22.604x gelesen 104x abonniert Ausgabe 22/24 30.05.2024 THE WALKING SHIT Jetzt registrieren

satirisches Kneipen -WM- Tagebuch

Heilige Scheiße!

Wenn man der deutschen Gruppe eines gewiss nicht vorwerfen kann, so ist es mangelnde Dramatik. Noch zur Pause führte die Mannschaft 1:0, stand aber am Ende der ersten Halbzeit kurz vor einem Gegentor.
Spanien führte mit 1:0 gegen Godzilla, der das Spiel gegen Costa Rica offensichtlich verpennt hat. Die Mannschaft war in diesem Augenblick im Achtelfinale.

Zweite Halbzeit- Das Drama beginnt

Man kann gar nicht so schnell schreiben, wie plötzlich Dinge geschehen. Hansi Flick verstärkt durch einen Wechsel die Abwehr, kurz darauf steht es 1:1, wie übrigens auch im anderen Stadion. Und dann wacht Godzilla auf und schießt das 2:1 gegen Spanien.

69. Minute
Costa Rica führt 2:1.
Spanien und Deutschland sind aktuell draußen.
Also wenn wir eines sind, dann Dramavorrundenweltmeistergruppe!

71. Minute 2:2
Costa Rica ist aktuell wieder draußen, und Godzilla und Spanien sind weiter. Und natürlich werden die Spielstände auf den großen Leinwänden auch eingeblendet.
Folge:
Das Spiel ist, vermutlich auf beiden Plätzen, ein rassiger Schlagabtausch.

84. Minute 3:2
Spanische Schützenhilfe ist vonnöten, aber die haben Godzilla erweckt, und der hat schon zwei Mal mit dem Schwanz gewedelt.

90. Minute 4:2

Es ist vorbei.
Spanien konnte gegen Godzilla nix ausrichten. Das Endspiel sollte folgerichtig Japan gegen Argentinien sein. Aber da haben die Franzosen unter Napoleon dem Vierten noch ein gewichtiges Wort mitzureden. Außerdem habe ich beim schreiben dieser Zeilen den Turniermodus vollkommen außen vor gelassen.
Aber man wird ja mal träumen dürfen. Godzilla im Endspiel gegen Lionel Messi und seinen unverwüstlichen Di Maria, eine Art Sam Weiß Gamdschi und das in Katar.

Zurück in die Realität.

Die Mannschaft trifft im Achtelfinale auf das Flughafenpersonal.
Das schreibe ich ohne Häme.
Letztlich waren die hochgelobten Spanier sogar auf deutsche Schützenhilfe angewiesen um selbst weiterzukommen, und die deutschen Peitschen (H. R Kunze- Die Peitschen) haben unter Hochdruck geliefert. Godzilla aber auch.
Und nun sind „wir“ raus.
Na und, sei es drum!
Tatsächlich steckt in der Truppe Potenzial. Musiala bei seinen Dribblings im Strafraum erinnerte mich fast an Maradona und Messi. Schön wäre auch, wenn man einen erfolgreichen Nachwuchstrainer wie Stefan Kuntz mehr involvieren würde, aber ich bin kein Fachmann, und damit auch genug mit der Schwafelei.

Im Grunde ist doch ganz Deutschland froh darüber, dass die Mannschaft raus aus Katar ist. Sie hat zwei erfolgreiche, und teilweise auch gutklassige Spiele abgeliefert, und wird zum Dank zu einer politischen Henkersmahlzeit degradiert.
Daher, Respekt vor der sportlichen Leistung! Die war vor vier Jahren gegen Südkorea schwerer zu ertragen.

Anders unsere Medien. Ausgerechnet web.de hatte einige Stunden zuvor unter der sinngemäßen Überschrift: „Was, wenn die Spanier absichtlich verlieren?“, ein Interview mit dem spanischen Trainer teilveröffentlicht, der diese Idee natürlich für absurd erklärte.

Frage:
Wurde damit der lesenden Internetgemeinde ein wahr gewordene Verschwörungstheorie serviert?
Frage 2: Machen die das öfter?

Man liest sich! ;-)


PS: Habe gerade das 2:1 gegen Spanien gesehen. Dat kannste dir nicht ausdenken




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satirisches Kneipen -WM- Tagebuch

29.11.2022

Scheiße, bin ick besoffen. Iran spielt gerade gegen USA, und wenn ick sage die spielen, dann sach ick det nich einfach so dahin.
...Kurti, mein Bier is alle!...
Wo war ick stehen jeblieben, ach ja. Die spielen Fußball. Und die Amis ooch noch in blau. ...Kurti, mein Bier is immer noch alle, mach doch mal!...
„Bessahl erst mal Deinen Deckel von jestern!“
Mach ick morjen, hab Dir nich so zickig!
...Kurti kann manchmal ne rischdije Ssicke sein!
Zurück zum Spiel. Der Reporter hat noch nich eenmal wat polimischet jesacht. Det Spiel plätschert so vor sich hin, im Jejensatz zu dem Trauma, welchet meine Kehle durchleidet. Zum Glück finde ick nen Fuffzich Euroschein in meiner Tasche und serviere ihn direkt vor Kurtis Nase.
Hier, Du Nase! Bisse jesse ssufrieden?
„Die andere Hälfte fehlt noch, aber ich will mal nicht so sein. Dauert aber ein bissl. Die meisten Leute hier zahlen pünktlich, und das will ich nicht verpassen.“

Hab ick schon erwähnt, det ick Kurti manchmal nich ausstehen kann?

32. Minute

ARSCHLOCHREPORTER! Ick ssitier den politschechischen Scheiß jetz nich, det jeht mir jejen Strich, reimt sich sojar! Doch bevor ick mir künstlich aufrege, ick hab ja einen...
Kurti, machste jetz eenen uf Wüstenscheich, det Du mir wie den Habeck um Bier betteln lässt?
Det lieb ick an Kurti. So ne Sätze darfste in seine Kneipe sajen, ohne det dir eena schief ankiekt. Muss ne Nazikneipe sein. Eindeutig!

37. Minute

TOOOOR

Die Amis ham einjelocht! Iran spielt aber ooch ängstlich.

38.Minute

Kurti knallt mir ein neues Bier vor die Nase.

Halbzeit

Det Spiel war unterhaltsam und grandios fair. Ick hab nicht eine Karte jesehen, aber vielleicht kommt det noch. Ick rechne ja ooch jede Sekunde mit irjendwelche Klimakleber, oder det ein Heuschreckenschwarm über det Stadion bricht. Da is noch viel zu viel Fairness im Spiel. Sollten die sich in der zweiten Halbzeit nich mindestens hauen, so wie ihre Oberkomparsen det am liebsten vormachen wollen, aber nich können, weil se zu jebrechlich sind, und desterwejen junge Männer brauchen, dann bin ick jesse schon polikriminell enttäuscht.
Oder anders.
Wenn det Spiel so weiter jeht, und Kurti mir noch een Bier ausjibt, und zum Schluss jeben sich die Iraner mit den Amis ordentlich die Kralle, dann brauch ick keene politechnische Botschaft mehr.

Und jetzt rin in die zweete Halbzeit. Bei Wales jejen England stehts immer noch 0:0.

Korrektur.
2:0 für England.

God save the Queen!

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satirisches Kneipen -WM- Tagebuch

Erste Prognosen

24. 11. 2022

Nun denn, Freunde der Sonne, der erste Spieltag ist vorbei, die Berichterstattung, vor allem bei der ARD, hatte teilweise "Fack ju Göte" Niveau, was praktisch immer dann passiert, wenn Dilettanten artfremde Themen aufgreifen, und sich plötzlich als Volkserzieher verstehen. Als Grundschulerzieher habe ich den Begriff des Fremdschämens neu kennenlernen dürfen. Noch nie habe ich Bela Rethy vom ZDF so herbeigesehnt wie heute.

25. 11. 2022

Heute habe ich den passenden Witz gehört.

Auf wen trifft Die Mannschaft im Achtelfinale?
Auf das Flughafenpersonal.


Und vielleicht ist es ja auch stiller politischer Protest, dass man bereits in der Vorrunde ausscheidet, und wir sind nur zu blöd das zu würdigen.

Aber ich will nicht ungerecht sein. Nur weil einige, wenige Spieler ihren unbedingten Meinungsmoralismus zum Ausdruck bringen wollten, mussten, oder durften (?), haben sie dennoch nicht minder gekämpft. Japan ist eben nicht irgendwer!

Mal sehen was als nächstes kommt. Hoffentlich mal wieder Fußball.

Apropos Fußball

Wer sind eigentlich Ihre Favoriten nach dem ersten Hinsehen?

Spanien
Am meisten überzeugt hat ganz sicher Spanien, aber warten Sie mal das Deutschlandspiel ab. Flick hat offensichtlich mit Löw telefoniert, hört man unken. Über dieses Gespräch gibt es demnächst einen Sonderbeitrag, aber nicht hier. Oder vielleicht doch. Und es gibt im Internet schon wieder böse Zungen die behaupten, dass da ein Taubstummer mit einem Blinden telefoniert hätte.

Frankreich
Was Effizienz und Brillanz betrifft haben mich die Franzosen am meisten beeindruckt. Als würden sie stellvertretend für Italien gleich mitspielen.
Für mich momentan der Topf Favorit, aber das kann sich nach dem nächsten Spiel schon wieder ändern.

Brasilien
Keine Frage. Neymar ist reifer geworden. Das war regelrecht wohltuend. Dennoch ist Brasilien für mich eher so eine Wundertüte. Keine Frage, Serbien ist nicht irgendwer. Daher ist die Mannschaftsleistung der Brasilianer umso höher einzuschätzen.

Argentinien
Seit der Erfindung von Maradona bin ich Argentinien Fan. Und als dann auch noch Lionel Messi kam war ich einfach nur verzückt.
Und jetzt das. Saudi Arabien. Für mich als verzückten Fan ist da praktisch Gott vom Himmel direkt auf die Erde geknallt und hat sich ordentliche Beulen eingefangen.
Ps. Der Kommentar klingt deshalb so polemisch, weil ich das Spiel nicht gesehen habe. Aber durchaus kritisch merke ich an, dass die Argentinier diese Klatsche wohl brauchten, weil sie offensichtlich nassforsch unter ihren Möglichkeiten gespielt haben.

England?
Im Moment läuft gerade die Schlussphase England gegen USA. Immer noch 0:0.
Ist es ein Freundschaftsspiel?

Natürlich Blödsinn!
Da ist schon Pfeffer drin!

Man liest sich! ;)

Danke, Herr Schrox! :-)



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satirischer Kneipen -WM- Kurzkommentar

Godzilla is back- Noch nie waren Vorhersagen so billig!

Was wurde im Vorfeld vom Spirit der Mannschaft gefaselt und wie weit sie gereift sei. Na, das haben wir ja heute gesehen. Gefühlte drei Stunden belagerte der deutsche Sturm die Abwehr des einstigen Alliierten, der dann in der zweiten Halbzeit insektenartig zwei Mal zustach. Oder um im Godzilladeutsch zu bleiben: Er hat kurz zwei Mal mit dem Schwanz gewedelt.
Die Mannschaft steht vor dem Aus.
Besonders wenn man die Spanier gesehen hat, wobei ich mir um die gar nicht so große Sorgen mache. Denen ringt die Mannschaft vielleicht sogar ein Unentschieden ab. Das wird für Respektsbezeugungen in der hiesigen Presse sorgen, denn vermutlich hat man das gegen den künftigen Weltmeister erreicht.
Der vermeintliche Endgegner ist Costa Rica. Die werden sich das Spiel der Japaner gegen Die Mannschaft sehr genau ansehen, und vermutlich zu dem Schluss kommen: Die kannste neunzig Minuten anrennen lassen, die kriegen außer Elfmetern nix zustande, und uns reicht ein guter Konter. Außerdem haben sie etwas gutzumachen.

Selbstverständlich wird es ganz anders laufen. Die Mannschaft schlägt Spanien souverän mit 1:0, durch einen Elfmeter, und tritt im letzten Gruppenspiel vor leeren Rängen gegen Costa Rica an, die aufgrund des Klimawandels und der 2:4 Pleite gegen Japan vorzeitig die Heimreise angetreten haben, worauf das Spiel 3:0 für die Mannschaft gewertet wird, die daraufhin ins Achtelfinale einzieht.
Das ist natürlich alles Blödsinn!
Viel interessanter ist die Niederlage von Argentinien gegen Saudi Arabien.

Kurzum, es bleibt spannend, oder zumindest interessant, weil, offiziell darfste den Mist eigentlich nicht gucken. Da läuft ja so viel falsch! Aber mit jeder Menge bekennendem Gratismut werden wir die Dinge vor Ort schon wuppen. Noch sind die Aktivisten zögerlich. Doch schon bald, am besten beim Endspiel, klebt eine extra eingeflogene, prominente Klimakleberin an einem Torpfosten, und zwar mitten beim Elfmeterschießen.

Das ist natürlich auch Blödsinn!

Apropos Blödsinn.

Schüssikowski, und bis demnächst!


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satirischer Kneipen -WM- Kurzkommentar

Sieben Minuten Nachspielzeit (von neun)

Früher ging es mal um Fußball bei einer Fußball- WM. Heute informiert man den willigen Zuschauer darüber ob Manuel Neuer eine Binde trägt oder auch nicht.
Fragen Sie das Ihre Frau eigentlich auch?
"Schahatz! Trägst Du grad ne Bindääähh?"
Oder wollen Sie es wissen?
Wollten Sie es jemals wissen, außer Sie hatten einen romantischen Paarungsversuch im Sinn?
Ich will das jetzt nicht vertiefen, sonst verpassen Sie beim Lesen noch das nächste Spiel.
Apropos Spiel!
Es läuft gerade USA gegen Wales! Es steht 1:1. Was ist bloß mit Wales los?
Wer will da noch an Binden denken, und ob sie getragen werden oder auch nicht, und dann noch von unserer Nationaltorhüter*In?

Wales hat noch sieben Minuten Nachspielzeit.
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Winnetou- Der Ölprinz 1 -extra ekliger Cliffhanger-

„Winnetou also.“, wandte er sich an seinen Vater.
„Naja, als Familienname. Du musst ja damit nicht hausieren gehen.“, beschwichtigte Strenger Falten-Bernd seinen Sohn und fügte hinzu: „Außerdem wird dir dein älterer Bruder Shatterhand helfen in der alten Welt zurechtzukommen, und der ist wirklich ein Vorbild was skurrile Namen betrifft. Er freut sich schon sehr darauf, dich zu sehen!“
„Shatterhand ist in Europa? Und das sagst du mir erst jetzt?“
Strenger Falten-Bernd grinste mit dem überheblichen Gesichtsausdruck eines Erwachsenen, der noch viel mehr zu verbergen hatte.
„Mutti wartet.“
„Kommst du nicht mit?“
„Nein Sohn, ich bleibe bei deiner kleinen Schwester, damit sie nicht allein ist wenn sie aufwacht.“
Willy nickte und wirkte fast schon erwachsen. Bevor er nach draußen ging um sich von seiner Mutter zu verabschieden drehte er sich noch einmal um.
„Wie heißt Shatterhand in Europa?“
„Rainier Wackelpudding, und er ist Anwalt.“



Kapitel 2


Jugend

Auf dem Highway wartete bereits ein alter Truck, an dessen Fahrertür sich Mutter Erika angeregt mit dem Fahrer unterhielt. Im Schatten hell leuchtender Sterne wirkte das schrottige Gefährt fast wie ein Mondfahrzeug auf dem Hügel.

„...Und du schickst mir sofort eine Nachricht, sobald Willy in den Bus gestiegen ist!“, instruierte Mutter Erika den Fahrer streng.
„Ja klar.“, brummte es gelangweilt vom Sitz.
„Und du legst keine unnötigen Pausen ein um dir Fusel zu besorgen, hast du verstanden?“, versorgte Mutter Erika den leidgeprüften Fahrer mit weiteren Anweisungen.
„Ja, ja.“, krächzte der alte Mann mit dem zerzausten Bart und dem künstlichen, rotblondem Gestrüpp auf dem Kopf. Dann griff er in die Innentasche seines abgeranzten, grauen Mantels, holte einen Flachmann hervor und nahm einen trefflichen Zug.
„Hast du mir überhaupt zugehört?“, geriet Mutter Erika völlig außer sich, als sie sah was sie sah. Der Mann grinste und deutete auf den Rückspiegel.
„Dein Sohn ist da, wenn ich mich nicht irre, hicks!“
„Du meine Güte, steck den Flachmann weg!“, flüsterte Mutter Erika panisch, als sie Willy auf sich zukommen sah.

Willy ließ sich Zeit. Von der Unterhaltung am Auto hatte er nichts mitbekommen. Er war vielmehr damit beschäftigt noch ein letztes Mal seinen Blick über das Dorf schweifen zu lassen. Friedlich dämmerte die kleine Zeltstadt im grünen Tal vor sich hin, überzogen von einem feinen Nebelteppich, der an Spinnweben im Morgengrauen auf nasser Wiese erinnerte. Die Zelte wirkten dabei wie junge Bäume die sich aus dem Heer der Wiesenkräuter wie Pfeile gen Himmel streckten.
„Da bist du ja endlich, Junge, hast du alles dabei? Pässe, Zeugnisunterlagen und Geburtsurkunde?“, empfing ihn Mutter Erika in heller Aufregung.
„Ja, hab alles am Mann.“, antwortete Willy mit ruhiger Stimme. Alles um ihn herum wirkte plötzlich so unwirklich. Bis auf seine Mutter.
„Gott, dich jetzt einfach gehen zu lassen fällt mir schwerer als ich dachte. Lass dich umarmen, Junge!“, begann sie plötzlich zu schluchzen. Willy ließ die Umarmung seiner Mutter über sich ergehen. So selten es auch vorkam, er respektierte ihren Wunsch, und ein Teil von ihm drückte sie schließlich auch an sich.
Der andere Teil beobachtete aus den Augenwinkeln wie sich die Fahrertür des Trucks öffnete, und ein kurzer Mann mit struppigen Haaren und langem Mantel ausstieg um sich die Beine zu vertreten, und eine Zigarette zu rauchen. Das war nicht sein üblicher Fahrer.
„Wer ist der Waldschrat am Auto?“ Mutter Erika löste die Umarmung, richtete ihren Blick zu dem Mann und faltete die Hände.
„Das ist Sam Hawkens, und er ist seit Jahren ein treuer Freund der Familie. Er wird dich zum Bus bringen.“, sagte sie mit tiefer und leicht beunruhigter Stimme.
Ein feines Lächeln umspielte Willys Gesicht. Endlich lernte er den berühmten Sam Hawkens kennen. Bisher kannte er ihn nur aus den Geschichten seines Vaters aus ferner Zeit. Sehr zu Mutters Befremden.
Zum Glück kannte er nicht alle Geschichten.

Dreiundzwanzig Jahre zuvor

Shatterhand war gerade ein Jahr alt geworden, als Sam mit Ehefrau Mauseschwänzchen pünktlich zum Geburtstag an Strenger Falten-Bernds Zelt klopften um dem Spross ihre Aufwartung zu machen.
Schnell wurde klar, dass es sich dabei mehr als nur um einen Höflichkeitsbesuch handelte.
„Darf ich dir mal kurz deinen Mann entführen, liebste Erika?“, schmeichelte sich Sams Stimme schon kurz nach der Begrüßung in Erikas Ohr. Erika warf ihm einen strengen Blick zu. „Ich bespreche das kurz mit deiner Frau!“ Dann schnappte sie sich Mauseschwänzchen und zerrte sie zum Bett des schlafenden Shatterhand.

Im Gegensatz zu allen anderen war Mauseschwänzchen die einzig echte Indianerin im Zelt. Ihr einst stolzer Schoschonenstamm war mittlerweile so tief in die gesellschaftliche Realität des American way of life eingebunden, dass sie die Treffen mit Mutter Erika regelrecht herbeisehnte um zumindest zu erahnen, wie ihre Vorfahren einst gelebt hatten.
Aus Sams Erzählungen hatte sie erfahren, das Thema vor Erika und Bernd besser nicht anzuschneiden, und sie vertraute ihm. Sam wusste um den Stolz seiner Frau, und auch um ihre Trauer, die sie so gut wie nie zeigte.


Gerührt sah er seinem Pummelchen hinterher, und wie sehr sie darin aufging mit einer echten Indianerin zu schwatzen. Aus Schwatzen wurde Tuscheln, aus Tuscheln wieder schwatzen. Und es zog sich in die Länge.
Je lauter es wurde, desto belangloser wurden die Themen.
Die Männer wagten währenddessen kaum zu atmen, geschweige ein Wort zu sagen. Stattdessen folgten sie andächtig und ein wenig gelangweilt dem spannenden Dialog ihrer Frauen, von dem sie wussten, dass er nur geführt wurde um ihre Geduld auf die Probe zu stellen.
„Ist er nicht süß!“, rief Erika verzückt aus.
„Hach, was für ein Wonneproppen!“
„Und er zahnt schon wieder!“
„Wirklich?“
„Ja! Willst du mal sehen?“
„Aber er schläft doch gerade.“
„Keine Sorge, der ist tiefenentspannt. ...Siehste?“, sagte Erika, während sie mit dem Zeigefinger in Shatterhands Mundhöhle herumstocherte.
„Mach mal ein bisschen weiter auf, ich seh nix.“
„Warte, gleich... Da! Siehste?“
„Ich seh immer noch nix!“
„Guck doch mal genauer hin. Oben links wächst das kleine Hörnchen. Siehst du es?“
„Nein, aber ich sehe unten rechts ein Hörnchen.“
„Nicht dein Ernst! ...Verdammt, du hast recht!“
„Und bald kommen schon die nächsten Hörnchen.“, kicherte Mauseschwänzchen in so ansteckender Weise wie es nur Frauen vermögen und nahm Erika gleich mit. Das gemeinsame Kichern wurde von Strenger Falten-Bernd jäh unterbrochen.
„ENTSCHULDIGUNG?“
In diesem Moment wachte Shatterhand auf und begann zu plärren.
„Na großartig, jetzt hast du unseren Sohn aufgeweckt, und das alles nur weil ihr zwei Trunkenbolde so schnell wie möglich ins „Dritte Ohr“ wollt.“, beschwerte sich Erika.
„Von wegen, du bist nur hier um deinen Patensohn zu sehen!“, bekräftigte Mauseschwänzchen den weiblichen Moralanspruch.
„Aber Mause...“, begann Sam den Versuch einer Rechtfertigung.
„Nix Mauseschwänzchen!“, rügte Mauseschwänzchen den vorlauten Gatten.
„Was ist das „Dritte Ohr“?“, gebot Strenger Falten-Bernd seiner Einfalt Erleichterung. Seine Frau schüttelte nur mit dem Kopf. Sie war eine nachsichtige Frau. „Das ist die neue Kneipe in Half City und der gute alte Sam will dich dahin einladen.“
Strenger Falten-Bernd wandte sich streng an Sam. „Ist das so? Du bist nur hier um mich in eine neu eröffnete Kneipe zu schleppen?“
Noch bevor Sam antworten konnte, bewertete Erika die Situation.
„Sind sie nicht putzig, unsere Gatten?“
„Unbedingt, und wie sie versuchen sich herauszuwinden. ...Ich glaube wir haben sie lange genug gequält.“
„Meinst du, wir sollten ihnen unsere Entscheidung mitteilen?“, sprach Erika weiter, als wären die Männer nicht anwesend.
Mauseschwänzchen überlegte, während die Herren wie begossene Pudel auf die Entscheidung warteten.
Erika hatte schließlich Mitleid. Außerdem war der gemeinsame Frauenabend schon lange geplant und da störten die Männer nur.
„Wir sind ja keine Unmenschen! Ihr dürft in die Kneipe, und ihr dürft den Truck benutzen, aber ihr braucht einen Fahrer. Und wie es der Zufall will haben wir den perfekten Mann dafür. Schwarzer Pfeil wird das tun.“
Nur mit Mühe unterdrückten die Männer ihr Entsetzen. Schwarzer Pfeil war im gesamten Dorf der wohl unbeliebteste Indianer den es gab. Er war ein wortgewandter, arroganter Spaßverweigerer, der ständig alles besser wusste und den Leuten mit Hochgenuss ihre Dummheit vor Augen führte, oder das was er dafür hielt. Außerdem war er ein Hulk, nur nicht so grün. Zum Glück ging er nur selten unter Leute, da er meist zurückgezogen in seiner Zeltfestung vor den Computern saß und das Weltgeschehen verfolgte. Oder er sah sich wissenschaftliche Vorträge, oder Naturdokumentationen an. Kurzum, er war eine Nervensäge.
„Weiß Schwarzer Pfeil schon, dass er uns fahren wird?“, wagte Strenger Falten-Bernd eine leise Zwischenfrage. Erika warf ihm einen abwertenden Blick zu. „Du bist doch hier der Häuptling. Überzeug ihn! Und jetzt raus mit euch! Auch Frauen sind gern mal unter sich!“
Die Herren ließen sich nicht zwei Mal bitten.

Kaum draußen angekommen stellte sich ihnen das nächste Problem.
„Wir werden Schwarzer Pfeil nie überreden uns ins Dritte Ohr zu fahren.“, resignierte Strenger Falten-Bernd. Sam war nicht ganz so überzeugt. „Verfolgt Schwarzer Pfeil immer noch die Nachrichten?“
„Mehr denn je zum Glück! So geht er wenigstens niemandem auf die Nerven. Warum fragst du?“
„Weil ich eine Nachricht für ihn habe, die er noch nicht kennt, und die euer unmittelbares Weiterbestehen auf diesem Grund und Boden betrifft.“, verkündete Sam prophetisch.
„Was soll das heißen? Sind wir irgendwie gefährdet? Und was hat das damit zu tun, dass wir ihn überzeugen uns in eine Kneipe zu fahren?“, erwiderte Strenger Falten-Bernd verwirrt. Sam grinste verschmitzt. „Ganz einfach. Der neue Kneipenbesitzer ist ein Öl und Gas- Mogul, der bevor er eine Quelle erschließt, soziale Infrastrukturen wie Kneipen, Hotels, Spielhallen und so weiter errichtet um die Attraktivität von heruntergekommenen Städten wie Half City für neue Arbeiter und ihre Familien zu erhöhen. Und wie es der Zufall will ist dieser vielbeschäftigte Mann ausgerechnet heute in der Kneipe, wenn ich mich nicht irre.“
„Aber hier gibt es weder Öl noch Gas! Wir haben ein Regierungsschreiben unterzeichnet, dass uns dieses Land auf unbegrenzte Zeit zur Verfügung gestellt wird.“
„Pah!“, winkte Sam ab. „Noch ist die Förderung von Frackinggas nicht erlaubt, aber ihr sitzt auf einer Miene die in zwanzig bis dreißig Jahren volkswirtschaftliche Bedeutung erlangen wird. Dieser Mann weiß das, und er schmeichelt sich schon jetzt mit großen Versprechen in die Ohren der Leute. Er verkauft das gern als Volksnähe. Und wie ich Schwarzer Pfeil kenne wird er alles stehen und liegen lassen um diesen Ölprinz persönlich kennenzulernen, wenn ich mich nicht irre.“
Strenger Falten-Bernd geriet gedanklich ins Straucheln, denn eigentlich hatte er sich nur auf einen gemeinsamen Kneipenabend mit einem alten Freund gefreut.
„Eigentlich wollte ich mit dir nur einen saufen gehen und Spaß haben.“, erklärte er resignierend. Plötzlich begann Sam zu kichern. „Na bitte, du bist auch darauf hereingefallen!“
„Bitte, was?“
„Glaubst du wirklich, dass der Ölprinz heute persönlich in seiner Kneipe anwesend sein wird?“
„Aah, verstehe!“, erfuhr Strenger Falten-Bernd die Stimme der Erleuchtung.
„Wenn Schwarzer Pfeil die Nervensäge ist die ich kenne, wird er sich uns als Fahrer nahezu aufdrängen!“, prophezeite Sam selbstsicher.
Dennoch gab es einen Gedanken der Strenger Falten-Bernd beschäftigte.
„Schwarzer Pfeil wird schnell merken, dass wir ihn belogen haben, und dann wird er sehr wütend sein. Was dann?“
Sam seufzte. „Dir fehlt es an Phantasie. Schon mal was von plötzlichen Terminänderungen gehört?...“
„Nein...“
„Ach, halt die Klappe und hör mir zu! Pünktlich um 22 Uhr werde ich eine Nachricht auf meinem Handy erhalten. Darin wird mir ein Kuhhirte aus dem Norden mitteilen, dass er gesehen hat wie der Autokorso des Ölprinzen plötzlich halt gemacht hat und umgedreht ist. Tatsächlich ist er wirklich in der Nähe, und das wird Schwarzer Pfeil schnell mit seinem Handy herausfinden. Nur eben nicht welche Stadt.“
Strenger Falten-Bernd runzelte die Stirn. „Ich sehe einen anstrengenden Abend auf uns zukommen.“
Sam versetzte ihm einen freundschaftlichen Schlag auf die Schulter und lachte.
„Dann kanns ja ab jetzt nur noch besser werden, wenn ich mich nicht irre, hihi.“

Schwarzer Pfeils Zelt unterschied sich in mehrfacher Form vom Rest der übrigen Zelte. Es war schwarz, hatte die Form eines Iglus und aus seiner Mitte stach eine lange Antenne empor. Außerdem hatte er das Zelt, bis auf den Eingangsbereich, mit Speeren versiegelt die einen zwei Meter tiefen Graben vor Übergriffen schützten. Das war absolut einmalig im Dorf, da keiner der Bewohner Maßnahmen dieser Art für notwendig hielt. Eigentlich fehlte nur noch eine ausziehbare Brücke um den Eingang abzusichern, und ganz sicher arbeitete Schwarzer Pfeil bereits daran.
Sam kam nicht umhin seine Begeisterung zu äußern als er mit Strenger Falten-Bernd vor der Festung stand. „Der Junge ist ja noch paranoider geworden, als ich ihn in Erinnerung habe, wenn ich mich nicht irre, hihi.“
„Er ist eine Nervensäge der uns in eine Kneipe fahren soll. Was machen wir, wenn alles schief geht?“
„Lass das nur meine Sorge sein. Bereit?“
„Nein!“
„HEY, SCHWARZER PFEIL! ICH KANN DIR WAS BIETEN, WAS DU NICHT AUS DEM INTERNET ERFÄHRST. INTERESSIERT?“
Ein visuelles Beben erschütterte das Innere des Zelts, was nicht weniger bedeutete, dass Schwarzer Pfeil den Notausknopf all seiner Computer betätigt hatte. Dann trat er aus seinem Zelt hervor und musterte die Gäste mit abschätzigen Blick. Mit seinen fast zwei Metern überragte er zumindest Sam um beinahe einen halben Meter. Strenger Falten-Bernd war mit knapp 1. 80 zwar nicht klein, wirkte aber vor dem muskulösen Koloss mit den langen schwarzen Haaren wie ein Hänfling. Wenn es je einen echten Krieger im Dorf gegeben hatte, dann war es Schwarzer Pfeil. Nichts für ungut, alle anderen im Dorf waren nicht minder geschickt, aber nur wenige konnten es mit fünf Männern gleichzeitig aufnehmen. Und was wäre er für ein großartiger Lehrer geworden, wenn er sich nicht entschieden hätte zum intellektuellen Kotzbrocken des Dorfes zu werden.
„Der dümmste Häuptling aller Zeiten, neben einem versoffenen Greenhorn, der mir die Welt erklären will? Machts kurz, ich studiere gerade Ameisenvölker und kluge Pflanzen die weit interessanter sind als eure trivialen Interessen.“
„Der Ölprinz ist in Half City, und wir brauchen einen Fahrer!“, ging Strenger Falten-Bernd in die Offensive.
„Unmöglich, davon wüsste ich!“, protestierte Schwarzer Pfeil sofort.
„Es gibt scheinbar auch Dinge von denen du nichts weißt, wenn ich mich nicht irre, hihi!“, kommentierte Sam grinsend.
„Ich will einen Beweis!“, forderte Schwarzer Pfeil.
„Dann wirst du uns als Fahrer wohl begleiten müssen, denn ich weiß, dass du weißt, dass der Ölprinz in der Gegend ist, wobei ich mehr weiß als du, was du aber nicht glauben kannst, wenn ich mich nicht irre!“
Diesmal grinste Sam nicht, und Schwarzer Pfeil war viel zu neugierig auf die Gelegenheit einer Begegnung mit seinem Erzfeind.
„Wenn ihr mich belogen habt, werde ich euch den Arsch aufreißen!“

Fortsetzung folgt





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