Größenwahn im Dorfverein – Van Heutchen dreht nach dem Aufstieg der KT-Rinnenkings in die Verbandsliga völlig frei!
Die Sportredaktion berichtet erneut aus dem Epizentrum des Chaos
Dass der frisch gekürte „Manager des Tages“ zu Höhenflügen neigt, war spätestens seit seiner tränenreichen Dankesrede kein Geheimnis mehr.
Doch was seit dem Aufstieg der KT-Rinnenkings in die Verbandsliga abgeht, übertrifft selbst die Erwartungen der abgebrühtesten Katastrophenbeobachter. Einer davon bin ich – und selbst ich habe heute mehrfach überprüft, ob ich versehentlich in einer Mischung aus Seifenoper, Doku-Soap und Provinz-Satire gelandet bin.
Sportdirektor van Heutchen, noch immer im angenehmen Delirium zwischen Feierlaune und Restalkohol, hatte zur Pressekonferenz geladen. Vor der Vereinszentrale feierten währenddessen mehrere tausend Fans – ebenfalls maximal alkoholisiert – ihre Aufstiegshelden. Ein perfektes Umfeld also für nüchterne Entscheidungen und seriöse Kommunikation.
Als van Heutchen schließlich hinter das Mikrofon trat, mit glasigem Blick und einem Lächeln, das zwischen Genie und Wahnsinn so unsicher pendelte wie eine Fahne im Wind, begann er pathetisch:
„Sehr geehrte Damen und Herren, liebe Fans.
Es ist geschafft!
Der erneute Aufstieg ist perfekt!
Große Veränderungen stehen bevor.
Wie versprochen werden wir weiter am sukzessiven Stadionausbau festhalten.
Wir werden versuchen, unsere Infrastruktur zu verbessern.
Das bedeutet mehr Wurst- und Bierbuden – und das auch noch zu höheren Preisen!“
Anmerkung der Redaktion: Wir wagen die These, dass van Heutchen hier selbst nicht ganz verstanden hat, was er da verkündet. Das Gelächter im Saal jedenfalls prallte an ihm ab wie ein Flankenversuch am Sonntagsschuh eines Regionalliga-Verteidigers.
Doch der Manager hatte noch einiges im Tank – sowohl verbal als auch biertechnisch. Mit breitem Grinsen wandte er sich an Mannschaft und Trainerteam:
„Liebes Trainerteam und liebe Spieler, ihr habt Großes geleistet und zweimal den Aufstieg geschafft!
Zur Belohnung geht es ins Trink-Trainingslager zur Saisonabschlussparty nach El Arenal!“
Die Mannschaft reagierte, wie man es erwarten konnte: Jubel, Umarmungen, Diskussionen über Zimmerbelegung, Poolregeln und All-Inclusive-Aufpreise.
Doch wie im wahren Leben folgt auf Freude häufig der Schmerz. Und der Schmerz hieß, wie so oft: van Heutchen sprach weiter.
„Leider war es wieder eine Saison ohne Meistertitel. Das ist enttäuschend!
Egal, dass der Kader der Meistermannschaft doppelt so wertvoll ist!
Ich will etwas Blechernes am Ende der Saison in den Händen halten.
Ihr habt es einfach nicht geschafft!“
Tränen der Wut liefen über sein knallrotes Gesicht. Reflexartig nahm er einen tiefen Zug von seiner Zigarette und einen noch tieferen vom Bier – die Symbiose eines Mannes, der irgendwo zwischen Trotzphase und Midlife-Crisis feststeckt.
Er fuhr fort:
„Kein Nachwuchsspieler hat den Sprung in den Profikader geschafft!
Die Entwicklung der Profis geht nicht schnell genug!
Wir haben unser Top-Talent Giulio Minelli wegen fehlender Perspektive verloren.
Das darf nie wieder passieren!“
Die Stimmung im Saal kippte – und zwar schneller als ein frisch gezapftes Kölsch am Dorfkirmes-Stand. Die zuvor jubelnde Mannschaft erstarrte kollektiv.
Aber van Heutchen war noch nicht am Ende:
„Nach dem Aufstieg werden wir unser Vereinskonzept ändern.
Wir werden ein Ausbildungsverein!
Die Idee habe ich von erfahrenen Manager-Kollegen übernommen.
Die wissen, wie das Spiel gespielt wird.
Ich nicht! Also übernehme ich diese Idee?!
Es wird einen radikalen Umbruch im Kader, im Trainerteam und vielleicht auch bei den Assistenten geben!“
Der Schock saß tief. Der Raum fühlte sich plötzlich an wie ein Stummfilmstudio.
Noch eben hatte man in Gedanken Sangria-Eimer bestellt – nun saßen die Spieler wie Häufchen Elend zusammen und spendeten sich gegenseitig Trost.
„Wie kann ein Mensch nur so herzlos sein?!“
hörte man aus dem hintersten Teil des Saales.
Eine Minute nach dem Ende seiner Rede ließ sich van Heutchen in seinen ledernen Chefsessel fallen – mitten im Konferenzraum – und träumte, völlig betrunken, von noch besseren Zeiten.
Wie peinlich kann ein Mensch sein?
Die Antwort: Ja.
Die Pressevertreter verließen betreten den Raum.
Das Trainerteam sowie die Mannschaft ebenfalls – einige mit auffällig weißem Puder unter der Nase, mutmaßlich vom zu eiligen Taschentuchgebrauch.
Doch draußen wartete die nächste Eskalationsstufe:
Man schloss sich den Fans an.
Bis in den frühen Morgen hinein tanzten Spieler, Trainer und Funktionäre mit nacktem Oberkörper auf Bierbänken, Traktoren und sogar einem Maishäcksler durch die Straßen des Dorfes.
„So ein Tag, so wunderschön wie heute!“
schallte es in Dauerschleife über den Marktplatz.
Wir dürfen gespannt sein, welche Aufstiegshelden es tatsächlich in den Flieger vom Ballermann zurück nach Dormagen schaffen – und wer eventuell am Strand von Mallorca seine Karriere auslaufen lässt.
Die Sportredaktion wünscht unserem Dorfverein viel Glück, Mut und stabile Leberwerte für die Herausforderungen in der Verbandsliga!
