22.061x gelesen 104x abonniert Ausgabe 15/24 14.04.2024 THE WALKING SHIT Jetzt registrieren

2023- Das Leben der Brians Verfasst am : 06.01.2023 23:30

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Wir erinnern uns. Brian war gerade von der suizidal veranlagten judäischen Volksfront nicht gerettet worden und fristete seitdem, unter den Klängen von „Always look on the bright side of life“, die letzten Minuten seines Lebens am Kreuz.

An dieser Stelle endet der Film, und der waghalsige Versuch einer Fortsetzung beginnt.
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In der Nacht, es ist sehr stille,
taucht ein Pilger auf, mit Brille
sieht den Brian, am Kreuz vernagelt,
was die Stimmung ihm verhagelt

„Du verspottest grundlos Nägel!“
kreischt er Brian ins Gesicht
„Dann befrei mich doch, du Flegel,
denn alleine schaff ichs nicht!“

Und der Pilger wägt den Nutzen
bis er die Entscheidung fällt
Künftigen zurecht zu stutzen
weil er ihn vom Kreuz geschält

Dankbar, doch mit großen Schmerzen
neigt der Brian sein Antlitz tief
„Freund, ich danke dir von Herzen.“
und der Pilger lächelt schief

Plötzlich ist der Mann verschwunden
Nebel taucht statt seiner auf
Jahre gehen wie Sekunden
Brian hat einen Lebenslauf

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Heute - Realität

Es klingelt gerade zur zweiten Hofpause. Ich sitze im Erdgeschoss der Schule in meiner Werkstatt und warte auf den Ansturm. Auf meinem Laptop läuft „Always look on the bright side of life“.
Diese Schule steckt voller Brians.
Manche von ihnen sind sogar Lehrer oder Erzieher.
Und natürlich gibt es auch weibliche Brians.
Aber ich will aus Datenschutz- technischen Gründen nicht zu sehr ins Detail gehen.
Vielleicht genügt es zu sagen, dass die Grundschule neben einem Bratvogelweg steht.
Ja, es gibt sie noch immer, diese antiveganen, Tiere diskriminierenden Benennungen von Straßen, die den Fleischkonsum, und damit das ungesunde Volksverhalten fördern.
Im Grunde habe ich damit fast den Charakter der Schule beschrieben. Besser konnten es die Monty Pythons:

Zitat aus „Leben des Brian“

Brian: „Ihr seid alle Individuen!“
Chor: „Ja, wir sind alle Individuen!“
Einzelner aus der Menge: „Ich nicht!“
Chor: „Schnauze!“


Joos- ein Sechstklässler erklärt mir die Welt

Joos ist ein langer Schlacks, der sich mit allem anlegt was man ihm nicht verständlich macht. Er hat Lehrer und Erzieher in die Verzweiflung getrieben und sich Verwarnungen und Tadel eingefangen.
Von den Schlägen die er dafür von seinem Stiefvater erhielt, hat er vor den meisten Erwachsenen geschwiegen.
Als guter Erzieher hätte ich natürlich sofort reagieren müssen, als ich davon erfuhr.
Doch es gab mehrere Gründe die dagegen sprachen, unter anderem sein Wunsch es nicht zu tun, und unterschwellig auch mein Wissen über die Funktionalität des zuständigen Jugendamts.
Darüber hinaus mag ich den Jungen, und er ist so viel ruhiger geworden. Seit zwei Jahren schleift er an einem kleinen Holzschiffchen herum um es noch glatter zu bekommen, während wir uns unterhalten. Dabei würde auf dem Teil mittlerweile selbst ein Floh ausrutschen.
Als pädagogische Maßnahme habe ich es entwendet und seinen Namen eingestanzt. Ich plane es ihm als Abschiedsgeschenk in dankbarer Erinnerung zu überreichen. Und tatsächlich vermisst er sein Schiffchen, denn er fragt ständig danach.
„Keine Ahnung, hier verschwinden ständig Dinge.“, wiegele ich das altersgemäß grantig ab und hoffe, dass er nicht auf die Idee kommt in der dritten Etage meines Wandschranks in einem Puppenbett zu suchen.
Heute, also vorgestern, überrumpelte er mich mit folgender Neuigkeit.
„Ham Se schon gehört, wir liefern jetzt Marderpanzer in die Ukraine.“
Zu meinem Leidwesen musste ich das bejahen.
„Damit sind wir im Krieg mit Russland, oder?“

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geschrieben von gottileini

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