22.064x gelesen 104x abonniert Ausgabe 15/24 14.04.2024 THE WALKING SHIT Jetzt registrieren

THE WALKING SHIT

Seit Gewissensminister Habeck seine Osteransprache gehalten hat bin ich zwischen Himmel und Herd geschmissen.

https://www.youtube.com/watch?v=7SUm3Jm2tBQ

Entweder Grill oder Pfanne, Lau(terba)ch oder Hirn, oder schlicht Krieg für den Frieden oder Frieden nicht ohne Krieg.
Das waren schon starke Worte die Habecks orwellschen Gemüt entfleuchten, zumal er ja auch das neueste Vorwort in der jüngsten Auflage von George Orwells „1984“ schreiben durfte.
Das ist Konsequenz wie ich sie mir lobe!
...
Jetzt, da der Russe endlich mal wieder vor der Tür steht, bin ich bereit meinen Beitrag zu leisten.
Mit meinen mittlerweile 53 Jahren wäre ich sogar eine Art Edelreservist, denn ich habe schon 1989 als 18 Jähriger an der Berliner Mauer gestanden um ausreisewütige Wessis daran zu hindern in die DDR zu flüchten. Und was hatte ich damals Rückhalt aus der Zivilbevölkerung. So viele die mir den Rücken stärkten und mich mit ihrem Schwung in die BRD zogen. Zuerst wollte ich sie ja wegen Republikflucht erschießen, und ja, ich hätte es auch gedurft, laut DDR Befehl zum Gebrauch und der Anwendung von Schusswaffen. Das wird heute gern mit dem Schießbefehl verwechselt, aber sei es drum. Ich habe damals natürlich nicht geschossen und bin später mitgegangen.
...
Heute wüsste ich was ich als guter Soldat zu tun hätte. Zunächst würde ich mich als Offizier eintragen lassen. Dann würde ich den Lauterbach zitieren und Cannabis an die Truppen verteilen. Alkohol würde ich wegen seiner aggressiven Teilhabe verbieten und nur im Notfall zulassen. Anschließend würde ich die Truppe mit genügend Joints als Waffen ausrüsten um den Gegner zu verwirren. Meine eigenen Leute würden selbstverständlich auch kiffen, und vermutlich würden wir danach Schach spielen und anschließend erkennen, wie rudimentär unsere Schachspielqualitäten sind. Sollte doch jemand schießen würden wir ihn als durchgeknallten Kollateralschaden mit Würde betrauern, oder ihn nach besten Rechtswissen und Gewissen dem Feind übergeben.

Es gibt die berühmte Geschichte aus dem ersten Weltkrieg als die Deutschen und Franzosen gemeinsam Weihnachten feierten.
Und bevor wir sentimental werden müssen folgende Fragen gestellt werden.
Wie viel an künftiger Menschpopulation haben die beiden Weltkriege verhindert?
Und haben wir mit einem weiteren A.H., Anton Hofreiter, nicht einen hervorragenden Wegbereiter am Schnürchen? Und dann sieht der auch noch aus wie Jesus.

Freunde, ich weiß, ich lass euch mit nem Haufen Scheiße zurück.

Und Scheiße, es ist

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Ein Leserbrief, ein Nachruf, Danke!

Leserbrief

„Huhu,

ich möchte mich hiermit beschweren, dass ich als zahlender Zeitungsabonnent seit Monaten keine Lektüre mehr bekomme, bitte diesen Missstand beheben!

Grüße …... :D“



Lieber Leser,

danke, dass Du mich vermisst. Momentan befinde ich mich in einer Art geistigen Winterschlaf. Und dann ist auch noch Honkyschwonky gegangen. Das hat mir persönlich den Rest zu gegeben, denn er war mein größter praktischer Lehrer in allem was Schreibkunst zu bieten hat. Seine Geschichten waren legendär und seine Erzählweise konnte sich mit Terry Pratchett vergleichen. Aber das war nur die eine Seite. Auf Youtube ist er mit seiner anderen Seite weit weniger erfolgreich unterwegs als jemals bei Fuzzycup.
Im letzten Jahr, oder dem davor, wen interessiert das schon, hat er in einem Kesselinterview bei mir dafür Werbung machen dürfen.
Seine Band heißt

SchMerz

und seine Musik kennt keinen Honkyschwonky.
Neuerdings hat er sogar seine Kommentarfunktion deaktiviert, aber zum Glück kenne ich seinen bürgerlichen Namen und habe seine Emiladresse...
Tatsächlich hat er mir auf Wunsch sogar eine CD geschickt, die man zugegebener Weise nicht jederzeit wie oberflächliche Fahrstuhlmusik hören kann.
Seine Texte sind voll von schmerzhaften Wahrheiten, denen man wie einem süßen, verlockenden Abgrund manchmal sogar folgen will, nur um das ganze Elend um sich herum nicht mehr ertragen zu müssen.
Irgendwer hat mal gesagt: Je länger du in einen Abgrund siehst, desto länger sieht der Abgrund auch in dich hinein.
Ja, ich weiß das klingt düster.
Und was hier wie eine Kondolenz wirkt soll eigentlich keine sein, aber der Honky fehlt mir eben auch.

Was bleibt.

Schorsch Chancentod, Cooker, meine Feli, und all jene die gern über den Tellerrand lesen.
Schorschi ist noch hier und viel zu selten abonniert. Auch ihn bezeichne ich als Lehrer. Er war und ist mit Honky auf einer Ebene zu nennen. Mein größter Irrtum bestand in der Annahme seines Alters, und keine Sorge, Genoss*Innen wie Außen, ich werde diesen Irrtum an dieser Stelle nicht aufklären. Nur soviel sei über unseren Bierbauchberserker gesagt. Ich habe sein Buch, und ich habe im letzten Sommer seinen Verein gemanagt und natürlich die Meisterschaft vergeigt.

Cooker wird auch immer ruhiger, und ich glaube zu wissen warum. Für ihn ist Fuzzycup eine Reise in eine andere Welt. Er liest noch lieber als er schreibt. Seine Begeisterungsfähigkeit für beides hat diesem Spiel immer gut getan. Danke!

Meine Feli.

Wenn ihr wüsstet...
Keine Sorge ich verrate nichts. Nur so viel. Ich hab sie rein gebracht. Dabei hat sie sich bis vor 13 Jahren nicht mal für Fußball interessiert.
Seitdem:
1 WM Turniersieg 2018
15 mal Meisterhaft
27 mal Torschützenkönigin
86 mal Artikel des Tages

So sieht eine echte Fussballuninteressierte aus.
Liebste Feli, wir können störungsfrei über Telegram telefonieren, allerdings erst ab dem 12.1. weil ich bis da in Dänemark bin.

Hein Seemann.
Er schreibt immer kurz und knapp, aber mit herrlichem Wortwitz. Ich werde dich nicht wirklich vermissen, da deine Worte in mir widerhallen, sollte ich mich jemals wieder des nordischen trockenen Humors bedienen.


Ein letztes Anliegen.
Seit Wochen versuche ich mein Profil zu löschen. Wenn jemand Antwort hat, gern über privat.
Es hat mir viel Spaß gemacht hier zu schreiben. Vieles habe ich nicht zu Ende geschrieben. Bitte verzeiht. Besonders mein zahlender Abonnent, der zu meinem Lebensunterhalt einen nicht unwesentlichen Beitrag spendete.

Und so verbleibe ich bis zu meiner Löschung mit herzlichen Grüßen an meine Abonomenten.

Danke!
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Keine Aufregung!!!

Männer*Innen ohne Nerven.

Teil 1

Kurz nach dem heutigen Wachwerden fiel es mir wie Schuppen aus den Haaren. Ich rege mich zu viel auf. Und das schon über die kleinsten Dinge. Ich stehe früh auf und schimpfe mit meiner Frau weil das Frühstick noch nicht fertig ist, und weil die lästigen Bälger das Klo blockieren. Dabei habe ich gar keine Frau und die lästigen Bälger warten in der Schule auf mich.
Als nächstes rege ich mich über den Straßenverkehr auf. Denn selbstverständlich bin ich nur von Idioten umgeben und meine Fahrt zur Schule ist ein täglicher Todesritt zu den lästigen Bälgern.
Die Alten fahren zu langsam, die Drängler bohren ihre Hackfressen wie Zombies in meinen Rückspiegel, und die Fahrradfahrer, ja also die Fahrradfahrer erst...! Da gibt’s doch echt Arschlöcher die trotz bestens asphaltierter Radwege lieber die von Schlaglöchern übersäte Straße fahren, nur um mich zum Langsamfahren zu zwingen. Und wie würdelos sie das zelebrieren! Gekleidet wie Werbetafeln sabbern sie ihre Sieben Tage Vollbärte voll und tun so als würden sie einen nicht bemerken, während sie dich umweltschonend, schweigfahrend belehren, indem sie dich dazu zwingen hin und her schaltend noch Schadstoffintensiver die Umwelt zu belasten, während du sie zu überholen versuchst.
In solchen Momenten spüre ich oft wie imaginäre Spitzhörner aus meinem Schädel wachsen und ich zum Stier in einer Arena werde dessen Ende vermutlich am Abendspieß endet. Eine Stimme flüstert. "Leeheehg dich nicht mit Rahaadafahrern an...“
Zur Ablenkung höre ich dann manchmal Radio.
Großer Fehler!
Denn sobald das Radio anstatt Musik zu spielen zu sprechen beginnt ist Schluss mit lustig.
Moderatoren die dich gutgelaunt duzen und dir Dinge erzählen nach denen es dich schlichtweg inhaltlich nicht gelüstet. Bei Klassikradio wirste wenigstens gesiezt, aber das Gelaber ist länger, inhaltsloser und in Narzissmen gefangen.
Die Krönung sind die Nachrichten. Vermutlich ist eine Ursache von Verkehrsunfälle dem Hören von Nachrichten geschuldet, aber das ist nur eine Theorie.
Ich reg mich schon wieder auf! Dabei wollte ich mich gar nicht aufregen. Außerdem habe ich mir als Gegenmaßnahme das Radiohören gänzlich abgewöhnt, und höre stattdessen eine Playlist vom MP3 Player. Da sind über 500 Songs drauf und ich stelle immer auf „Random“. Aber auch da nervt die KI. Denn sie ist einfach nicht zuverlässig, im Gegenteil, verdammt nochmal! Gefühlt jeder fünfte Song pro Fahrt kommt von Abba oder Heinz Rudolf Kunze. Manchmal auch von SchMerz, und da ist nur einer da! Von Whitney Housten kommt einmal im halben Jahr EIN Song, obwohl ich von der viel mehr runter geladen habe als von allen anderen zusammen.
Ich glaube mein MP3 Player ist Rassist und Frauenfeind. Noch möchte ich ihn nicht Nazi nennen, dazu bin ich eine viel zu tolle männer*ische Tante, die sich in abendlicher Sanftheit ergeben, dem Ende dieses Artikels widmen möchte.

Ich bin eindeutig während des Schreibens abgeregt. Bis zum nächsten Aufreger.

Bis neulich! ;)


PS: „Klawitters letzter Tag“ wird hier demnächst fortgesetzt. Dauert nur etwas. Also keine Aufregung.






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Klawitters letzter Tag 2

Wie zu seiner Bestätigung setzte Mutter noch einen drauf. „Du hast dir in deinem Berufsleben viele Feinde gemacht die der Meinung sind, dass du ihr Leben versaut hast. Einer von ihnen scheint im Laufe der Jahre vielleicht sehr rachsüchtig geworden zu sein?“
„Ich ziehe die Möglichkeit in Betracht.“, erwiderte Klawitter kühl und servierte Mutter den Tee. In seinem Kopf vibrierte es fast nach außen. Zum Glück hatte er eine längere Autofahrt vor sich. Da konnte er endlich seine Gedanken ordnen.


Nach mehreren Kilometern Fahrt kam Klawitter immer noch auf keinen grünen Zweig. Er hatte unzählige Schwerverbrecher eingebuchtet, aber keiner von denen war schlau genug sich nicht einbuchten zu lassen. Und von denen die mittlerweile auf freien Fuß waren, war jeder schlau genug sich nicht noch einmal mit ihm anzulegen. Also was hatte er übersehen? Zunächst beinahe den Straßenverkehr.
„Verdammter Idiot, warum fährst du 30 in einer 50 er Zone?“, keifte Klawitter über den vor ihm fahrenden Schwachkopf. Er neigte zwar selbst dazu die zugelassene Höchstgeschwindigkeit stets um fünf Km/h zu unterschreiten, aber 20 Km/h zu wenig waren eine unzumutbare Frechheit. Und natürlich saß ein Rentner mit Hut am Steuer, der vermutlich eine gefährliche Spritztour unternahm weil er vergessen hatte am Morgen seine Pillen zu nehmen, die ihn daran erinnern sollten nicht Auto zu fahren. Daher hatte Hupen keinen Sinn. Im Gegenteil. Der Mann würde das nur als Stressfaktor wahrnehmen und im schlimmsten Fall einen Unfall direkt vor seiner Nase verursachen, oder einfach die Hupe nicht hören, weil er auch sein Hörgerät vergessen hatte.
In solch hoffnungslosen Situationen war Klawitter einfach nur froh, wenn das lahme Arschloch vor ihm irgendwann abbog, oder er ihn auf gerader Strecke überholen konnte. Leider schienen sich solche Leute gern in eng zu durchfahrenden Ortschaften aufzuhalten. Es gab zwar keine offizielle Statistik zu diesem Thema, aber gefühlt hätte jeder zweite Autofahrer zugegeben Situationen wie diese zu kennen.
Um sich abzulenken rief Klawitter seine Mutter an. Als sie abhob hörte er Sirenen. Natürlich. „Geht es dir gut Mutter, und kann ich mit deinem behandelnden Arzt sprechen?“
„Wie oft habe ich dir schon gesagt, dass du während des Autofahrens nicht telefonieren sollst! Und was willst du mit meinem Arzt? Soll er mit dir ein Schwätzchen halten oder mich behandeln? Ich leg jetzt auf!“ Fassungslos starrte Klawitter auf sein Tastentelefon.
Der Rentner vor ihm betätigte plötzlich sein Warnblinklicht und blieb stehen. Gerade als Klawitter überholen wollte kam ihm ein nicht endender Strom von Radfahrern entgegen. Wie sich herausstellte waren es Aktivisten die den Autoverkehr in Brandenburg lahmlegen wollten indem sie Kilometerlange Fahrradketten bildeten, die im Schritttempo durch die Lande fuhren. Die Tür des vor ihm stehenden Fahrzeugs öffnete sich und tatsächlich stieg ein alter Mann mit Hut aus, der sich zielgerichtet auf Klawitter zubewegte. Trotz seiner offensichtlichen Gehbehinderung kam er mit seinem Gehstock immer noch schneller voran als die Fahrradkolonne. Klawitter verdrehte bereits die Augen. „Was willst du denn jetzt?“, stellte er die Frage mehr sich selbst, während er langsam das Fahrerfenster nach unten bewegte. Der alte Mann kam schwer atmend näher. Ein Ende der Fahrradkolonne war nicht in Sicht. Gehörte das etwa auch zum Plan? Schnell verwarf Klawitter den Gedanken als aberwitzig. Diese Klimawichtigtuer schossen in letzter Zeit wie unliebsame Pilze aus dem Boden.
„Entschuldigen Sie, junger Mann, aber ist das hier Prenden? Ich glaub nämlich, ich hab mich verfahren.“, krächzte der alte Mann in sein Fahrerfenster. Auch das noch!, dachte Klawitter und antwortete ruhig. „Das ist Zühlsdorf. Prenden liegt in der entgegengesetzten Richtung.“
„Bittäh?“
Also doch schwerhörig. „PRENDEN IST AUF DER GEGENFAHRBAHN!“
„Hach, was für ein Glück, dass ich Sie fragen konnte. Ich werde gleich wenden.“, sagte der alte Mann fröhlich und humpelte zu seinem Auto zurück. „Du kannst hier nicht wenden, du Idiot!“ Doch der alte Mann war schon zu weit weg und zu schwerhörig um Klawitters Worte zu hören.
„Steig auf dein Rad
wirf den Motor ab
für das Klima
das ist prima!“
, sangen die Radfahrenden, wie sich selbst bezeichneten fröhlich. Mitleidig blickten sie dabei auf die zwei alten Männer die mit ihren künftigen, klimaschädlichen Reliquien hier festsaßen. Dann geschah das Unfassbare. Der alte Mann vor ihm startete den Motor und fuhr direkt in die Fahrradkolonne hinein. Wie durch ein Wunder gab es lediglich hässliche Schrammen, aber der eigentliche Tumult war eröffnet. Sofort stoppte der Fahrradkonvoi, und wie Ameisen umlagerten die Aktivisten das Auto des alten Mannes, der völlig überfordert mit den Armen ruderte und sabbernd vor sich hin kreischte. Klawitter hielt kurz inne, ehe er sich entschloss in die Situation einzugreifen. „Polizei, machen sie bitte den Weg frei!“, begann er sofort mit der Offensive und wedelte mit seinem Dienstausweis als er sich dem alten Mann näherte. Mürrisch, aber willig öffneten die Radfahrer eine Schneise für die Ordnungsmacht. Grund genug für Klawitter noch einen drauf zu setzen. „Und wenn es euch nichts ausmacht, fahrt bitte weiter, damit der Krankenwagen hier durchkommt, klar?“
„Scheiß Nazi!“, zischte es anonym aus dem Fahrerpulk.
„Halt die Fresse, du Idiot!“, intervenierte sofort ein anderer.
„Wie war das eben?“, horchte Klawitter auf und warf einen prüfenden Blick in die Runde. „Wir fahren natürlich weiter und behindern niemanden der Menschenleben retten will, ist es nicht so, Freund*innen intergeschlechtlicher Transzendenz?“, verkündete ein langhaariger, älterer Mensch mit Bart und Titten. Der Tross setzte sich langsam in Bewegung.
Der alte Mann beruhigte sich allmählich. „Ich hab den Radfahrer nicht gesehen, ich schwöre! Er war plötzlich da!“
„Verstehe!“, sagte Klawitter und rief die Notrufzentrale an. Anschließend rief er in der Dienststelle an.
„Jürgen, wo bleibst du?“
„Feli, es tut mir leid, ich hatte gerade ein „walking dead“ Erlebnis.“
„Du hast „The walking dead“ gesehen? Das hätte ich dir gar nicht zugetraut...“
„Feli!“
„Jürgen?“
„Ich verspäte mich. Gibt es was neues von Frau Ulus, oder dem zotteligen Kerl?“
„Komm einfach so schnell wie möglich her!“, sagte Fräulein Felicitas und legte auf.
Klawitter war hin und hergerissen. Die Straße war inzwischen wieder frei, aber vom Krankenwagen noch keine Spur. „Meinen Sie, Sie schaffen es jetzt ohne mich bis der Krankenwagen hier ist?“
„Wer braucht denn einen Krankenwagen?“, erkundigte sich der alte Mann verwirrt. Klawitter sah ihn stirnrunzelnd an. Ja, wer eigentlich, begann er sich selbst zu fragen. „Bleiben Sie einfach hier. Sie stehen unter Schock, ich war mal Sanitäter, ich kann das beurteilen. Und jetzt geben Sie mir den Zündschlüssel für Ihr Auto.“
Widerstandslos überreichte der alte Mann mit Hut seinen Autoschlüssel. „Ich bringe ihn persönlich zurück.“, versprach Klawitter. Der alte Mann sah ihn mild lächelnd an. „Nein, werden Sie nicht.“


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Klawitters letzter Tag 1

Regen klopfte gegen die Scheibe des Fensters als sich Kriminalhauptkommissar Jürgen Klawitter in dem alten behaglichen Federbett verschlafen die Augen rieb. Wie üblich erwachte er pünktlich, wie seit vierzig Jahren, exakt zehn Minuten vor dem Alarm seines Weckers. Dabei spielte es auch keine Rolle welche Zeit er am Abend zuvor eingestellt hatte. Für ihn selbst stellte das kein Problem dar. Für seine Mitarbeiter, oder besser Untergebenen, besonders in früheren Zeiten manchmal schon.

„Sie sind fünf Minuten zu spät!“
„Ich bin fünf Minuten zu früh!“
„Ich lege Wert auf Pünktlichkeit!“
„Ich werde mich über Sie beschweren!“
„Nur Idioten beschweren sich über Dinge die sie selbst ändern könnten.“

Gespräche dieser Art wurden ihm fast zum Verhängnis. Aber eben nur fast.

„Jürgen, du bist einer unserer Besten...“
„Ich bin der Beste!“
„Also gut. Du bist der Beste, und das sollst du auch bleiben. Du könntest aber besser sein, wenn du deine Mitarbeiter nicht ständig in demotivierende Gespräche verwickeln würdest.“
„Pünktlichkeit ist eine Frage des Respekts. Wer keinen Respekt hat ist auch nicht motiviert. Wer nicht motiviert ist muss mit der rudimentären Form von Respekt in unserer Zivilisation konfrontiert werden. Und das ist Pünktlichkeit.“
„Himmelherrgottnochmal, Jürgen! Muss denn jede dieser Unterhaltungen dazu führen, dass ich mich anschließend mit einem Berg von Beschwerden befassen muss? Musst du die Leute immer als Idioten bezeichnen?“
„Aber es sind Idioten.“
„Und was ist mit Frau Ulus?“
„Das ist kein Argument, Rainier. Frau Ulus ist nach wie vor unpünktlich.“
„Na gut, Jürgen, aber der Wind dreht sich. Irgendwann kommt ein wichtigtuerischer Frischling auf die Idee dich wegen Beleidigung mit einer Zivilklage auf Trab zu halten, und ich weiß wie du es hasst deine Zeit zu verschwenden. Und nur damit du es weißt. Im Gegenzug nennen sie dich einen Freak.“
„Dann könnte ich sie auch verklagen?“
„Jürgen, nimm die Sache bitte ernst! Ich bin nicht ewig hier...“
„Ja ja, ich weiß, dich zieht es in die Politik, du elender Feigling...“
„Es reicht, Jürgen, und ich sage es vermutlich nicht zum letzten Mal, Gott bewahre: Nenn die Leute nicht Idioten! Und um das mal inhaltlich zu vertiefen. Was wärst du denn ohne all die fleißigen Hände um dich herum?“
„Wäre nützliche Idioten eine diplomatische Bezeichnung?“
„Jürgen, verpiss dich aus meinem Büro und sorg dafür, dass ich solche Ansprachen nie wieder halten muss, denn irgendwann hole ich mir Hilfe.“
„Wie meinst du das?“
„Darüber kannst du nach der nächsten Beschwerde nachdenken und dem anschließenden Diensttauglichkeitstest der ganz sicher nicht von mir durchgeführt wird.“
„Verstehe! Guten Tag, Herr Wackelpudding!“


Natürlich kam es wie es kommen musste. Ein besonders ambitionierter Psychologe hatte es sogar gewagt zu postulieren, dass das mit einem Trauma in seiner Kindheit zu tun haben könnte. Das Gespräch war elf Jahre her, und zu dieser Zeit war er schon Kriminalhauptkommissar, aber dank seiner Mutter blieb ihm eine Anzeige wegen Körperverletzung und eine Degradierung erspart.
Natürlich gab es genug nützliche Idioten in der Dienststelle die Klawitter für einen Freak hielten.
Besonders dank Fräulein Felicitas, der eifrigen Schreibkraft aus dem Vorzimmer des Chefs, die die Belegschaft seit zwanzig Jahren über die neuesten Gerüchte auf dem Laufenden hielt.

„Habt ihr schon das Neueste von unserem Freak gehört?“
„Nein, erzähl!“
„Aaaber pssscht!“
„Jahaaaaa!“
„Der wohnt bei seiner Mutter im Wald!“
„Haahaaahahaaaaa!“
„Scheiße, er kommt!...“


Irgendwann hatte Klawitter gelernt mit all den kleinen Demütigungen hinter seinem Rücken umzugehen. Als besonders umgänglich galt er nie, weshalb er das meiste über Telefax und später übers Internet erledigte. Hauptsache wenig Kontakt zu anderen Menschen, während er an Tatorten förmlich aufblühte und wie ein verbaler Wasserfall seine Genialität feierte.
Er erinnerte auch kaum noch jemanden an Pünktlichkeit, weil ihm das wie fischen in einer geistigen Wüste vorkam. Außerdem machte es nur zusätzlich auf ihn aufmerksam und wenn er eines nicht gebrauchen konnte, dann war es die Aufmerksamkeit von Idioten, wie nützlich sie auch waren, denen er manchmal Handgranatengürtel um den Hals wünschte die er nach Gutdünken explodieren lassen konnte. Hach, was für ein geistiges Gemetzel, und nur die Erleuchteten würden wie durch Wunderhand überleben...
„Wenn du nicht bald aufstehst, verpasst du noch den Tag deiner Erhebung zum Rentner und das schöne Abschiedsfest das sie dir bereiten!“, polterte Mutter Klawitter in Jürgens Halbschlaf.
„Kaffee?“, stöhnte Klawitter Junior.
„Ist in der Küche, so wie ich auch gleich. Guten Morgen, Sohn!“, seufzte ihm Mutter erbarmungslos entgegen und ließ Sekunden später die Dielen unter den Stufen der Treppen knarren.
Klawitter erhob sich langsam und sah aus dem Fenster in den dichten verregneten Kiefernwald. Es war fast als tanzten die Bäume und schwitzen dabei. Klawitter lächelte. Ein wenig erinnerte ihn das an seine ab morgen alte Dienststelle. Er war zwar immer ein Freak geblieben, aber irgendwann hatte er seine nützlichen Idioten um sich herum auch liebgewonnen, und die ihn irgendwie auch. Selbst Fräulein Felicitas. Und ausgerechnet die störte jetzt seine harmonischen Gedanken an einem ruhigen letzten Tag im Büro des Dienststellenleiters.
„Was ist denn, Feli?“, sprach er sanft ins Telefon.
„Ich würde es nicht sagen wenn es nicht ernst ist, aber du musst sofort her kommen. Nurcan Ulus ist verschwunden, und wir haben einen Verdächtigen der behauptet er wüsste wo sie ist. Er will nur mit dir sprechen.“
„Hör zu, wenn das nur so ein alberner Scherz ist um mich zu verarschen, mich aufzuheitern weil ich in Rente gehe...“
„Verdammt, Jürgen, ich meine es ernst! Nurcan ist seit gestern Abend nicht mehr gesehen worden und heute taucht ein alter Zottelkopf hier auf und sagt er würde nur mit dir über ihren Aufenthaltsort und das wie und wo reden. Sie ist auch meine Freundin, Jürgen, und das ist verdammt ernst!“
„Ist ja gut, beruhige dich, ich bin unterwegs! Was ist das für ein Typ der nur mit mir reden will?“
„Wie ich schon sagte, ein Zottelkopf. Graues, langes, ungepflegtes Haar, Scheiße, der Typ sieht aus wie Gandalf nur in Pennerversion, und jetzt komm endlich her!“
Klawitter hatte genug gehört. Er sollte auf brillante Weise verarscht werden. Beinahe empfand er die unpünktliche Bemühung von Fräulein Felicitas als rührend ihn in diese Falle zu locken, und ganz sicher stand Frau Ulus am Ende der geistigen Nahrungskette. Also warum das Spiel nicht mitspielen. Es war mehr als ein Orden.
Siegessicher tänzelte Klawitter die Treppe in Richtung Küche hinunter. Was er doch für Schelme großgezogen hatte, die ihn heute zu einer letzten kriminalistischen Meisterleistung herausforderten. Aus der Küche hörte er das Festnetztelefon klingeln. Normalerweise duldete Mutter niemand um sich herum der ungefragt ans Telefon ging, aber es klingelte weiter. Vielleicht war Mutter ja im Keller. Ohne sich weiter Sorgen zu machen betrat Jürgen die vorletzte Stufe. Das erste was er sah waren die Schuhe seiner Mutter, gut gefüllt mit ihren Füßen, deren Zehen senkrecht nach oben ragten. Sofort war Klawitter klar, dass seine Mutter sanft zu Boden gelassen wurde, denn andernfalls hätte er den Aufprall gehört. Seine Dienstwaffe war wie üblich im Tresor seines Büros unter Verschluss, und alles was zu seiner Verteidigung taugte war in den Schubladen der Küche verstaut. Ausgerechnet jetzt fiel ihm die Binsenweisheit seiner Mutter ein.

Wenn du nicht weißt, was dein Gegner will
sei lauter als er, sonst wird er nicht still


„Ich komme jetzt unbewaffnet runter um zu sehen wie es meiner Mutter geht!“
Keine Antwort.
Mit einem Satz sprang Klawitter in die Küche und landete auf allen Vieren neben seiner röchelnden Mutter. Wer auch immer ihr das angetan hatte war verschwunden.
„Mutter!“, schrie Klawitter und nahm sie fest in seine Arme.
„Hör auf mich so zu drücken und hör mir zu du Idiot!“ Sofort lockerte Klawitter seine Arme und legte ihren Kopf sanft auf seine knienden Oberschenkel.
„Ja, Mutter.“
„Ein maskierter Mann war hier. Er hat mich überrumpelt und mir aufgetragen dir folgendes zu sagen. Wenn du das heute nicht ernst nimmst, ist dir nicht mehr zu helfen. Er hat mir um dich zu motivieren das Toxin des grünen Knollenblätterpilzes injiziert, das ich mit meinen Mitteln zwar mindern aber nicht bekämpfen kann. Am Hals findest du die Einstichstelle. Aber mach dir um mich keine Sorgen, ich habe schon einen Krankenwagen bestellt. Kaffee steht auf dem Tisch, und jetzt hilf mir auf.“
Ungläubig half er seiner Mutter auf den Stuhl. Ein Teil von ihm dachte daran, dass seine Mutter eine perfide Rolle im eigens für ihn inszenierten Bürotheaterstück spielte. Die Einstichstelle am Hals konnte sie sich selbst zugefügt haben. Aber was wenn sie die Wahrheit sagte? Natürlich war Klawitter bewusst, dass er seine Mutter vermutlich überleben würde. Aber doch nicht jetzt schon. So weit war er noch nicht, und so gewannen seine Emotionen schließlich die Oberhand, wenn auch mit einem Restzweifel.
„Beschreib den Mann. Ich mach dir einen Tee der die Toxine in deinem Blut aufhält. Wann hast du eigentlich den Krankenwagen bestellt? Ich hab nichts gehört.“
Mühselig kramte Mutter Klawitter ihr Smartphone hervor und zeigte ihm das ausgehende, auf stumm geschaltete Notsignal zum Krankenhaus. Dann begann sie mit zitternder Stimme zu reden.
„Ich hab nur kurz sein maskiertes Gesicht gesehen. Er hat geflüstert und mich von hinten in den Würgegriff genommen. Er hatte entsetzlichen Mundgeruch, trotz Maske. Es war eine Mischung aus Zahnfäule und Knoblauch. Er war stark. Ich hatte Angst. Ich hatte um dich Angst.“ Wasser sammelte sich in ihren Augen die Klawitter Junior groß ansahen. Klawitter Junior hatte genug Erfahrung mit seiner Mutter um zu wissen, welch gute Schauspielerin sie war. Dennoch war er geneigt die Sache allmählich ernst zu nehmen. Wie zu seiner Bestätigung setzte Mutter noch einen drauf. „Du hast dir in deinem Berufsleben viele Feinde gemacht die der Meinung sind, dass du ihr Leben versaut hast. Einer von ihnen scheint im Laufe der Jahre vielleicht sehr rachsüchtig geworden zu sein?“
„Ich ziehe die Möglichkeit in Betracht.“, erwiderte Klawitter kühl und servierte Mutter den Tee. In seinem Kopf vibrierte es fast nach außen. Zum Glück hatte er eine längere Autofahrt vor sich. Da konnte er endlich seine Gedanken ordnen.





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