In der 93. Minute bricht der SVB alle Ketten und stürmt in die 3. Liga!
Bonn. Vom Tabellenkeller in den Fußball-Olymp: Der SV Blau-Weiß Bonn schreibt die unglaublichste Geschichte des deutschen Fußballs. Nach einem dramatischen 2:1-Sieg im direkten Aufstiegsduell gegen den FC Rheinhausen 06 ist der Durchmarsch von der Kreisliga bis in den Profifußball perfekt. Ein Triumph des Willens, der alle Kritiker verstummen lässt.
Vom Debakel zur Dominanz
Der Start in die Regionalliga-Saison glich einer Hinrichtung. Nach drei Spieltagen stand der SVB mit null Punkten und einer demütigenden zweistelligen Niederlage am Abgrund. Die Fachwelt spottete: War der Anspruch von Präsident Sebastian Jung, der ohne Blatt vor den Mund den sofortigen Durchmarsch in die 3. Liga gefordert hatte, reiner Größenwahn?
Doch Jung blieb eiskalt. Sein „Donnerwetter“ nach dem dritten Spieltag rüttelte die Mannschaft wach. Er verlangte maximalen Erfolg, um ab der 3. Liga radikal auf die eigene Jugend zu setzen. Die Antwort: Eine Siegesserie, die Bonn bis zur Winterpause auf Platz sechs katapultierte – trotz 9 Punkten Rückstand auf den Aufstiegsplatz und der Tatsache, dass man gegen kein Team der Top 5 gewinnen konnte.
Die Elf-Punkte-Prophezeiung
Auch die Rückrunde verlief trotz der Neuzugänge (offensives Mittelfeld und neuer Abwehrchef) holprig. Sechs Spieltage vor Schluss schien bei elf Punkten Rückstand alles vorbei. Niemand glaubte mehr an das Wunder – außer Sebastian Jung. Seine gnadenlose Ansage: „Wir steigen auf und mir ist es egal, wie die Mannschaft das hinkriegt!“ Es folgte eine Serie der Zerstörung, während die Konkurrenz Nerven zeigte und patzte.
Das Finale furioso: 93 Minuten Gänsehaut
Gestern kam es zum ultimativen Showdown: Platz vier gegen Platz drei. Bonn brauchte den Sieg, Rheinhausen reichte das Remis. Als die Gäste früh mit 0:1 in Führung gingen und den Strafraum verbarrikadierten, schien das Schicksal besiegelt. Doch die Physis der Gäste bröckelte. 86. Minute: Ralph Grootmark erzielt das 1:1, reißt den Ball aus dem Netz und peitscht seine Mitspieler ohne Jubel zurück zum Anstoß. 93. Minute: Die Nachspielzeit läuft. Wetklo tankt sich rechts durch, Flanke in den Strafraum. Spielmacher Heiner Albrecht schraubt sich hoch, Kopfball, der Ball schlägt im Winkel ein! 2:1! Und Abpfiff!
Ekstase und eiskalte Souveränität
Mit dem Abpfiff brachen alle Dämme. Die Fans stürmten den Platz, Zäune knickten ein. Mitten im Getümmel: Trainer Otto Schaffler, der alles riskiert hatte. Mit dem Aufstieg rettete er nicht nur seinen Job, sondern sicherte sich den neuen Dreijahresvertrag, der ihm bei einem Scheitern verwehrt geblieben wäre.
Während das Stadion im kollektiven Rausch versank, blieb einer die Ruhe selbst: Sebastian Jung. Auf der VIP-Tribüne, mit einem Bier in der einen und einer Zigarette in der anderen Hand, beobachtete er sein Werk. Sein einziger Kommentar zum historischen Moment: „Ich habe nichts anderes erwartet.“
Der SV Blau-Weiß Bonn ist erstmals auf der Landkarte des Profifußballs. Die Mission "3. Liga" hat begonnen.