13.431x gelesen 185x abonniert Ausgabe 30/24 24.07.2024 Grasgeflüster Jetzt registrieren

Heute ist mal wieder fußballfrei!


Ich hatte mir schon fast ein wenig Sorgen gemacht, nie wieder einen Artikel schreiben zu dürfen, da meine Leserzahlen in der letzten Zeit ziemlich stetig anstiegen. Aber meine Sorge war unbegründet.
Leser auf Null ------> Neuer Artikel! ☻

Wetter-App

Ich sitze in der S-Bahn und hole mein Buch aus der Tasche, wenn ich länger unterwegs bin, lese ich meist, außer es ist zu voll und ich muss stehen. Dann belausche ich schon mal gern andere Leute oder beobachte einfach so vor mich hin.
Heute war es ziemlich leer in der Bahn und ich schlug grad mein Buch auf, als sich eine Gruppe Jugendlicher vor mich setzte.

Nun wird’s bestimmt gleich laut und hochinteressant, denn junge Menschen sind meist sehr unbekümmert und mitteilsam. Da spricht man offen über Familie, Beziehungen oder darüber, wie viel man neulich gesoffen hat und wie oft man brauchte, das Gesoffene wieder auszu…scheiden.
Erstaunlicherweise blieb es total still. Alle hatten ihr Handy vor der Nase und waren in ihren virtuellen Welten versunken.

Ich hätte also in Ruhe lesen können, aber irgendwie war ich so gefangen von diesem pantomimischen Schauspiel, dass ich meine Augen nicht abwenden konnte.
Plötzlich sprach ein Junge in sein Handy; „Hallo Google. Wetter Warnemünde.“
Seine Freundin Google (es muss ein Mädchen sein, ich hörte es an der Stimme!) teilte ihm fröhlich mit, dass sich keine Firma Wecker in Warnemünde befindet. Der Junge schaute seinen kleinen Zauberkasten etwas befremdet an und versucht es noch einmal: „Wetter… Warnemünde!“
„Jo“, sagt Freundin Google, „Firma Wecker befindet sich immer noch nicht in Warnemünde, das hat sich seit Deiner letzten Anfrage auch nicht geändert.“

Die anderen Kids beachteten das Geschehen nicht. Mir tat der Junge leid und ich wagte mich einzumischen, weil ich mir Sorgen um die guten Beziehungen zwischen dem Kind und seiner Freundin Google machte: „Willst du nicht einfach mal die Zahnklammer rausnehmen? Vielleicht versteht sie dich dann besser.“
Der Junge folgte tatsächlich meinem Rat und Freundin Google teilte ihm flugs mit, dass das Wetter in Warnemünde kalt, aber nicht hoffnungslos sei.

Um das herauszufinden, hätte er doch einfach nur aus dem Fenster gucken müssen, dachte ich. Aber solch altmodischer Kram wie Wetterlesen durch einen Blick nach draußen ist wohl unter seiner Würde. Der hüpft bestimmt gleich im kurzen Hemd aus der S-Bahn, schließlich ist das Wetter laut Google ja nicht hoffnungslos. Und das, obwohl es gerade anfängt zu regnen, ich kann es sehen, wenn ich aus dem Fenster schau…


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Ist das ein neuer Trend?


Und ich hab’s wieder einmal nicht mitbekommen?

Schon vor Jahren war ich sehr verwundert über einen Slogan in einem Einrichtungshaus. "Dir gefällt die *gelbe* Tasche? Dann nimm dir eine *blaue* mit!" In letzter Zeit bemerke ich, dass sich der vermeintliche Unsinn ausbreitet.

Ich durchstöbre gern Rezepteseiten. Da postet beispielsweise jemand ein Rezept für Kartoffeln mit Spinat und Spiegelei, und ein begeisterter Nachkocher schreibt darunter: „Woah, super Rezept, volle Punktzahl dafür von mir, allerdings habe ich statt Spiegelei lieber Steak genommen, und weil dann der Spinat nicht so richtig passte, habe ich ihn durch Karotten ersetzt, und Kartoffeln hatte ich keine mehr zuhause, also habe ich Reis genommen.“

Ja, zugegeben, das klingt ausgesprochen logisch. Aber dass jetzt auch „meine“ Naturkosmetik-Firma so etwas macht, hat mich geärgert. Seit neuestem muss ich mir statt Sanddorn Gojibeere ins Gesicht schmieren, und niemand hat sich großartig die Mühe gemacht, darauf hinzuweisen. Die Verpackung ist noch ganz genau die gleiche wie meine alte, gewohnte Sanddornverpackung.

Ich habe etwas Bedenken, dass der Hersteller, ganz nach dem Vorbild der Rezeptseiten, irgendwann sagt: „Oh, dass mit der Gojibeere hat ja super geklappt, da machen wir doch aus der Gesichtscreme einfach mal eine Zahnpasta; das merken die Käufer gar nicht…




19.04. 10:43 Uhr 8 Leser
21.04. 06:38 Uhr 88 Leser

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Leser vergraulen? Aber wenn, dann mit Absicht!

Die Zeit der falschen Freundlichkeit ist vorbei.
Leider.
Denn ganz ehrlich: Ich war in den letzten Jahren zu gut zu den Lesern. Ich habe ihnen nicht nur die Möglichkeit gegeben, zu kommentieren und sich direkt mit mir auszutauschen. Ich habe ihnen auch die Mittel in die Hand gegeben, mich anzupöbeln, einen Haufen direkt vor meine Tür zu setzen und unerkannt davonzukommen.
Meine Antwort darauf war lange: Bitte, bitte, lieber Leser, beruhig dich wieder und dann kommst du doch zurück, ja?

Ich halte diese einseitige Höflichkeit für überholt.
Dann bleibt doch weg, undankbare Brut!

Späßchen! Das war ein faules Osterei.
Ich liebe euch doch alle!


Euch alle FÜNF....Stand 15.04. 17:14 Uhr
Euch alle FÜNFUNDFÜNFZIG...Stand 16.04. 9:14 Uhr
Euch alle EINHUNDERTFÜNF...Stand 17.04 17:12 Uhr
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Ihr Leserlein kommet,oh kommet doch bald!


oder Wie uns ein Übersetzungsfehler Ostern bescherte

Jeder weiß, dass man Ostern die Wiederauferstehung von Jesus feiert. Das ist kein Muss, man kann es auch sein lassen, man bringt sich dann aber um den Genuss vieler buntbemalter Eier und süßer Schoko-Häschen.
Es begab sich also zu der Zeit, dass Jesus beschloss, heimzukehren. Er stand also auf von den Toten und hatte riesigen Hunger. Da dieses jedoch ausgerechnet in der Schlussphase der Fastenzeit geschah, war die Speisenauswahl sehr begrenzt.
Um sein tierisches Verlangen nach gekochten Eiern zu stillen (Eier sind ja auch Tiere-nur in anderer Form), wandte er einen simplen Trick an:
Er kochte sich heimlich Eier und färbte sie anschließend rot ein, um dem lieben Gott vorzugaukeln, er würde lediglich an einem Äpfelchen herumnagen.
Gott bemerkte den Schwindel jedoch sofort und beauftragte eine Horde zufällig des Weges entlang hoppelnder Hasen damit, Jesus die Eier wegzunehmen und sie stattdessen unter den bedürftigen Kindern im Osten zu verteilen. Durch mehrere Übersetzungs- und Überlieferungsfehler wurde aus »Osten« mehrere hundert Jahre später »Ostern« gemacht.

Die Gelehrten und die Pfaffen
streiten sich mit viel Geschrei,
was hat Gott zuerst erschaffen -
wohl die Henne, wohl das Ei!
Wäre das so schwer zu lösen -
erstlich ward ein Ei erdacht,
doch, weil noch kein Huhn gewesen -
darum hat´s der Has` gebracht!

(Eduard Mörike)


In diesem Sinne allen Lesern ein Frohes Osterfest!
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Leserschwund!


Wehe jemand liest diesen Artikel. Abonnieren dürft ihr, aber Lesen ist nicht erlaubt. Leser werden eh völlig überbewertet.

Ich leide!

Ich mag die Überschrift. Sie klingt, als sei etwas ganz Schreckliches passiert, irgendwas Weltbewegendes, aber eigentlich ist das Gegenteil der Fall. Ich habe mich lediglich an einem Stück Papier geschnitten.
Papierschnitte im Finger sind fies. Die tun erst weh und dann fangen sie an zu jucken, und keiner bemitleidet einen, weil die einfach nicht theatralisch genug aussehen.
Eine bandagierte Hand oder gar ein Gips machen einfach mehr her als ein kaum sichtbarer Schnitt, der, winzig wie er ist, nur das Allgemeinbefinden ein wenig stört.
Man, es ist erstaunlich, wie viele Worte man darüber verlieren kann, dass man sich am Papier geschnitten hat, und das ganz ohne die Gänsehaut zu erwähnen allein bei dem Gedanken daran, sowie die Tatsache, dass ich keine Pflaster dahatte (welches vielleicht doch ein wenig Theatralik in die ganze Sache gebracht hätte).

Wer leidet noch?
Das Wetter leidet an Temperaturschwund.
Schmenker leidet daran, das Gewinnen verlernt zu haben.
Donald Trump leidet unter Lagerkoller oder einer Zwangsstörung oder krankhafte Demut oder pathologische Bescheidenheit und erschwerend kommt noch ein Haupthaar-Handicap dazu.
Deutschland leidet unter Brain-Drain.

Die Welt leidet an zwischenmenschlicher Kommunikationsarmut.

Und vom Sport?
Fußball hat schon genug gelitten unter der Gier des Fifa- und Funktionärsimperiums.
Götze leidet an einer Stoffwechselstörung.
Der HSV leidet unter Versagensangst.


Und Fußballcup? ☻
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Bei den Nichtrauchern nix Neues?


Es gibt immer eine Menge zu berichten, aber ich bin grad so schreibfaul.
Ich wünschte, ich könnte schreiben. Also, ich kann schon schreiben; hab es mal in der Schule gelernt, aber im Moment toben die Buchstaben so sinnlos durch meinen Kopf, dass ich über meine jämmerlichen Versuche, etwas zu Stande zu bringen, immer selber ganz entsetzt bin. Auch in meinen Träumen geht momentan alles drunter und drüber.

Ich habe ja schon immer ziemlichen Unsinn zusammen geträumt; meinen Mann im Traum erschlagen oder Kringelchens Bad unter Wasser gesetzt.
Solange ich denken kann, habe ich Alpträume. Als ich ein kleines Kind war, pflegte meine Mutter nachts des Öfteren beim Einkaufen wegzulaufen und mich alleine zu lassen, und dann wachte ich schweißgebadet und völlig durcheinander auf – ich lernte erst mit über fünf Jahren, dass Träume nicht unbedingt etwas Reales sind.

Die Alpträume hatte ich aber schon lange vorher. Erst ein Mädchen in der Sportgruppe erklärte mir, dass dieses unangenehme „Nachtleben“ etwas war, das nur in meinem Kopf stattfand, nicht aber gleichzeitig in ihrem – nicht einmal dann, wenn sie selbst in meinem Traum auftauchte.

Als ich älter wurde träumte ich davon, gefressen zu werden, mich nicht bewegen zu können (unangenehm, wenn etwas auf einen zurast und einen umbringen will), und noch später fand ich mich an unbekannten Orten wieder und konnte nicht nach Hause finden, oder wenn ich denn eine Ahnung hatte, wo ich mich befand, war das garantiert in einem anderen Stadtteil und die Bahnen fuhren nicht, die Fahrkartenautomaten waren kaputt oder es brach eben mal ein Krieg aus.

Ich habe immer noch Alpträume, und blöderweise erinnere ich mich an die immer ganz genau, während von den schönen Träumen eher so ein schwammiges Zufriedenheitsgefühl übrigbleibt, das ich nicht genau erklären kann. Ist ja auch viel spannender, wenn man aus dem Schlaf aufschreckt, weil einen ein riesiger Schwan gerade mit dem Schnabel in kleine Teilchen zerlegt oder weil man schon wieder nicht weiß, wo man gerade wohnt, als wenn man vom Wecker geweckt wird obwohl einen gerade jemand mag…


PS: Das Bundesverwaltungsgericht hat heute den Glauben an einen baldigen Frühlingsbeginn offiziell als Religion anerkannt. Die Entscheidung des Gerichtes wird nun eine Reihe von Veränderungen nach sich ziehen. So wird in den Schulen als zusätzliches Pflichtfach Frühlingslehre eingeführt, bei Gläubigen darf eine Lenzsteuer erhoben werden und das Verletzen von Frühlingsgefühlen kann als Blasphemie (§ 166 StGB) bestraft werden.

Postskriptum 2: Im Nichtraucher-Cup ab 5. April ist für einen Verein einer kleineren Liga noch ein Platz frei. Aber bestimmt nicht mehr lange, denn grad hat ein Drittligist nach dem Passwort gefragt.
Soll er haben....und sich dann bitte schnell anmelden. ☻


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