenntnis.
Klara und ich wurden kurz nach der Trophäenpräsentation höflich, aber bestimmt
hinauskomplimentiert.
Gerüchten zufolge muss allerdings ein gewaltiger Schneesturm durch das Rathaus
gefegt sein.
Allerdings einer, bei dem man offenbar eher Kleidung abgelegt als
übereinandergezogen hat.
Die Spieler, die den Schneesturm überlebt hatten, feierten anschließend
gemeinsam mit den Fans einfach vor der
Vereinszentrale der KT Rinnenkings weiter.
Vertreibung durch die Polizei hin oder her – genug hatten hier offensichtlich
noch lange nicht alle.
Vor der Vereinszentrale des frisch gebackenen
Drittligisten wurde die Nacht endgültig lang, feucht und schmutzig
– genau so, wie es die Kings am liebsten mögen.
zum Artikel
Verfasst am : 23.05.2026 17:11
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Zeitenwende
Führungswechsel in
der Chefetage
Einleitung
Liebe Leser,
nach meinem Absturz infolge des verpassten Aufstiegs der KT Rinnenkings am
letzten Spieltag der Vorsaison bin ich zurück in der Redaktion.
Meine Psychiaterin, Frau Dr. Harleen Quinzel, hat mir bescheinigt, dass ich
wieder voll belastbar bin und arbeiten darf.
So ein Mist. XD
Warum Frau Dr. Harleen Quinzel dabei so komisch
gelacht hat, erschließt sich mir allerdings bis heute nicht. Vielleicht wusste
sie etwas, das ich noch nicht wusste. Vielleicht wusste sie sogar ganz genau,
was mich in dieser Redaktion erwarten würde.
Denn in dem Moment, als die Tür zum Konferenzraum aufschwingt, bekomme ich
plötzlich ein sehr ungutes Gefühl.
Nicht dieses „Ich-habe-den-Herd-angelassen“-Gefühl. Eher diese Sorte Nervosität,
bei der der Puls plötzlich schneller wird,
obwohl der Kopf noch gar nicht verstanden hat, warum.
Das ist also meine neue Chefin? Julia Reich – die Stieftochter von Verleger und
Chefredakteur J. Jonah Jameson.
Der Name klingt schon nach Schlagzeile. Nach Titelseite. Nach Ärger.
Ich wette, sie ist mit dem Learjet direkt aus New York eingeflogen –
geschniegelt, geschniegelt, geschniegelt… und brandgefährlich.
Angeblich hat sie in den USA die Auflage der
Zeitung „Picture“ in nur sechs Monaten verdoppelt.
Man erzählt sich, sie hätte dafür kaum geschlafen, rund um die Uhr gearbeitet
und dabei ganze Redaktionen um den Finger gewickelt. Angeblich konnte Julia
Reich mit Charme, Ehrgeiz und diesem berüchtigten Blick selbst die härtesten
Kritiker weichkochen —
unabhängig vom Geschlecht. Für den Erfolg ging sie angeblich bis an ihre
körperlichen Grenzen.
Vielleicht sogar ein kleines Stück darüber hinaus.
Als sie den Raum betritt, wird es still. Nicht dieses höfliche
Büro-Schweigen.
Eher diese Art von Stille, die entsteht, wenn plötzlich alle denselben Gedanken
haben.
Und als ihre Absätze langsam über den Boden klicken, fühlt sich der
Konferenzraum plötzlich kleiner an.
Wärmer. Dichter. Fast elektrisch.
„Liebe Kolleginnen und Kollegen“, beginnt sie und stellt ihre Tasche langsam auf
dem Tisch ab, „mein Stiefvater hat mir die Verantwortung für diese Zeitung
übertragen. Und ich werde mein Bestes tun – nein, alles tun –, um dieses
Verlagshaus an die Weltspitze zu führen!“
Sie sagt das mit einem Blick, der hängen bleibt.
Ein Blick, der sich festkrallt wie Fingernägel auf nackter Haut.
Die ist ja so verrückt wie Harley Quinn – nur heißer.
Gefährlich heiß.
Und gefährlich auf eine Art, die wahrscheinlich in keinem Arbeitsvertrag dieser
Welt erwähnt wird.
Meine Gedanken machen sich bereits selbstständig.
„Nach dem letzten Bestechungsversuch von Herrn van Heutchen hat sich mein
Stiefvater nach Miami zurückgezogen. Er hatte keine Lust mehr auf den Stress.
Bei unserem letzten Telefonat sagte er nur: Die Presse bleibt frei! Oder so
ähnlich… ich habe ihn nicht ganz verstanden. Er hatte ständig ein Glas
Champagner in der Hand und eine Zigarre im Mund. Ich glaube, er ist
glücklich.“
Na, der
Bestechungsversuch ist wohl gründlich daneben gegangen, denke ich und muss mir
ein Grinsen verkneifen.
„Unsere Zeitung hat 27 Millionen Abonnenten weltweit – das ist eine große
Verantwortung.“
Für eine halbe Sekunde herrscht absolute Stille.
Dann geht ein kaum unterdrückbares Kichern durch den Raum. Selbst Klara muss
sich sichtbar zusammenreißen, während ich krampfhaft versuche, ernst zu bleiben
— mit eher mäßigem Erfolg.
Julia blinzelt kurz irritiert, fängt sich aber
erstaunlich schnell wieder.
Fast so, als wäre sie es gewohnt, selbst nach einem Stolperer einfach
weiterzulaufen — vorzugsweise in verdammt hohen High Heels.
„Wie kommen Sie denn auf diese Zahl, Frau Reich?“ frage ich und wische mir die
Tränen aus den Augen.
„Mein Stiefvater sagte, die Zeitung habe 27 Abonnenten. Ich bin davon
ausgegangen, dass es 27 Millionen sind…?“
Ihre Stimme verliert kurz an Spannung. Ihr Blick sucht Halt. Fast süß. Fast
gefährlich.
„Nein“, sagt Karla Kolumna ruhig und nimmt einen Schluck Wasser, „es sind 27
Liebhaber des freien Journalismus. Ganz ohne zusätzliche Nullen.“
Betretenes Schweigen legt sich über den Raum.
Dicht. Schwer. Fast intim.
Man hört plötzlich nur noch ruhiges Atmen und das leise Klirren eines
Wasserglases. Für einen Moment fühlt sich der Raum seltsam eng an — als würde
niemand zu tief Luft holen wollen.
Dann richtet Julia sich langsam wieder auf.
Und plötzlich ist sie wieder voll da.
Diese Energie. Dieses Feuer.
„Also gut! Auch wenn die meisten Leser gar keine Vorstellung davon haben, wie
viel Aufwand es ist, eine unterhaltsame Zeitung zu machen, sind wir den
Aktionären… äh… der Wahrheit verpflichtet!“
Mit neuem Selbstbewusstsein richtet sie sich auf.
Die Unsicherheit ist verschwunden.
Jetzt steht da keine nervöse Verleger-Tochter mehr. Jetzt steht da eine Frau,
die beschlossen hat, den ganzen Raum an sich zu reißen — und niemand scheint
etwas dagegen zu haben.
„Ab sofort weht hier ein anderer Wind. Wir geben den Leuten genau das, was sie
wollen: Drama, Sex und Gewalt! Heiße Bilder, wenig Text und große Buchstaben!
Schlagzeilen, die knallen. Bilder, die unter die Haut gehen. Dinge, die man
nachts heimlich nochmal anschaut. Geschichten, bei denen der Puls steigt und der
Finger plötzlich länger auf der Seite bleibt als geplant.“
Ein aufgeregtes Raunen geht durch den Raum.
Ich merke plötzlich, wie ich jedes einzelne Wort aufsauge. Selbst Klara, die
eben noch skeptisch wirkte, verfolgt Julias Auftritt inzwischen mit einer
Aufmerksamkeit, die fast schon bewundernd wirkt.
„Hier in Deutschland ist das so eine Sache…“ versucht Klara einzuwenden.
Julia winkt sofort ab.
„Papperlapapp! Die Pressefreiheit ist unantastbar! Hier laufen ‚Eis am Stiel‘
und ‚CSI: Miami‘ mittags im Free-TV. In der Tagesschau,
der Bildzeitung und selbst im KiKA-Kanal gibt es härtere Inhalte als in unserem
Hochglanzmagazin.“
Sie lehnt sich leicht auf den Tisch.
Dabei beugt sie sich gerade weit genug nach vorne,
um wirklich jedem im Raum die volle Aufmerksamkeit zurückzuholen.
„Außerdem arbeitet unsere Redaktion mit ChatGPT – die härteste Tür in Sachen
Jugendschutz überhaupt! Was ChatGPT zulässt,
ist definitiv sauber und nicht dirty!“
Klara lächelt nervös.
Man spürt, wie sich etwas verändert.
Wie Spannung langsam in Neugier kippt.
Die Luft wird wärmer. Dichter. Gefährlicher.
Fast so, als hätte jemand heimlich den Sauerstoff gegen Adrenalin
ausgetauscht.
Alle atmen durch.
Drei Minuten – und der Raum fühlt sich plötzlich völlig anders an.
Ich kann es nicht steuern, nicht erklären — aber plötzlich klopfe ich zustimmend
auf den Tisch. Und Klara tut es direkt danach ebenfalls.
„Wir müssen die Dinge richtig anpacken! Fester
zupacken, tiefer graben, uns die Finger schmutzig machen.“
Ihre Stimme wird tiefer. Rauer.
„Vielleicht bekommen wir auch mal eins auf den
Hintern – von Lesern oder Zensoren. Na und? Dann lecken wir unsere Wunden…
und kommen zurück.“
Sie lächelt dabei.
Dieses Lächeln sollte wahrscheinlich unter das Waffengesetz fallen.
„Stärker. Schärfer. Hungriger.“
Sie macht eine kurze Pause.
Lässt den Moment wirken. Kostet ihn aus.
Und verdammt…
sie weiß ganz genau, wie sehr sie diesen Raum inzwischen in der Hand hat.
Niemand im Raum sagt etwas.
„Wer sagt denn, dass das keinen Spaß machen darf? Mein Ziel: Wir verdoppeln die
Abonnentenzahl bis 2027. Wir setzen neue Maßstäbe. Wir fesseln unsere Leser
wieder – so sehr, dass sie nicht mehr loskommen.“
Sie blickt einmal langsam durch den Raum.
„Sie sollen süchtig werden nach unseren Geschichten. Nach Bildern, die sich
einbrennen. Nach Schlagzeilen, die den Puls hochtreiben.“
Ein leichtes, verdammt selbstsicheres Lächeln
gleitet über ihre Lippen.
„Die Presse bleibt frei! Wer uns nicht mag, darf
uns ignorieren — sollte uns aber trotzdem respektieren.“
Sie macht eine kleine Pause.
„Wir werden für große Unterhaltung sorgen. Genau
dafür spielen wir.“
Noch eine Pause.
Dann dieses Funkeln in ihren Augen.
„Und wir spielen, um zu gewinnen.“
Stille.
Keine peinliche Stille. Keine unsichere Stille.
Diese gefährliche Art von Stille.
Die entsteht, wenn Menschen plötzlich merken, dass sie gerade angefangen haben,
an etwas zu glauben.
Dann hebt sie leicht das Kinn.
„Wir werden der Babo auf dem Zeitungsmarkt. Too
big to fail. Unantastbar.“
Julias Begeisterung reißt uns plötzlich mit. Fast gleichzeitig erheben wir uns
von unseren Stühlen und applaudieren unserer neuen
Boss Lady mit ehrlicher Begeisterung.
Sogar Klara klatscht jetzt begeistert mit — und das will wirklich etwas
heißen.
So eine Rede hat dieser Raum noch nicht erlebt.
Euphorisiert lasse ich mich zurück in meinen Stuhl sinken. Ich lehne mich
zurück, lockere meinen Kragen und denke nur:
Das hier könnte verdammt spannend
werden.
zum Artikel
Verfasst am : 17.05.2026 06:51
Kommentare: 0
„Doppel-Wumms“ auf dem Transfermarkt!
Die KT Rinnenkings erzielen Rekordablöse!
Skandaläußerung erschüttert Deutschland – oder wenigstens Dormagen!
Mit dem Verkauf der beiden Top-Talente Franz Damm und Mfaki Khondowe an den FC
Killerboys aus Brackenheim wechseln zwei absolute
Hoffnungsträger den Verein. Zwei Jungs, die in Dormagen behandelt wurden wie die
letzten Goldbarren auf einem sinkenden Piratenschiff.
Der pfeilschnelle Stoßstürmer und der zweikampfstarke Außenverteidiger wechseln
zum Saisonende vom Niederrhein an den Neckar.
Für die Fans der KT Rinnenkings fühlt sich dieser Doppeltransfer ungefähr so
angenehm an wie Durchfall im Freizeitpark.
Über die genauen Ablösemodalitäten wurde Stillschweigen vereinbart. Wir sind uns
aber sicher, dass dieser Doppeltransfer die Vereinskasse
der KT Rinnenkings mal so richtig vollgemacht hat. Die vom Kingpin aus Dormagen
natürlich auch.
Van Heutchen wird sich wieder seine übliche Provision in die Tasche stecken.
Irgendwo knallt vermutlich schon die erste Flasche Champagner gegen eine goldene
Badewanne.
Die Spielerpräsentation findet unweit von Brackenheim im Erlebnispark Tripsdrill
statt.
Direkt im Schatten der Hauptattraktion des Parks, der Holzachterbahn
„Mammut“.
Ein passender Ort: viel Geschrei, schwitzende
Männer und zwischendurch das Gefühl, gleich komplett zu entgleisen.
„Es ist natürlich eine große Auszeichnung für mich, dass der FC Killerboys eine
so hohe Ablöse für mich auf den Tisch legt.
Ich empfinde aber keinen Druck. Ich weiß, dass ich jeden Cent wert bin. Van
Heutchen wird sich noch schwarz ärgern, dass er mich verkauft hat.
Ich hätte gerne mit meinen Jungs die 3. Liga aufgemischt. Wenigstens ist Mfaki
an meiner Seite geblieben.
Er ist ein Weltklassespieler und ein noch besserer Freund! Ich werde die Jungs
vermissen.“
Wir glauben, Herr Damm wird sich mit dem üppigen Handgeld und dem vervielfachten
Gehalt locker eine nette Psychiaterin leisten können,
die ihm über den Trennungsschmerz hinweghelfen wird. Vielleicht sogar mit
Ledersofa und Gratis-Whisky im Wartezimmer.
„Ich kann Franz nur zustimmen. Es ist schon Wahnsinn, wie verrückt das
Fußball-Business geworden ist.
Noch vor Kurzem habe ich in der Jugend von ‚Ajax Hamsterdam‘ gespielt und wurde
von den KT Rinnenkings für eine unfassbar hohe Ablöse verpflichtet.
An der Stelle ganz liebe Grüße an ‚janniboy27‘.
Diese tolle, clevere und gutaussehende Sportdirektorin hat mein Talent erkannt
und mir überhaupt erst die Chance gegeben, Profi zu werden.
Nur um ein halbes Jahr später mit Gewinn verkauft zu werden. Nichtsdestotrotz
bin ich froh, dass ich aus diesem Ausbeuterverein aussteigen konnte.
Endlich habe ich einen Verein gefunden, der mich wertschätzt und bei dem ich
mich langfristig entwickeln kann.
Mein Ziel ist es, Nationalspieler des Senegals zu werden. Ich bin Lobo unendlich
dankbar, dass er mir diese Chance gibt!“
Eine bemerkenswert reife Aussage eines ehrgeizigen Spielers.
Kein Wunder, dass van Heutchen den verkauft hat. Selbstdenkende, mündige Spieler
– die machen nur Probleme.
„Das viele Geld löst Probleme“, wird sich der Sportdirektor der KT Rinnenkings
gedacht haben,
als er sein größtes Außenverteidigertalent auf die Transferliste setzte. Und
wenn nicht, dann hat spätestens der Kontostand nachgeholfen.
„Diese Achterbahn symbolisiert den Werdegang unseres geliebten FC Killerboys
ganz treffend.
Mal geht es steil nach oben – bis in die Bundesliga – und dann kommt der freie
Fall. Aber nur, um Schwung zu holen und wieder neue Höhen zu erklimmen! Genau
wie nach einer schlechten Ehe oder einer durchsoffenen Samstagnacht. Ich bin
unglaublich stolz und glücklich,
dass uns dieser Doppeltransfer gelungen ist. Diese beiden Jungs waren die
Mosaiksteine, die uns in unserer neuen ‚goldenen Generation‘ gefehlt haben.
Diese neue, junge und hungrige Mannschaft wird unseren glorreichen FC Killerboys
wieder zurück in die Bundesliga führen!
Diesmal auch für länger, versprochen! Die Fans können sicher sein, dass wir
keinen Cent zu viel bezahlt haben.
Glaubt nicht alles, was in der Zeitung steht. In der Zeitung steht nicht die
Wahrheit, sondern das, was sich am besten verkauft.“
Lobo, der stolze Sportdirektor der Killerboys, scheint von seiner Aussage
überzeugt zu sein. Wie sonst sollte man die Freudetränen in seinen Augen
erklären!? Oder das verdächtig breite Grinsen, das aussah, als hätte ihm gerade
jemand Freibier und einen lebenslangen Wellnessurlaub versprochen.
„Ich möchte mich bei Lobo bedanken. Es waren kurze und harte Verhandlungen und
am Ende habe ich das bekommen, was ich wollte,
und er hat bekommen, was er wollte. Wir haben uns wirklich gut verstanden. Nach
dem Geschäftsabschluss haben wir
– wie unter Geschäftsmännern üblich – Nomikai gemacht. Der Sake von Lobo war
ausgezeichnet.
Da ist eine echte Männerfreundschaft
entstanden.“
Fast schon gelassen moderiert der Sportdirektor und Baulöwe die Presskonferenz
ab.
Wie einer dieser Typen, die selbst beim Dönerbestellen wirken, als würden sie
nebenbei einen osteuropäischen Hafen kaufen
Wir wünschen den beiden Neuzugängen Franz Damm und Mfaki Khondowe viel Erfolg
und eine lange Karriere beim FC Killerboys.
Für den Durchlauferhitzer KT Rinnenkings ist schließlich nicht jeder gemacht.
Manche Spieler kommen dort raus wie ein
Gourmet-Steak, andere eher wie ein verbranntes Würstchen vom
Bahnhofskiosk.
Als sich die vier schon das fünfte Feierabendbier gönnen, tritt eine junge
Reporterin heran. Mutig. Oder lebensmüde.
„Herr van Heutchen, was sagen Sie zu den Gerüchten, dass Sie einen Teil der
Transfereinnahmen dazu verwendet haben, J. Jonah Jameson zu bestechen?
Wie sonst lässt sich erklären, dass seit dem verpassten Aufstieg der KT
Rinnenkings kein Artikel mehr erschienen ist?
Angeblich hat J. Jonah Jameson jetzt die Verlagsleitung an seine Stieftochter
Julia Reich übergeben. Die werden Sie nicht kaufen können.
Die macht sich nichts aus Geld – die hat nämlich
mehr als genug!“
„Wenn du dich und den Feind kennst, brauchst du den Ausgang von hundert
Schlachten nicht zu fürchten.
Wenn du dich selbst kennst, doch nicht den Feind, wirst du für jeden Sieg, den
du erringst, eine Niederlage erleiden.
Wenn du weder den Feind noch dich selbst kennst, wirst du in jeder Schlacht
unterliegen“,
grinst der Drei-Zentner-Riese der Reporterin überlegen ins Gesicht.
Die junge Journalistin schaut dabei ungefähr so
begeistert wie ein Vegetarier beim Spanferkelessen.
„Die hat in den USA doch keine Zeitung geleitet. Dieses ‚Picture‘ – das ist doch
eine Mischung aus Yellow Press und Playboy-Magazin.
Dieses Schmuddelheftchen hat doch nichts mit seriösem Journalismus zu tun. Da
stehen mehr Silikonbrüste drin als echte Fakten.
Ich zeig der schon, wo der Barthel den Most
holt!“
Was für eine Ansage!
Wir sind gespannt, was da noch kommt!
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Verfasst am : 08.05.2026 22:46
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Matrix
eine Flucht aus der Realität
Es ist ein beschissener Tag.
Regen prügelt vom Himmel, der Wind pfeift wie ein schlecht gelaunter Platzwart
mit Laubbläser durch die Häuserschluchten,
und der ganze Dreck der Straße klatscht dir ins Gesicht, als hätte sich das
Universum persönlich vorgenommen, dir heute in die Eier zu treten.
So ein Tag, an dem man sich fragt, warum man überhaupt aufgestanden ist.
Selbst der Kaffee von Moon-Bucks schmeckt, als hätte jemand Aschenbecherwasser
durch den Filter gejagt.
Es ist nicht nur ein beschissener Tag.
Es ist ein trauriger Tag.
Die KT Rinnenkings haben den Aufstieg in die 3.
Liga verkackt!
Das Handy klingelt.
Karla Kolumna.
Ich liege noch halb tot im Bett, verkatert bis unter die Schädeldecke, zermürbt
vom Frustsaufen nach der Niederlage gegen den „FC Die Kleinen“.
Mit letzter Würde nehme ich ab.
Sie redet wie ein aufgezogenes Kofferradio auf Dauersendung nach drei Dosen
Energy und ohne Aus-Knopf.
Fotos. Tagebücher. Irgendwas Großes.
Ich verstehe kaum ein Wort.
Es ist elf Uhr morgens.
ELF.
Unchristliche Zeit für Menschen meines Zustands.
Ich will wieder pennen.
Einfach weg.
Aber ich verspreche, in die Redaktion zu kommen.
Es wäre ehrenlos, jetzt nicht aufzutauchen und sich stattdessen wieder aufs Ohr
zu hauen.
Im Büro dann das nächste Bild für die Galerie des Absurden:
Karla sitzt auf der Leder-Couch.
Neben ihr Alexandra Neumann – Physiotherapeutin der Rinnenkings und offenbar
inzwischen mehr als das.
Offensichtlich sind die beiden jetzt ein Liebespaar.
„Schade“, denke ich mir leise.
„Diese Alexandra Neumann könnte glatt als Zwillingsschwester von der verdammt
heißen Linda Lindemann durchgehen…“
In meinem Kopf laufen Filme, die mit Journalismus ungefähr so viel zu tun haben
wie van Heutchen mit Bescheidenheit.
Ich reiße mich zusammen.
Mehr schlecht als recht.
Auf dem Tisch: Fotos, lose Blätter, Chaos.
Also alles wie immer – nur mit mehr Drama.
„Hier, schau dir das an“, sagt Karla und drückt mir ein Bild in die Hand.
Van Heutchen.
Natürlich.
Wer auch sonst!?
„Und das hier musst du lesen.“
Ein Tagebucheintrag
Ich lese:
„Ich muss mich entscheiden. Nehme ich die blaue
Pille? Bleibe ich in der bequemen Lüge?
Oder nehme ich die rote Pille und sehe die Wahrheit - egal wie dreckig sie
ist?
Ich bleibe in der Matrix … oder ich erkenne, was diese Welt wirklich ist!?
So kann ich jedenfalls nicht weitermachen.“
Ich starre auf das Papier.
Mir wird kurz nüchtern.
Und übel.
Ich will ein Bier.
Was zum Teufel…
Ist das der Moment, in dem dieser größenwahnsinnige Zirkusdirektor endlich
komplett durchdreht?
Oder schlimmer: aufwacht?
„Hier ist noch mehr“, flüstert Karla und hebt einen Bierdeckel hoch.
Dreckig, speckig, durchtränkt von Bier, Senf und Rotwein – also quasi ein
offizielles Vereinsdokument.
Karla grinst schief.
„Erinnerst du dich an Weihnachten bei van Heutchen in der Villa?“
Leider ja.
„Das Interview ist beendet! Verlassen Sie sofort das
Haus – oder ich lasse die Hunde los!“
Ich hatte Todesangst und vermutlich weniger Würde als der Teppich im Flur.
„Den hat mir Linda zugesteckt“, sagt Karla und
hält mir den stinkenden Deckel unter die Nase.
„Konnte lange nichts damit anfangen. Aber jetzt… es geht um Betrug. So schnell?
Das kann nicht legal sein! Irgendwer hat da richtig Scheiße gebaut. Der Name ist
kaum lesbar… irgendwas mit—“
BAM!!!
Die Tür fliegt auf.
Mehr Nebel als im Darkroom vom Berghain an Silvester.
Ein Typ steht im Raum.
Schwarzer Trenchcoat, geschniegelt wie aus einem billigen Actionfilm.
Schwarzer Rollkragen. Kampfstiefel. Diese alberne, kleine Sonnenbrille.
Irgendwo zwischen Terminator auf Wish bestellt und Matrix für Arme.
Komplett drüber.
Komplett ernst.
Cringe in Reinform.
Er schaut uns an und sagt nur:
„Folgt nicht dem weißen Kaninchen.“
Ich schrecke hoch.
Mein Bett.
Mein Zimmer.
Ich bin klatschnass geschwitzt, stinke nach Bier, Nikotin und schlechten
Entscheidungen.
Der Kopf hämmert wie ein Presslufthammer auf Koks.
War das alles nur ein Traum?
Ich greife zum Handy.
Nachricht:
KT Rinnenkings verpassen den Aufstieg!
Scheiße.
Also doch Realität.
Ich starre ins Leere.
Dann sehe ich es.
Unter meinem Bett.
Ein dreckiger, speckiger, erbärmlich stinkender
Bierdeckel.
Ich hebe ihn auf.
Drehe ihn.
Starre ihn an, als könnte er mir die Wahrheit ins Gesicht schreien.
Und sehe:
Nichts
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Verfasst am : 16.04.2026 19:45
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