22.605x gelesen 104x abonniert Ausgabe 22/24 30.05.2024 THE WALKING SHIT Jetzt registrieren

Sherlock- Dämonen der Vergangenheit

Zwischenepisode 3

Der Hund von Waldorf Kastell

Sherlock hatte Mühe den wie ein wütendes Rumpelstilzchen umher hüpfenden John Watson zu beruhigen.
„John, ich möchte, dass du jetzt ganz ruhig bleibst, egal wie aberwitzig es dir vorkommt, was ich als nächstes sage. Den Doktor hast du ja schon kennen gelernt…“
„Wer ist dieser verrückte Kerl, und warum hat er uns in kleine Jungen verwandelt, und wie geht so was überhaupt?“, platzte John aufgewühlt dazwischen.
„Wir hatten uns doch darauf geeinigt, dass ich jetzt rede.“, mahnte Sherlock.
„Nein, du hast dich darauf geeinigt! Wie üblich!“ John verschränkte beleidigt die Arme, aber wenigstens hüpfte er nicht mehr wie ein Flummi durch die Gegend.
„Willst du nun wissen warum du und ich kleine Jungen sind, oder nicht?“
„Natürlich will ich das!“
„Dann quatsch nicht dauernd dazwischen!“

Währenddessen auf dem Dach der Waldorfschule.

Jim Moriarty saß in seinem Liegestuhl und beobachtete die Sterne. Er genoss die Einsamkeit. Immer mehr beengte ihn dieser winzige Planet. Alles war so überschaubar langweilig, selbst die Natur zu beherrschen war keine Herausforderung. Aber da draußen bei den Sternen… Was würde er dafür geben nur einmal in einem Schiff zu sein, das Raum und Zeit überwinden konnte.
Just in diesem Augenblick wurde er gestört.
„Störe ich?“
„Natürlich störst du, Irene, aber das hat dich ja noch nie gestört.“, seufzte er.
„Ich habe Mycroft mitgebracht.“, erwiderte Irene schüchtern. Jim hob überrascht den Kopf. „Warum hast du das nicht gleich…? …Hallo Mycroft!“ Etwas Unterwürfiges lag in Moriartys Stimme. „Hallo Jim.“, antwortete der neunjährige Mycroft kühl. „Wie ich hörte war hier vor kurzem ein falscher Professor Einstein.“
Moriarty wurde hellhörig. Es kam nicht oft vor, dass der große Mycroft Holmes, der nebenbei an seinem zweiten Doktortitel arbeitete, sich mit niederen Chargen aus den unteren Klassenstufen befasste. Was er nicht wusste war, dass Mycroft seinen kometenhaften Aufstieg schon seit langem im Auge hatte. Er hatte nur auf die passende Gelegenheit einer Begegnung gewartet.
„Unsere Irene war wohl wieder in Plapperlaune. Warum interessierst du dich dafür?“
„Weil es ungewöhnlich ist. Was kannst du mir über den Mann sagen?“
„Er trug einen falschen Bart und eine Perücke, und tat so, als wäre er Professor Einstein. Das ist alles.“
„Was wollte er von euch?“
„Keine Ahnung. Nachdem ich ihn enttarnt habe ist er geflüchtet.“
„Danke.“, sagte Mycroft und verließ ohne ein weiteres Wort die Dachterrasse.
„Was für ein Arsch!“, kommentierte Irene den arroganten Abgang.
„Mycroft war nicht ohne Grund hier. Und obwohl ich ihm kaum etwas gesagt habe, wirkte er zufrieden als er ging, was bedeutet, dass ich ihm etwas Wichtiges mitgeteilt habe, aber was? ...“ resümierte Moriarty und starrte erneut zu den Sternen. Seine inneren Sensoren sagten ihm, dass etwas Großes in Gange war, was er auf keinen Fall verpassen durfte.
Für Irene Adler gestalteten sich die Dinge derweil etwas anders. Seit sie Moriarty und Mycroft kannte, verbarg sie ihre Talente. Viel lieber gab sie sich als vorlaute Göre, die hin und wieder von Nutzen war. Nicht ohne Grund orientierte sie sich an Moriarty und Holmes, während sie sich nebenbei von hochrangigen Meistern in diversen asiatischen Kampfsportarten, Philosophie und Naturwissenschaften ausbilden ließ. Bei Männern konnte man schließlich nie wissen.
„Der falsche Professor hat sich ausschließlich für uns interessiert, und nicht für Mycroft. Warum hat er sich nicht für Mycroft interessiert?“, stellte sie eine durchaus interessante Frage in den Raum. Moriarty warf ihr einen interessierten Blick zu. „Kann es sein, dass du dich manchmal absichtlich dümmer stellst als du bist?“
„Und was soll das jetzt wieder?“, erwiderte Irene beleidigt. Moriarty hob sofort entschuldigend die Arme. „Nein, so habe ich das nicht gemeint. Deine Frage, warum sich der falsche Professor ausgerechnet für uns interessierte hat mich auf eine Idee gebracht!“
„Soll das etwa ein Kompliment sein?“
„Hör auf damit Irene! Ich weiß, dass Mycroft dich heimlich in seine Kurse schmuggelt, und ich weiß auch von deinem Training bei Doktor Miyagi, also spiel hier nicht die beleidigte Leberwurst!“
„Ich wusste nicht, dass ich jeden meiner Schritte vor dir rechtfertigen muss!“, zischte Irene.
Mittlerweile hatte die Diskussion das Niveau eines Ehestreits erreicht. Ziel dabei war es immer, sein Gegenüber irgendwie mundtot zu reden. Im besten Fall entschuldigte sich der Mann für seine verbalen Vergehen. Manchmal hatte auch Sex etwas damit zu tun.
Im Fall von Irene und Jim waren die Protagonisten zwar weit von dieser Thematik entfernt, aber rein inhaltlich hatten sie zumindest das Prinzip begriffen. Am besten hatte es Loriot mal in einem Satz zusammengefasst. „Irgendwann bring ich sie um.“
Um eine solche Aussage in die Tat umzusetzen war Moriarty allerdings zu pragmatisch veranlagt. Außerdem dachte er an die Zukunft. Irene würde als intelligente und attraktive Frau, die sie zweifellos einmal werden würde, von großem Nutzen für ihn sein. Sich es bereits in der Kindheit mit ihr zu verscherzen war allenfalls dumm und kurzsichtig.
Jetzt ging es darum eine glaubwürdige Entschuldigung zu formulieren. Allerdings gehörte Empathie nicht zu seinen Stärken. Er musste sie also füttern. Und was war da besser, als eine Entschuldigung mit einer knackigen Neuigkeit zu verbinden. Er musste das Paket nur noch entsprechend schnüren. „Willst du wissen, warum ich dir hinterher spioniere?“, begann er kleinlaut. Irene zuckte nicht einmal. Jim hatte das einkalkuliert.
„Ich könnte dich in das Forschungslabor schmuggeln! Da gibt es einige interessante Experimente…“ Sofort wurde Irene hellhörig. Sobald es Dinge zu lernen gab, die ihre Neugier anstachelten… „Ich will sofort dahin!“, rief sie, und ignorierte in ihrer Begeisterung den vorangegangenen Dialog. Moriarty lächelte. Der Fisch hatte angebissen. „Hast du je die Geschichte vom Hund von Waldorf Kastell gehört?“, lockte Moriarty weiter, obwohl das gar nicht mehr nötig war. Irene war wieder ganz in seinem Bann gefangen. „Ich dachte immer, er wäre eine Legende?“
„Falsch gedacht! Mutig genug ihn zu sehen?“ Ein schauriges Gefühl befiel Irene am ganzen Körper.
„Unbedingt!“

Wenig später im Wald

Die kindliche Ausgabe von Doktor John Watson saß meditierend auf einem Baumstamm und schwieg. Und das seit einer geschlagenen Stunde. Sherlock trieb keine Eile. Er ahnte zumindest was in seinem Freund vor sich ging, und übte sich in Geduld. Plötzlich schlug John Watson die Augen auf. Sherlock wich erschrocken zurück. „Hast du das auch gehört?“
„Was gehört?“
„Dieses AUUUHUAHUUUUU?“
„Wie bitte?“, erkundigte sich Sherlock besorgt.
„Das Jaulen! Es klang wie ein großer Hund! …Ich hasse meine Kinderstimme!“
AUHUUUUUHUUUUU
Endlich hörte es auch Kind Sherlock.
„Erinnerst du sich an den Hund von Baskerville?“ John warf ihm einen verständnislosen Blick zu. „Wie könnte ich das vergessen! Wir wären damals fast draufgegangen!“
„Dann wollen wir mal hoffen, dass dieser Hund nicht klettern kann. AUF DIE BÄUME!“
Instinktiv folgte John dem Befehl. Die Angst des Kindes verlieh ihm Flügel. Mit zitternden Gliedmaßen kämpfte er sich bis fast in die Baumkrone. Von unten erklang ein gefährliches Knurren. Aber hier war er sicher. Kein Hund der Welt konnte auf Bäume klettern. Zeit für kindlichen Übermut.
„Hör auf das Vieh mit Tannenzapfen zu bewerfen, John! Du machst ihn nur wütend!“
„Wieso? Ist doch nur ein Hund, und außerdem macht das gerade einen Heidenspaß!“, kicherte John und betrommelte den knurrenden Köter weiter mit Tannenzapfen, wobei er abwechselnd „Nimm dies!“ und „Nimm das!“ rief. Plötzlich geriet der Baum ins Schwanken. John hatte Mühe sich festzuhalten. „Scheiße, was war das denn?“
„Ich hatte dir gesagt, du sollst das lassen.“, sagte Sherlock mit einer Stimme die eine schreckliche Erkenntnis verheimlichte.
„Wieso, was ist denn?“, erkundigte sich John ängstlich, während die Vibrationen unter ihm bedrohlich zunahmen. „Wenn du nicht in Kürze die Geschicke eines Eichhörnchens erlernst, fürchte ich um dein Leben.“
Und dann war es auch schon so weit. Erst jetzt wurde sich John darüber gewahr wie groß der Hund wirklich war, was vor allem daran lag, dass er sich an den Schnürsenkel seines linken Schuhs festgebissen hatte. Sherlock beobachtete den Todeskampf seines alten Freundes ohnmächtig. Es war nur noch eine Frage der Zeit, bis der übergroße Hund, der an einen Warg aus „Herr der Ringe“ erinnerte, seinen besten Freund mit Haut und Haar verschlang. Johns panische Schreie hallten durch den ganzen Wald und mitten durch Sherlocks Herz. War es das, was dieser kauzige Doktor für ihn geplant hatte?
Das Tier hing mittlerweile an Johns Hose fest, und zottelte mit übermenschlicher Kraft daran herum. Allmählich verließen ihn die Kräfte. „Halte durch John!“, rief Sherlock vom Nachbarbaum verzweifelt. John Watson schloss die Augen. „Du warst der beste Freund den ich je hatte.“ Dann ließ er los. Sherlock sah ihm erstarrt hinterher. „Nein“, sagte er erst leise, bis sein ohrenbetäubender Schrei den Hund auch auf seinen Baum lockte. Es war ihm egal.

ff
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Sherlock- Im Reich der unmöglichen Möglichkeiten

Zwischenepisode 2

Tückische Vergangenheit

Die TARDIS landete. Draußen herrschte finstere Nacht. Bevor Sherlock seinen Drang ausleben durfte, sofort nach der kindlichen Ausgabe seines Erzfeindes zu suchen, gab es erst einmal eine Belehrung.
„Sie sollten eines wissen, Sherlock. So bald Sie dieses Schiff verlassen, befinden Sie sich im Körper Ihres kindlichen Ichs.“
„Sie haben wirklich an alles gedacht! Werden Sie mich begleiten?“ Der Doktor schüttelte den Kopf. „Sie haben Ihren Fall, ich habe meinen. Eine Idee, wann ich Sie wieder abholen soll?“
„Wenn Sie mir verraten wo und wann genau ich hier gelandet bin, kann ich den Zeitfaktor vielleicht eingrenzen.“
„Sie sind sieben Jahre alt und befinden sich auf dem Gelände einer Schule für hochbegabte Kinder. Mitten im Wald, gut abgeschottet, sehr idyllisch. Moriarty ist in ihrem Alter und besucht bereits die siebte Klasse, obwohl auch diese ihn intellektuell unterfordert. Ich habe Ihr Äußeres deswegen verändert, damit Moriarty Sie nicht als erwachsene Person in seinem Gedächtnis speichert. Und noch was. Irene Adler ist ebenfalls an dieser Schule und in ihrem Alter. Allerdings ist sie erst in der fünften Klasse.“ Der Doktor machte eine kurze Pause, als er Sherlocks schockiertes Gesicht sah. „Oh, Sie wussten es nicht. Genügt Ihnen eine Woche?“
„Geben Sie mir dreißig Minuten.“, erwiderte Sherlock entschlossen. Jetzt war es der Doktor der einigermaßen schockiert wirkte. „Ihnen ist schon klar, dass die Kinder schlafen, oder? Und nur für den Fall, dass Sie planen Moriarty und Irene die TARDIS zu zeigen, vergessen Sie es!“ Sherlock wirkte enttäuscht. „Warum eigentlich? Eine Reise mit uns dreien als Kinder, und wir würden vermutlich ganz andere Menschen werden! Ich sehe darin keinen Widerspruch.“
„Das ist nicht zielführend!“, widersprach der Doktor sofort und fügte streng hinzu. „Nach Verwerfung Ihres Planes! Wann soll ich Sie hier wieder abholen!“
„Warum sind Sie so dagegen? Wir könnten hier und heute Geschichte schreiben!“ Der Doktor wurde allmählich wütend. „Ich habe schon viel zu oft an Geschichten mitgeschrieben, und glauben Sie mir, ich habe mir dabei mehr als nur einmal die Finger verbrannt. Und was ihre Geschichte im speziellen betrifft. Sie ist es nicht mal im Ansatz wert, denn sie würde alles nur verschlimmern wenn ich Ihrem törichtem Wunsch nachgeben würde.“, entgegnete der Doktor finster. Sherlock ließ die Worte auf sich wirken.
„Dann eben die lange Tour. Drei Tage. Ich werde pünktlich sein.“
Der Doktor bedachte Sherlock mit einem skeptischen Blick. „Drei Tage. Und wehe Sie bringen die Kinder mit!“
„Einverstanden.“, knurrte Sherlock.
„Sehr schön! …Viel Erfolg, Sherlock.“, erwiderte der Doktor mit einem hintergründigen Grinsen.
Wenige Sekunden später verschwand er mit der TARDIS in den Weiten von Raum und Zeit. Außerdem hatte er gelogen. Sherlock befand sich gar nicht in seinem kindlichen Körper. Aber warum hatte er das getan? Und was, wenn er sein Versprechen nicht einlöste, weil er vielleicht schon in der Zukunft war, und damit Sherlocks Plan voraussah? Es war zum Verrücktwerden! Dieser hinterhältige Kerl hatte wirklich an alles gedacht.
Es galt also zu improvisieren. Zum Glück war Sherlock nicht ganz unvorbereitet. In seinen Taschen fand er eine alte Perücke und einen lustigen Bart. Nach seiner Kostümierung sah er Albert Einstein verblüffend ähnlich. Dumm nur, dass der echte Albert Einstein augenblicklich als Gastdozent an der Schule arbeitete.

Wenige Stunden später auf dem Schulhof.

Es war kein gewöhnlicher Schulhof. Es gab auch keine üblichen Spielplätze. Der Wald war der Spielplatz, und die Kinder tummelten sich in ihm wie fleißige Ameisen. Aus Sträuchern und Gräsern bastelten sie Seile, Holzreste wurden verbraucht um alle möglichen Formen von Hütten zu bauen, Ideenfabriken wurden genutzt um Pläne für eine Waldstadt zu entwickeln, Werkstätten wurden gebaut… Es war eine Freude den Kindern zuzusehen, wie sie in gemeinsamer Arbeit Probleme lösten. Und es wurde fast jeder gebraucht. Aber wie in jeder heilen Welt gab es auch jene die abseits standen. Teils gewollt, teils ungewollt.
Was die junge Irene Adler und Jim Moriarty betraf, so herrschte keinerlei Zweifel darüber, dass ihre Abwesenheit absolut gewollt war. Wie Waldorf und Statler saßen sie auf einer von den Ameisen geschnitzten Holzbank und kommentierten traditionell das Geschehen.
„Sieh dir an wie sie grinsen. Es ist fast so als freuten sie sich auf ihre künftige Versklavung!“
„Manche von ihnen werden vermutlich mal sehr nützlich für uns werden.“
Moriarty lachte. „Ich freue mich schon auf die neue Welle der politisch korrekten Pädagogen, die in Ghettos um ihr Leben bangen.“
„Nützliche Idioten!“
„Du sagst es Irene. Ich halte es da mit Mycroft Holmes aus der neunten Klasse. Wenn er nicht so beschränkt obrigkeitstreu wäre, hätten wir in ihm einen nützlichen Verbündeten.“ Irene warf ihm einen schmachtenden Blick zu. „Wenn das jemand hinbekommt, dann du, Jim.“ Jim erwiderte den Blick mit ernstem Bedauern. „Verlass dich nicht zu sehr auf deine biologischen Vorteile den Männern den Kopf zu verdrehen. Spätestens in vierzig Jahren verpuffen diese Reize im Nichts.“
„Frauen werden aber statistisch älter, also gewinnen wir letztendlich!“, erwiderte Irene schnippisch.
„Treib es nicht zu weit, Irene Adler! Es gibt einen guten Grund dafür, dass du zwei Klassenstufen unter mir bist, während ich gerade in der Siebten versauere!“
Ein aufdringlicher Erwachsener setzte sich zwischen die Kinder. „Nanana, wer wird denn so streiten? Vielleicht kann ich helfen. Worum geht es denn?“
„Das geht Sie… Professor Einstein?“
Der Professor nickte freundlich. „Ganz recht, mein Junge, und übrigens. Ich konnte als Kind auch nichts mit organisierten Menschenmassen anfangen.“
„Sie haben uns zugehört?“, fragte Irene ängstlich. Der Professor lachte. „Das musste ich gar nicht. Ich habe mich selbst als Kind in euch wieder erkannt. Und das war eine höchst erfreuliche Begegnung. Ich danke euch dafür.“
„Gern geschehen.“, entgegnete Jim Moriarty kühl. Seit er denken konnte misstraute er Erwachsenen. Besonders dann wenn sie übertrieben freundlich und verständnisvoll daherkamen. Da machte selbst der berühmte Professor keine Ausnahme. „Was halten Sie eigentlich von Nikola Tesla?“, stellte er ihn auf die Probe. Der Professor verzog ernst das Gesicht. „Ich nehme an, du bist mit seinen Forschungen vertraut?“
„Ich will nur wissen, ob Sie es auch sind.“, antwortete Moriarty misstrauisch. „Natürlich!“, behauptete der Professor sofort, und fügte leise hinzu. „Allerdings werden diese Forschungen wohl noch für lange Zeit vor dem Rest der Menschheit verborgen gehalten.“
„Sie sind ein Feigling, Professor.“
„Aber wie kommst du denn jetzt darauf, mein Junge?“
„Außerdem sind Sie ein Lügner.“
„Ich fürchte, ich verstehe nicht…“
„Wer auch immer Sie sind, Sie sind eine Schande für jeden intelligenten Erwachsenen, wobei das genau genommen keine Schande ist. Es ist eher modern. Aber uns mit einer billigen Perücke und einem falschen Bart einreden zu wollen, Sie wären Professor Einstein, zeugt schon von einer sehr gestörten Eigenwahrnehmung. Als Weihnachtsmann wären Sie glaubwürdiger gewesen. Bleibt die Frage: Wer sind Sie, und warum interessieren Sie sich für uns? Zu Ihrem Schutz möchte ich anmerken, dass ich Sie keineswegs für einen Perversen halte, aber um Ihnen meine Entschlossenheit zu signalisieren möchte ich bemerken, dass ich es behaupten könnte. Und unsere reizende Irene wird das jederzeit bestätigen. Ist es nicht so, Irene?“
„Für mich ist es eindeutig ein Perverser!“, behauptete Irene fest und traf den enttarnten Sherlock mitten ins Mark. Nur mühsam konnte er sich zurückhalten laut zu schreien. Letztendlich gab es nur einen Weg.
Flucht.

Drei Tage später am vereinbarten Treffpunkt.

Die TARDIS erschien tatsächlich pünktlich. In Sherlock hatte sich seit der Flucht vom Schulhof einiges an Wut angestaut. Unter anderem deswegen, weil der Doktor gelogen hatte, und ihn nicht wie vereinbart als kindliche Ausgabe seiner Selbst an diesem Ort abgeladen hatte. Entsprechend wütend empfing er den Doktor.
„Sie haben mich angelogen!“
„Na und? Sie mich doch auch!“
„Wann bitteschön habe ich gelogen!“, schnaufte Sherlock wütend.
„In dem Moment, als Sie beschlossen haben den Kindern die TARDIS zu zeigen.“, erwiderte der Doktor fröhlich. Sherlocks Wut verpuffte. „Sie wussten, dass ich scheitern würde.“, flüsterte er.
„Aber natürlich, Sherlock, und Sie wussten es auch! Deswegen werden Sie in Versuch Nummer zwei tatsächlich als die jüngere Ausgabe von sich selbst auf dem Schulhof auftauchen, nur diesmal mit dem Wissen, dass auch Ihr Bruder dort ist. Ich sagte doch. Sie haben alle Zeit der Welt.“
„Und täglich grüßt das Murmeltier.“, grummelte Sherlock.
„Einstein sagte sinngemäß: Fehler zu wiederholen um ein besseres Ergebnis zu erwarten ist Schwachsinn.“
„Verschonen Sie mich mit Einstein!“
Der Doktor grinste.
„Wie viel Zeit brauchen Sie diesmal?“
Sherlock überlegte. Jetzt wo er Moriarty und Irene als Kinder kannte, hatte sich einiges geändert, unter anderem sein Weltbild über Irene. „Ich erhöhe den Einsatz meiner Lebenszeit auf einen Monat.“, verkündete er entschlossen. „Und Sie glauben, dass ein Monat ausreichen wird um sieben Jahre Moriarty zu beeinflussen, ohne dass er die TARDIS sieht?“, merkte der Doktor skeptisch an.
„Sie misstrauen dem größten Detektiv des Multiversums noch immer?“
Der Doktor lächelte. „Haben Sie eine Minute Zeit?“
Noch ehe Sherlock antworten konnte verschwand der Doktor mit der TARDIS und kehrte exakt eine Minute später wieder zurück. An seiner Hand hielt er ein Kind, das ängstlich seine Umgebung beäugte. „John? Ich bin es, Sherlock!“, platzte es aus Sherlock heraus.
„Sherlock?“, rief das Kind ängstlich und wunderte sich kurz darauf. „Warum klinge ich wie ein kleiner Junge, und warum siehst du wie einer aus?“
Sherlock jubelte innerlich, und warf dem Doktor einen dankbaren Blick zu. Kurz darauf verschwand die TARDIS. Die Kinder waren allein im Wald. Sofort ging das Gezeter los.
„Also Sherlock, ich habe keine Ahnung was hier gerade läuft, aber du brauchst wirklich verdammt gute Argumente um mir ZU ERKLÄREN WARUM ICH ALS KLEINER JUNGE MIT DIR MITTEN IM WALD FESTSITZE!!!“



Fortsetzung folgt
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Sherlock trifft Dr. Who

Zwischenepisode 1

(geklaut aus dem Youtube Video eines Geschichtengourmets. „WHOLOCK- Sherlock meets the Doctor")

Inzwischen war auch Lestrade eingeschlafen. Sherlock blickte nach den Sternen und versuchte erfolglos seinen Geist zu zügeln. Was würde er dafür geben die Geheimnisse des Universums zu enträtseln. Stattdessen saß er hier auf einem Berg und hörte seinen Freunden beim Schnarchen zu. Ein Lächeln huschte ihm übers Gesicht. Es war ein -Ich hätte es auch wesentlich schlimmer treffen können- Lächeln. Langsam begannen sich seine Augenlider zu schließen.

..
.
Ein intervallartig penetrant auftretendes Geräusch bohrte sich in seine Ohren. Vor seinen sich langsam wieder öffnenden Augen materialisierte sich eine blaue Telefonzelle aus den 50-er Jahren. Das nervtötende Geräusch verschwand. Die Zelle blieb. Das flackernde Licht aus den Fenstern deutete darauf hin, dass zumindest jemand telefonierte.
Alle anderen schnarchten genüsslich weiter.
Zeit der Sache auf den Grund zu gehen. Telefonzellen tauchten nicht zufällig, und einfach so in den schottischen Highlands auf. Es musste eine plausible Erklärung für dieses höchst unerklärliche Phänomen geben.
Die Zellentür öffnete sich. Sie hatte Sherlocks ungeteilte Aufmerksamkeit. Ein Mann trat hervor. Er hatte was von Pinocchio. Fast war es, als würde Sherlock in ihm die freundliche Variante seines Spiegels sehen. „Hi Sherlock!“, begrüßte ihn der Mann mit einem Grinsen.
„Wer sind Sie?“
„Ich bin der Doktor! Und es ist mir eine Ehre den berühmtesten Detektiv des Multiversums endlich mal persönlich kennen zu lernen!“ Kaum ausgesprochen streckte er Sherlock seine schmale Hand entgegen. In seinen Augen leuchtete das Feuer eines kleinen Jungen, der zum ersten Mal seinem heimlichen Held begegnete. Sherlock erwiderte den Gruß verhalten. „Der Doktor?“
„Einfach nur der Doktor!“, entgegnete der Doktor mit einem entwaffnenden Strahlen im Gesicht.
„Und was ist das da?“ Sherlock deutete mit seinem langen Zeigefinger auf die Telefonzelle. Der Doktor war begeistert. „Ich wusste, dass Ihnen die TARDIS sofort auffällt. Wollen Sie sie sehen?“
Sherlock wirkte noch immer überfordert. „Was ist eine TARDIS?“
„Kommen Sie nur! Es wird Sie begeistern!“, rief der Doktor voller Enthusiasmus. Sherlock hatte Mühe der Versuchung zu widerstehen. Dieser hibbelige Doktor faszinierte ihn. Er lockte ihn wie einst die alte Hexe geradewegs in das Pfefferkuchenhaus. Und genau diesen Effekt hatte die TARDIS auch. „Sie ist von innen viel größer als von außen!“, staunte er.
„Nun ja, das sagen alle.“ Ein Hauch Enttäuschung lag in der Stimme des Doktors. Vom größten Detektiv des Multiversums hatte er etwas mehr Deduktionsvermögen erwartet. Und es kam. Wenn auch etwas verspätet, dafür aber mit umso mehr Enthusiasmus vorgetragen.
„Das ist eine Art Raum- und Zeitschiff. Es krümmt den Raum und überbrückt die Zeit mit einer Energie, die es aus schwarzen Löchern gewinnt, was Sie zu einem sehr mächtigen Wesen macht, denn Sie besitzen die Kontrolle darüber. Leider haben Sie vor kurzem einen sehr tragischen Verlust erlitten, da Ihnen scheinbar im gesamten Multiversum die Gesprächspartner ausgehen, die Ihnen intellektuell und geistig gewachsen sind. In dem Fall ist es mir eine Ehre Sie kennen zu lernen! Liege ich in etwa richtig?“
Der Doktor hatte begeistert zugehört. „Fast richtig!“
Sherlock wirkte irritiert. „An welcher Stelle lag ich falsch?“
Der Doktor zögerte. „Nun ja, ich bin nicht wegen Ihnen hier, auch wenn ich mir keinen besseren Partner an meiner Seite vorstellen könnte.“ Allein die Neugier hinderte Sherlock daran beleidigt zu sein. „Ist es anmaßend zu fragen warum Sie dann hier sind?“
„Wegen der Daleks. Sie planen mal wieder eine Invasion auf die Erde. Noch kann ich sie für die nächsten zweihundert Jahre auf dem Mond in Schach halten, aber danach brauchen wir hier dringend Hilfe. Ich aktiviere daher heute das entsprechende Notsignal. Danach werden die Daleks für die nächsten tausend Jahre keine Lust mehr haben, sich auch nur in die Nähe der Erde zu trauen.“
„Ich will unbedingt Teil der Expedition sein!“, hörte sich Sherlock begeistert selbst rufen. Zum ersten Mal seit ihrer Begegnung wirkten die Augen des Doktors traurig. „Ich kann bei dieser Mission nicht garantieren, dass ich Sie hier zeitgemäß und unversehrt wieder abliefern werde. Und ohne Sie hat Moriarty bereits gewonnen, was wiederum eine Zeitschleife… Ich schwatze zu viel. Es war ein Fehler Sie kennen lernen zu wollen! Verlassen Sie mein Schiff!“
Sherlock wandte ihm ohne Widerspruch den Rücken zu und ging langsam in Richtung Ausgang. Kurz vor der Tür drehte er sich noch einmal um. Ein zufriedenes Lächeln lag in seinem Gesicht. „Das gesamte Multiversum liegt Ihnen zu Füssen. Ich kann nur erahnen wie alt Sie sind, aber augenblicklich kommen Sie mir wie ein ängstlicher Teenager vor. Mich erst anlocken und dann zur Tür weisen? Das muss selbst für jemanden wie Sie mehr als erbärmlich…“
„Hören Sie schon auf, Sherlock!“, wütete der Doktor, während er nebenbei hektisch die Konsolen bediente. Es war das erste Mal, dass Sherlock seinen Gastgeber wütend sah. Und dennoch traf es ihn erneut wie einen Spiegel. Er musste sich nicht mal Mühe geben die Aktivitäten des Doktors zu verstehen. Vielmehr war er froh sich immer noch an Bord der TARDIS zu befinden.
„Dann darf ich also bleiben?“, fragte Sherlock vorsichtig nach.
„Eine Mission, Sherlock, und danach bringe ich Sie wieder hier her. Selbe Stelle, selbe Welle! Nur eine Bedingung. Die Mission darf nichts mit meiner Mission zu tun haben.“
„Wie viel Zeit habe ich zur Verfügung?“
„So viel sie wollen.“
Sherlock grinste verwegen. „Also gut! Dann will ich in Moriartys Kindheit!“
Der Doktor grinste ebenfalls.
Das Grinsen sollte beiden bald vergehen.


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Sherlock- in tiefer Verneigung 6

Aus unterschiedlichen Gründen trafen sich unterschiedliche Blicke in der schottischen Gefängniszelle. Und all das nur aus einem Grund. Sherlock hatte die Frau erwähnt, und obwohl er es nie offen zugegeben hatte, wussten es alle im Raum. Sollten jemals romantische Gefühle in Sherlocks Lebenswelt eine Rolle gespielt haben, so fokussierten sie sich allein auf Irene Adler. Dumm nur, dass die Frau seit zwei Jahren tot war.
„Sherlock!...“, versuchte es John Watson als Erster, wobei er ihm sanft an die Schulter griff. „Irene ist tot.“
„Ihr alle haltet mich für einen Idioten!“, wehrte Sherlock sofort ab.
„Sherlock, du weißt ich bin selten mit Doktor Watson einer Meinung, aber in diesem Fall hat er absolut recht. Akzeptiere das endlich!“, versuchte Mycroft seinen Bruder zu maßregeln. (neudeutsch: maasregeln- aktuell: außenmaasregeln)
„Was seid ihr doch für kleine Geister! Ihre Leiche wurde niemals gefunden.“, erwiderte er voller Hohn.
„Ich mache mir allmählich Sorgen.“, flüsterte Lestrade dem Doktor zu.
„Ich kann Sie übrigens hören, Greg!“, schnauzte Holmes.
Zeit, die Taktik zu ändern, dachte sich der ältere Bruder. „Nun gut, nehmen wir einmal an Irene Adler ist wider besseren Wissens noch am Leben. Wie soll uns das helfen?“
„Sie ist mir noch einen Gefallen schuldig!“, erklärte Sherlock ohne dabei auch nur den Hauch eines Zweifels erkennen zu lassen. Mycroft wandte sich kopfschüttelnd ab. „Es hat keinen Sinn. Wir müssen unseren Fluchtplan ohne meinen Bruder ausarbeiten. Offensichtlich hat er jetzt gänzlich den Verstand verloren!“ Sherlock schwieg zu dem Vorwurf. Stattdessen lehnte er sich an das vergitterte Fenster und starrte in den Himmel. Und während Lestrade und Mycroft bereits eifrig am diskutieren waren, begab sich John Watson in Sherlocks Nähe. „Haben Sie etwas dagegen?“, fragte er vorsichtig. „Sind wir jetzt wieder beim Sie?“, antwortete Sherlock lachend, und wischte schnell eine Träne aus seinem linken Auge. John tat so, als hätte er sie nicht bemerkt und blickte zu Boden. Dann hob er den Kopf und sah Sherlock ernst in die Augen. „Ich war mir bis eben nicht sicher, Sherlock.“
„Du kannst dir bei mir immer sicher sein, John. Irene lebt, und selbst wenn nicht, dann zumindest der Teil von ihr, den sie in mir zurückgelassen hat.“
„Und wie hilft uns das im Augenblick weiter?“ Sherlock warf ihm einen erstaunten Blick zu. „Ich bewundere deinen Pragmatismus, John! …Natürlich! Wir brauchen eine Frau!“ Kaum ausgesprochen, platzte er in die Fluchtdebatte rein.
„Wer ist eigentlich der Chef dieser Polizeistation?“
„Das ist Duncan Mc Loud, ein ausgesprochener Englandhasser, warum willst du das wissen?“, fragte Mycroft irritiert.
„Der heißt wirklich wie der Highlander?“, plapperte Lestrade ungefragt dazwischen.
„Sie haben die Filme auch gesehen?“, mischte sich John Watson begeistert ein.
„Natürlich! Christopher Lambert war legendär in der Rolle!“, schwärmte Lestrade, während die Holmes Brüder bereits mit den Augen rollten. Ein wahrlich seltener Augenblick von Einigkeit.
„Der Mann hieß übrigens Connor. Duncan war nur sein unsäglicher Verwandter in einer durch und durch löchrigen Nachfolgeserie, inklusive eines mehr als dämlichen Kinofilms.“, gab Sherlock den Klugscheißer. Mycroft fasste sich verzweifelt an die Stirn. „Du meine Güte, ich bin in einer Zelle mit Nerds eingesperrt, die kurz vor der Midlife Crises stehen!“
„Halt die Klappe Mycroft!“, sagte Sherlock und holte ein historisch kaum noch bekanntes Relikt der Vergangenheit aus seiner Tasche.
Ein Tastenhandy.
Entsprechend befremdlich wurde es beäugt.
Dann hob es Sherlock theatralisch in die Höhe und verkündete: „Das ist Irenes Telefon, und jetzt ratet mal, wen sie da unter anderem in einer mehr als prekären Situation gefilmt hat?“
„Duncan Mc Loud!“, antwortete Lestrade wie aus der Pistole geschossen. Sherlock warf ihm einen anerkennenden Blick zu. „Wer hätte gedacht, dass aus Ihnen mal ein richtiger Polizist wird.“
„Danke“, erwiderte Lestrade bescheiden, während Mycroft kaum noch in der Lage war seine Wut zu unterdrücken. „Warum kommst du uns erst jetzt damit! Moriarty ist kein Idiot, er wird wissen, dass du Irenes Handy hast.“
Sherlocks Gedanken waren völlig klar als er sagte: „Natürlich Bruder. Genau so wie er weiß, dass wir hier gerade gemeinsam in einer Zelle hocken. Es ist ein Spiel und wir müssen jetzt das nächste Level erreichen, während er nebenbei an einer neuen Weltordnung arbeitet. Wir haben momentan nur seine bedingte Aufmerksamkeit, glaub mir. Und das ist unser Vorteil!“
Dann rief er Duncan Mc Loud an.

Kurze Zeit später.

Duncan Mc Loud erinnerte weder an den Highlander noch an dessen Adaption im Serienformat. Als er die Zelle betrat erinnerte er mehr an einen Mann der gutes Essen und Bier im Haus bevorzugte. Und bis vor wenigen Jahren hatte auch noch eine Frau dieses Leben geteilt. Böse Münder behaupteten, sie wäre aus blankem Frust gestorben. Die wenigen Bekannten erzählten, sie hätte alle Highlander Filme, inklusive der Serie auf DVD gesammelt.
„Was wollen Sie?“ Die Frage des Mannes mit der schwitzenden Glatze und dem fetten Bauch deutete auf Eile hin. Noch war er nicht darauf vorbereitet was die Holmes Brüder innerhalb kürzester Zeit an verbaler Infanterie auf ihn einprasseln lassen würden.
„Mein Name ist Chefinspektor Lestrade von Scotland Yard, und ich verlange von Ihnen, dass Sie uns unverzüglich freilassen!“, lautete der erste Streich, von dem auszugehen war, dass er ins Leere verpuffen würde.
„Sie haben mich vom Handy einer Toten aus angerufen. Allein das ist ein Grund sie für weitere hundert Tage in diese Zelle zu verfrachten! Haben Sie wirklich nicht mehr zu bieten?“, entgegnete der vermeintliche Highlander gelangweilt.
„Diese Tote hat Videos gemacht, Duncan, Videos die Ihnen, aber vor allem Ihrer Karriere schaden könnten. Selbstverständlich sind die Kopien bereits an sicheren Orten geparkt, die nur darauf warten geöffnet zu werden, wenn Sie nicht unseren Anweisungen folgen.“, mischte sich John Watson in die Diskussion ein. Eine flüchtige Pause entstand. Eine Pause in der Duncan Mc Loud den Doktor genauer unter die Lupe nahm. Je intensiver sich ihre Blicke kreuzten desto mehr machte sich Erkennen breit. Es war ein gegenseitiges Erkennen. Ein Erkennen, das dem Doktor sofort klar machte, wie fehl am Platz er hier gerade war.
„Sagt ausgerechnet der Mann, der mindestens zwanzig Operationen in Afghanistan versaute weil er zu sehr unter Drogen stand! …Mein Bruder war EINER von IHNEN!“
Purer Hass stand in den Augen des Mannes, der den Schlüssel der Gefängniszelle in den Händen hielt. Die Situation drohte außer Kontrolle zu geraten. Alle Pläne waren verworfen. Jetzt ging es nur noch darum John Watson aus der Schusslinie zu bringen. „Ehe sich Ihre sicherlich berechtigte Kritik vollends an meinem Freund John entlädt, sollten Sie wissen, dass all seine Argumente der Wahrheit entsprechen. Oder um es kurz zu sagen. Wir haben Sie am Arsch!“, sprang Sherlock sofort ein. Die Aufmerksamkeit des Highlanders schwenkte um. Als er dann noch die kompromittierenden Bilder auf dem Handy von Irene Adler sah knickte er endgültig ein.

Drei Tage später in den schottischen Highlands, bei bestem schottischen Wetter. Leichter Niesel, ein wenig kühl. Seichter Wind. John Watson und Mycroft Holmes waren bereits eingeschlafen. Lediglich Lestrade schaffte es noch mit dem schier nimmermüden Geist von Sherlock mitzuhalten.
„Das war so witzig, wie Sie den Highlander zurechtgewiesen haben!“
„Lestrade, halten Sie die Klappe!“, wies Sherlock ihn zurecht.
„Über Sie sollte unbedingt jemand ein Buch schreiben!“, schwärmte Lestrade weiter.
„Fiktionale Realität gibt es seit Menschen, Menschen sind!“
„Dann sind wir alle also nur Teil einer Geschichte?“
„Was denn sonst?“
„Macht Ihnen das nicht manchmal Angst?“
Sherlock grinste.
„Niemals!“

Ende?

TEIL 1
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Sherlock- in tiefer Verneigung 5

Noch bevor die ersten Überwachungsdrohnen den Tatort Bakerstreet infiltrieren konnten, erreichte John Watson mit Chefinspektor Lestrade das Versteck, in dem Sherlock bereits nervös ihrer Ankunft harrte. Entsprechend ungeduldig empfing er sie auch. „Wurde ja auch Zeit!“ John Watson warf ihm einen finsteren Blick zu, der jedoch sofort an Bedeutung verlor.
„Gott sei Dank, Sie leben!“, überfiel ihn Gregory Lestrade überschwänglich, und schloss Sherlock in seine Arme wie einen überdimensionierten Teddybär. „Ich hatte schon gedacht, diesmal hätte es Sie wirklich erwischt, aber als ich dann John sah…! Ich bin so froh, dass Sie beide noch am Leben sind!“
„Sie können mich jetzt übrigens wieder loslassen, Geor, ...äh, alter Freund!“, entgegnete Sherlock mit sichtlichem Unbehagen.
„Greg!“, souflierte Watson unauffällig.
Zum Glück war Chefinspektor Lestrade ebenso emotional wie auch professionell. „Haben Sie schon eine Idee, wer Ihnen das angetan hat?“
Sherlock jubelte innerlich. Immerhin standen er und John noch nicht auf der offiziellen Fahndungsliste. Vermutlich hatte er das seinem Bruder Mycroft zu verdanken. Jeden Moment rechnete er mit einem Anruf. „Ihr Telefon klingelt.“, sagte er in nüchternen Tonfall zu Lestrade, der zwei Sekunden später registrierte, dass er noch weitere drei Sekunden warten musste, ehe dieses Ereignis auch eintraf.
Es war Mycroft Holmes.
„Geben Sie mir Sherlock!“
Lestrade reichte schweigend das Telefon weiter, und gesellte sich zu John Watson. „Was stimmt mit ihm nicht?“, flüsterte er unauffällig in seine Richtung. John Watson zuckte mit den Schultern. „Sie wissen doch wie er ist. Nimmt sich wichtig, die Welt ist in Gefahr, nur er kann sie retten, …das Übliche eben.“
Lestrade atmete erleichtert auf. „Und ich dachte schon, es hätte was mit der Skripalgeschichte zu tun.“ Am liebsten hätte John sofort geantwortet: Natürlich hat es was mit der Skripalaffaire zu tun! Gleichzeitig registrierte er Sherlocks besorgte Miene während er mit seinem Bruder telefonierte. „Gut möglich, dass er gleich Ihr Handy auf die Straße wirft.“, versuchte John den Inspektor auf ein Ereignis hinzuweisen, welches er schon hinter sich hatte. Noch bevor Lestrade den Satz: „Wie bitte?“ ausgesprochen hatte, landete sein Smartphone auch schon auf dem Asphalt, wo es in tausende Einzelteile zersprang. Wie ein kleiner Junge jammerte Lestrade dem Gerät hinterher. „Warum haben Sie das getan?“
„Weil es nötig war. …TAXI!“
Chefinspektor Lestrade und Dr. John Watson konnten nur noch hinterher sehen, wie der schlaksige Kerl einem Taxi nachjagte, welches kurz darauf anhielt. „Nun machen Sie schon!“, rief er den beiden mit funkelnden Augen zu.
„Wetten, dass er es gleich sagt?“, bemerkte John Watson mit einem spöttischen Grinsen, während er langsam neben Lestrade zum Taxi trabte. Lestrade verzog bereits genervt die Augenbrauen. So sehr er sich auch freute seine besten Freunde am Leben zu wissen. Das Ganze artete allmählich in Stress aus, und er war schließlich nicht mehr der Jüngste. „Kann mir vielleicht mal jemand erklären was hier eigentlich los ist? Ihre Wohnung ist gerade in die Luft gesprengt worden, und dann wirft Sherlock mein Handy weg, nachdem sein Bruder ihm offensichtlich Anweisungen gegeben hat!“ Watson legte ihm beruhigend seinen Arm um die Schulter. „Glauben Sie mir, wenn ich Ihnen sage, ich verstehe es auch nicht. Aber wenn er jetzt diesen Satz sagt, dann besteht Hoffnung.“
„Warum beharren Sie permanent auf diesen Satz? …Und welchen Satz meinen Sie überhaupt?“
John Watson tat geheimnisvoll je näher sie dem Taxi kamen. Zum ersten Mal seit Stunden sah er in Sherlocks Gesicht endlich wieder dieses Jagdfieber. Gleichzeitig wusste er, dass nur ein außergewöhnlicher Gegner dazu in der Lage sein konnte diesen Effekt zu erzeugen. Das machte ihm instinktiv Angst. Moriarty gab es nicht mehr, aber wer konnte noch mächtiger als Moriarty sein? Noch bevor Watson den Gedanken zu Ende denken konnte, befreite ihn Sherlock von der Last des Denkens.
„Das Spiel hat begonnen!“, sagte er mit loderndem Feuer in seinen Augen, wobei er sich genüsslich Zeit dafür nahm die Türen des Taxis zu öffnen.
Ohne Widerstand stiegen der Doktor und der Inspektor in den Wagen.
„Die Reise geht nach Schottland!“ Als Sherlock die entsetzten Blicke der Insassen, inklusive des Fahrers zur Kenntnis nahm fügte er vorsichtshalber hinzu. „Keine Sorge, es gibt da einen kleinen Flughafen im Norden Londons.“

Drei Stunden später…

Eine Hooligankneipe in Glasgow. In Fankreisen bekannt als eine Art heiliger Boden, in der sowohl Celtic, als auch Rangersfans sich trafen. Meist ging es dabei um Drogen. Aber nie wurde geduldet, dass jemand die Hand gegen einen verfeindeten Clan erhob, denn in einem waren sich alle schlicht einig.
„Heiliger Boden, Highlander!“
Hirte dieser Einrichtung war seit über vierzig Jahren ein Mann, der die Kneipe als Fanprojekt, eine Art soziales Experiment, an die Politik verkauft hatte, von der er sich Personal, wie auch Sachmittel finanzieren ließ. Im Gegenzug spendete er einen Teil seiner Überschüsse in soziale Projekte, die er anschließend gewinnbringend für sich arbeiten ließ. Ihn hier allerdings anzutreffen war wie ein Sechser im Lotto.
Mycroft Holmes war dieser Sechser im Lotto. Und er war in Schwierigkeiten.
„Was habe ich mit Ihren Schwierigkeiten zu tun, Mycroft, ich bin Schwede.“
„Sie haben es mit Moriarty zu tun, und das macht die Sache international, Herr Reuters! Sie sind in Schwierigkeiten!“
„Komisch“, entgegnete Charles Augustus Reuters, Verwalter eines weltweiten Meinungsimperiums. „Bei all unseren Gesprächen kamen Sie mir noch nie so, …ja wie soll ich es ausdrücken, …verzweifelt vor. Vielleicht sollte ich lieber mit Moriarty verhandeln, als mit Ihnen.“
„Wenn Sie sich gern unterordnen, nur zu! Aber ich kenne Sie als einen Macher, der sich von niemandem vorschreiben lässt was er zu tun hat.“
„Sie haben meine Aufmerksamkeit.“, entgegnete Reuters kühl.
„Wir brauchen ein öffentliches Meinungsbild, das die Glaubwürdigkeit der Medien stärkt. Sie können das erreichen.“
„Aus Ihrem Mund klingt das wie eine Drohung.“
„Moriarty ist der Enkel der Königin! Reicht Ihnen das als Information?“
Endlich war es raus. Reuters Gesicht zeigte keinerlei Anzeichen von Überraschung. „Sie haben es gewusst… Ich bin ein solcher Idiot!“
In diesem Moment betraten Sherlock, John und Lestrade das Lokal. Am liebsten hätte Mycroft ihnen zugerufen: Bleibt weg!, doch da war es auch schon zu spät.

Zehn Minuten später in einer schottischen Gefängniszelle.
„Was für ein hinterhältig, geniales Spiel! Es ist fast so, als würde Moriarty noch leben!“, rief Sherlock begeistert, während er mit seinen dauernden Spaziergängen durch die Zelle dem Rest der Insassen einfach nur den letzten Nerv raubte. „Könnten Sie mal für einen Moment stillhalten?“, monierte Lestrade als Erster. „Ich bekomme allmählich Kopfschmerzen!“
Sherlock warf ihm einen vernichtenden Blick zu. „Das liegt nur daran, dass Ihr Gehirn nach Arbeit verlangt, den der Rest von Ihnen aus purer Bequemlichkeit verweigert!“
„Das bringt doch alles nichts.“, versuchte John Watson den Gestaltungsrahmen der Diskussion wieder auf ein reales Level zu setzen, während er nebenbei registrierte, wie auffallend ruhig Mycroft seit der Verhaftung geblieben war. Wie auf Zuruf beendete Mycroft Holmes mit nur einer Bemerkung Sherlocks hektische Bewegungen in der Zelle. „Moriarty lebt, und er ist ein Enkel der Königin.“

..
.
„Ich wusste es!“, rief Sherlock begeistert, und blieb in seiner Begeisterung allein.
„Und wir sitzen in einer Zelle!“, bemerkte Lestrade gedemütigt.
„Wir haben noch einen Trumpf im Ärmel!“, behauptete Sherlock felsenfest, woraufhin ungläubige Blicke eine Erklärung für diese kühne These einforderten. Selbst Mycroft hatte keine Ahnung, was sein verrückter Bruder als nächstes sagen würde.
Und doch war es so einfach als er es sagte.

„Die Frau!“
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Sherlock- in tiefer Verneigung 4

Noch immer verharrten Holmes und Watson ergebnislos in der Nähe ihrer ehemaligen Behausung. Wie viele Erinnerungen hatten sich dort angesammelt. Sherlock hatte sie alle im Kopf, während John in eine Art Plapperlaune verfiel und sie eine nach der anderen aufzählte, wobei er unentwegt kicherte.
„Wissen Sie noch? Die Frau? Hihihihii…“ Sherlock stöhnte. „Wann halten Sie endlich die Klappe!“ John verschränkte sofort beleidigt die Arme und zog eine Schippe. „Sie haben mir doch den Joint gegeben!“
„Meine Güte, haben Sie in diesem Zustand wirklich Menschen operiert?“ John Watson wurde plötzlich ernst. „Was stimmt mit Ihnen nicht, Sherlock? Abgesehen davon, dass Sie sind wie Sie sind! Legen Sie es wirklich drauf an, es sich mit jedem Menschen den Sie treffen zu verscherzen? Weil, wenn das so ist, werden Sie mich auch los! Verstehen Sie das?“
„Der Ameisenjäger ist da.“, erwiderte Sherlock unbeeindruckt. „Der A…? Sherlock, hören Sie auf damit, ich will eine A…! …Welcher Ameisenjäger?“
Sherlock zeigte auf einen Mann der aufgeregt zwischen Löschfahrzeugen und Polizeiwagen hin und her rannte. „Das ist Greg!“, sagte John sofort. „Wer zum Teufel ist Greg?“ John warf ihm einen vernichtenden Blick zu. „Genau diese Art von Bemerkungen machen Sie zu einem solchen Kotzbrocken! Das ist Lestrade! Und wenn Sie nicht so eitel wären, und endlich mal Ihre Brille aufsetzen würden, dann bestünde die Wahrscheinlichkeit, dass selbst Sie ihn erkennen!“ Manchmal gab es Momente, in denen der Doktor Sherlock an den Hulk erinnerte.
„Regen Sie sich ab, John, ich setze jetzt meine Brille auf. …Du meine Güte, das ist ja Lestrade! Sein hektisches Getue hätte mir eigentlich gleich auffallen müssen.“ Ein kaum wahrnehmbares Grinsen verließ seine Gesichtszüge.
„Verarschen kann ich mich selber! …Ich schicke ihm übers Smartphone eine Nachricht…“ Plötzlich griff Sherlock nach dem Smartphone, und warf es auf die andere Straßenseite, wo es sofort zerschellte.
John bemühte sich um Fassung. Dann um Worte. Die Worte kämpften gegen die Fassung. Fäuste schrieen nach Vergeltung. Das Hirn war auf Alarmstufe Rot.
Dann geschah etwas womit selbst er nicht rechnete. Sherlock nahm sein geliebtes Smartphone, und warf es ebenfalls gegen den Asphalt, wo es das Schicksal seines Vorgängers teilte.
Plötzlich herrschte Frieden.
Wieder fehlten die Worte. Aber diesmal fehlten sie nicht weil man darum rang, sondern sie fehlten, weil sie einfach nicht nötig waren. Stattdessen bahnte sich das zunehmende Gefühl des Lachens den Weg in die Köpfe der Streithähne. Lediglich die Vorsicht verhinderte, dass es passierte. Außerdem war die Frage nach der Kontaktaufnahme ein wenig erschwert.
„Wir sollten nie wieder einen Joint rauchen, wenn wir uns auf so etwas einlassen. Aber wie ich Sie kenne, haben Sie bestimmt eine Idee.“, sagte John gutgelaunt.
Sie sollten keinen Joint mehr rauchen, und natürlich habe ich eine Idee. Sie gehen hin und holen ihn.“, antwortete Sherlock mindestens ebenso gut gelaunt, und bereitete damit dem ersten Samen des Zweifels seinen Weg. „Ich will unsere gerade entstandene Harmonie zwar nicht abwerten. Aber bist du dir sicher, dass das funktioniert?“
Sherlock warf ihm einen erstaunten Blick zu. „Dann sind wir also beim Du? Find ich gut John, und jetzt hol den guten alten George her. Wir benötigen ein wenig Insiderwissen aus den Kreisen der Polizei.“
„Er heißt Greg, und wir bleiben beim Du! Das macht es mir leichter dir eine aufs Maul zu hauen, wenn du dich mal wieder wie ein Arschloch aufführst!“, entgegnete Watson wütend und stapfte in Richtung Lestrade. Sherlock sah besorgt zum Himmel. Es würde nicht mehr lange dauern bis die ersten Aufklärungsdrohnen auftauchten. Hoffentlich war John schnell genug.

Verhörzimmer 213

Professor Moriarty hielt wie vereinbart sein Schlussplädoyer in der Sache: Brauchen wir den Mycroft noch?, welches er Dank seiner Oma, keiner geringeren als Queen Mum die Zweite, einberufen hatte.
„Mycroft Holmes! Ich stelle Ihnen jetzt eine Frage, die Ihr künftiges Sein bestimmt. Wem dienen Sie?“
„Ich diene der Krone!“, antwortete Mycroft wie aus der Pistole geschossen. Moriarty lächelte eisig. “Wer hätte jemals gedacht, dass wir beide mal auf einer Seite stehen.“ Mycroft verkniff sich einen Kommentar. Aber was noch viel schlimmer war. Er hatte auch keinen auf Lager. Er befand sich in der Hand des mächtigsten Verbrechers der Welt, der sogar einen Anspruch auf den Thron hatte, den er aber niemals einfordern würde. So war Moriarty einfach nicht. Er leitete seine Geschicke wie eine Spinne lieber jenseits der Öffentlichkeit. Den austauschbaren Trotteln die zeitweise verliehene Krone, den Drahtziehern die Anonymität und Macht.
Dann dachte er an John Wayne und Donald „Trumpi“ Duck. Die Welt war wirklich verrückt geworden. Vernunft und Pragmatismus vermischten sich im Fahrwasser der Beliebigkeit mit Massenstumpfsinn und Belehrbarkeitswahn. Wie sollte man da noch dem Gemeinwohl dienen, wenn dieses in seinen Grundfesten so zerstritten war?
Jemandem wie Mycroft Holmes wären solche Gedanken freilich nie freiwillig durch den Äther seiner Gedanken gerollt. Aber hier galt es einen gefährlichen Irren mit schier unüberwindlichen Machtbefugnissen aufzuhalten, was einfacher gesagt als getan war. Moriarty war kein Idiot. Und dann war er auch noch der Enkel der Königin. Es war zum Verrücktwerden! Immerhin hatte ihm Moriarty zumindest eine Art Ausweg geboten, wenn auch davon auszugehen war, dass dieser nicht auf Vertrauen basierte. Allein seine selbstgefällige Fratze, die das Gefühl von geistiger Überlegenheit suggerierte. Hier standen sich zwei alte Feinde gegenüber, die über das Stadium sich gegenseitig etwas vorzumachen, lange hinaus waren. Und obwohl sie sich intellektuell, wie auch in ihrem Zynismus absolut gleich waren, hatte zumindest einer von ihnen den Vorteil, eine Oma zu haben die nebenbei auch noch Königin war, während der andere nur einen Bruder vorweisen konnte, der…
Nun ja.
Die Vorzeichen für diplomatische Beziehungen standen alles andere als gut, aber sie waren immer noch besser als die Option sich für die nächsten zehn Jahre einfrieren zu lassen.
„Was ist mit meinem Bruder?“, wagte Mycroft vorsichtig zu fragen. Moriartys Gesicht versteinerte sich zu einer erhabenen Grimasse. „Lösen Sie das Problem, Mycroft. Das ist jetzt Ihr neuer Job. Ihre neue Chipkarte liegt an der Rezeption. Sie behalten unbeschränkten Zugang. Ach ja, und noch was. Dem Empire ist es wichtig, dass wir die Kontrolle in der Ukraine behalten. …Dieser Auftrag könnte John Watson vielleicht das Leben retten.“
Mycroft behielt seine Gedanken für sich. Was ihm hier als Lebensrettungsprogramm verkauft werden sollte, war nicht weniger als eine Kamikazeaktion. Hoffentlich hatte wenigstens Chefinspektor Lestrade sein Smartphone noch nicht weggeschmissen.

ff
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