2 Zentimeter- Transformation
Wenn Koma schöner als die Zeit
ist man fürs Koma auch bereit.
Irgendwann wachte ich in meinem Bett auf und war
nur noch zwei Zentimeter groß. Natürlich wusste ich das im Moment des Erwachens
noch nicht...
..
.
..
Wieder stürzte ich aus dem Bett, wieder stürzte ich, nein, ich schwebte wie eine
Schneeflocke zu Boden, und landete wie auf Zuckerwatte, auf dem harten Linoleum.
Allerdings schien die Kunststoffoberfläche seit meinem letzten Aufprall ein
wenig gelitten zu haben. Ihre Furchen und Löcher kamen mir soviel größer vor,
die herumliegenden Haare waren irgendwie dicker...
Plötzlich stand ein furchterregender Käfer gleicher Größe vor mir. Der Schreck
hielt nicht lange an. Es war ein Museumskäfer, aber seit wann waren die zwei
Zentimeter groß?
Noch ehe ich darüber nachdenken konnte, kam mir eine Museumskäferlarve
schmatzend entgegen gekrochen, und sie war schneller als ich.
,DIE WILL NICHT DICH, DIE WILL DEINE KLAMOTTEN!!!', hämmerte es immer wieder in
meine von Panik besessenen Synapsen hinein. Die noch vorhandene Restlogik stieß
ihren letzten Atemzug aus. Ich rannte, machte mich nebenbei beim rennen nackig,
bis ich nur noch meinen Schlübber anhatte. Das verschaffte mir Zeit, wenn auch
nicht viel. Die Larve hatte einen unbändigen Appetit auf meine Textilen. Als ihr
schlabbriger Atem allmählich näher kam, und ich mit meinen Kräften am Ende war,
raffte ich mich auf um wenigstens in Würde mit Schlübber zu sterben.
„MEIN SCHLÜBBER BLEIBT BEI MIR!“, brüllte ich ihr zu, und es sollte unbedingt
wie eine Mischung aus „Dirty Dancing“ und Gandalfs: „DU KOMMST NICHT VORBEI!“,
klingen. Wie dämlich. Ich hatte lediglich CO2 ausgestoßen, aber viel zu wenig um
als ernsthafter Fressfeind wahrgenommen zu werden. Stattdessen entschloss ich
mich mein gesamtes menschliche Arsenal zu rekrutieren. Schlauch, Auspuff, Gift
und Galle zur totalen heilig dreifaltigen Endschlacht gegen einen übermächtigen
Gegner.
Ein schneller Schatten huschte aus meinen Augenwinkeln genau auf die Larve und
verbiss sich knurrend und fetzend in ihrem Fleisch. Die Larve schrie vor
Schmerzen.
„Bruno!“, hörte ich mich erleichtert flüstern. Noch nie im Leben hatte ich so
glücklich einem Gemetzel zugeschaut. Und Live war es sogar eine Premiere. Doch
die Larve war stark und sie verfügte über ein giftiges Verteidigungssystem.
Endlich sackte sie in sich zusammen. Bruno kam mir fiepend und völlig zerzaust
entgegen. Müde legte er seinen Kopf auf meinen Schoss und sah mich mit großen
zufriedenen Augen an. Ein letztes Mal schnappte seine Zunge liebevoll in mein
Gesicht. Dann verschwand der Glanz aus seinen Augen und seine Zunge hing wie ein
schlaffes Handtuch aus seiner Schnauze. So hart es auch war, zum Trauern blieb
keine Zeit.
Wie auf Stichwort tauchte mein Nachbar mit seinen zwei Töchtern auf. Starr vor
Schreck blickten sie zunächst auf den toten Bruno und dann auf meine Nachbarn.
Mein Nachbar hielt seine Frauen zurück und kam langsam auf mich zu. Ob als mein
Richter oder mein Freund war mir egal. Hauptsache nicht beides.
„Ich bin dein Richter und dein Freund, und als Freund sag ich dir: Verärgere
meine Frauen nicht, weil ich dich sonst richten muss. Verstanden?“
Ich nickte.
„Gut?“, bestätigte er gönnerhaft und imponierend in Richtung seiner Frauen, auf
das sie einen Grund hatten zu streiten ob das wirklich gut war. Sie folgten dem
Drehbuch.
Die Gelegenheit nutzend zischte er mir verzweifelt ins Ohr. „Sie glauben immer
noch wir sind zwei Zentimeter groß! Der Vorfall hier lässt mich als Lügner
dastehen, und wenn du mir nicht hilfst, dann verlieren sie das letzte Vertrauen
in mir als Vater und als Ehemann!... Also hilfst du mir?“ Ich verstand seinen
Ansatz der auch in meinem Interesse lag. Niemand braucht historische Frauen in
Krisenzeiten die alles besser wissen, und mit ihrem Geschrei alles schlimmer
machen.
„Gibt es noch mehr von uns?“
„Du bist noch nicht sehr lange wach, oder?“
„Nein, vermutlich nicht. Ich weiß lediglich, dass wir statt zwei Zentimeter, nur
noch
Zwei Millimeter
groß sind.“
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Verfasst am : 28.09.2025 01:00
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Zwei Zentimeter- Alles Banane!
Kaum hatte ich die Wohnungstür hinter uns
geschlossen fing Bruno plötzlich an zu würgen. Als ich sah was er hervor gewürgt
hatte traute ich meinen Augen nicht. Da liefen sie, und sie waren quicklebendig.
Die Töchter und die Frau meines Nachbarn, etwa 2 Zentimeter groß. Sie tanzten
und sie lachten, und als sie mich sahen lachten sie noch mehr, und ich hatte nur
noch einen Gedanken. Hört der Scheiß auch irgendwann mal auf?
Was ich zunächst als Tanzen und Lachen wahrgenommen hatte erwies sich
tatsächlich als weibliches Zetern und Kreischen. Bruno entpuppte sich dabei als
wahrer Freund, indem er sich fiepend unter mein Bett zurückzog. Die Weiber,
insbesondere die Mutter, kreischten weiter bis ich endgültig die Geduld verlor.
„SCHNAUZE! UND ZWAR ALLE!“
Das schien zu wirken. Immerhin hatte ich das effektive Anschreien von meinem
Nachbarn gelernt. Die Wirkung hielt nicht lange an. Frauen sind zwar geduldig
aber von Natur aus auch schwatzhaft, und da ich nichts weiter zu sagen hatte
geriet ich erneut unter Beschuss.
„Wo ist Papa, und warum hast du Bruno gekidnapped? Und … warum... bist... du …
so riesig?...“ Es war die jüngste Tochter die das wissen wollte. Endlich etwas,
worauf ich antworten konnte.
„Euer Vater sitzt im Gefängnis weil er euch getötet hat, und ich bin so riesig
weil ihr nur zwei Zentimeter groß seid... oder so um die 1, 67.“
„Unser Vater hat was? Sehen wir irgendwie tot aus?“, fuhr mich die ältere
Schwester wütend an. Wenigstens redeten sie nicht mehr so durcheinander.
„Natürlich nicht!“..., versicherte ich, doch bevor ich weiter zu Wort kam,
mischte sich die Mutter ein.
„Ich habe keine Idiotinnen zur Welt gebracht, also erzähl endlich die ganze
Geschichte... BRUNO!“ Plötzlich tauchte Bruno neben mir auf und knurrte mich an.
„Ich habe dich befreit!“,wandte ich mich ihm zu.
„GRRRR!“, grollte er mich an. Blödes Vieh!
„Sitz!“, befahl ich und versuchte ihm das Köpflein zu tätscheln. Meine Blödheit
wurde umgehend bestraft. „KRRWSCHKNACKS!“, Ich schrie vor Schmerzen während ich
panisch meine blutende Hand zwischen seinen Zähnen betrachtete.
„Aus!“, rief die Mutter. Das war mein Stichwort.
Ich fiel in Ohnmacht.
Das nächste was ich hörte waren Stimmen. Stimmen wie aus einer anderen Welt. Und
so sehr ich auch mitreden wollte, ich konnte meinen Mund einfach nicht bewegen,
geschweige meine Zunge.
„Schwester Ratched, wie kann es sein, dass ein Patient der gut abgeschottet in
der besten psychiatrischen Anstalt des Landes im Koma liegt, zwei mal bewusstlos
in seiner alten Wohnung gefunden wurde?“
„Er flog wohl zwei mal über das Kuckucksnest.“, versuchte sich Schwester Ratched
in einem lebhaften, cineastischen Scherz. „Witzig!“, räusperte sich der
Professor und fuhr ernst fort. „Welche personellen Konsequenzen hat das zur
Folge?“
„Wir haben Bruno entlassen. In seinen Nachtschichten haben sich die beiden
Vorkommnisse zugetragen.“ Der Professor lächelte zufrieden. „Hat er es
wenigstens zugegeben?“
„Leider nicht. Vielmehr hat er meine leitende Funktion was Logistik und
Personalführung betrifft infrage gestellt.“, erklärte Schwester Ratched.
„NEIN!“
„DOCH!“
„OOOH!“
„Sie können sich sicher vorstellen wie sehr ich darunter gelitten habe, Herr
Professor Mabuse, oder?“
„Aber natürlich, wer könnte das nicht. Darf ich Sie vielleicht zum Essen
einladen?“
„Je eher, desto besser!!“, hauchte sie ihm entgegen. Wie zwei Turteltauben in
einem Bananenkostüm torkelten sie zur Tür und ließen mich allein.
Dann wurde es dunkel.
Koma war schön.
Es tauchten alte Filme auf.
Meist waren es amerikanische Produktionen.
Angefangen hatte es mit „Spartacus“.
Dann „Matrix“, und schließlich „Herr der Ringe“.
Und viele Zwischendurchs bis zu den Literaten vergangener Zeiten.
Leo Tolstoi
Charles Bukowski
Terry Pratchett
Hermann Hesse
Und zu guter Letzt.
Musik.
A-ha
„Take on me“
Wenn Koma schöner als die Zeit
ist man fürs Koma auch bereit.
Irgendwann wachte ich in meinem Bett auf und war nur noch zwei Zentimeter groß.
Natürlich wusste ich das im Moment des Erwachens noch nicht...
…
..
.
Leserbriefe
Liebe Schinder Hanni, bitte mir unbedingt
weiter Mails schicken wenn Rechtschreibung oder Doppelung, oder was auch immer
im Text sein Unwesen treibt. Leider kann ich Dich nicht bezahlen, denn Du
hattest einen zweiten Fehler übersehen, den ich dann gefunden habe. Wenn der Job
demnächst besser läuft..., na Du weißt schon.
Lieber Andrea Rizzinelli, die Droge ist
das menschliche Hirn. Manchmal unter Hinzuziehung bewusstseinserweiternder
Substanzen die wir nicht näher beleuchten wollen. Daher, wie schon richtig
erkannt, das zwei mal lesen. Herzlich willkommen!
Lieber Tommy, wenn Du es schaffst einen
Kommentar zu schreiben, der länger ist als mein Artikel, geb ich Dir einen aus!
Haste morgen Zeit? :)
Zwei
Zentimeter- Alles Banane!
glubb
zum Artikel
Verfasst am : 24.09.2025 21:25
Kommentare: 5
Zwei Zentimeter- Es ist noch nicht vorbei
Dann sah er mich. Sekundenlang stand sein Mund
offen und er starrte mich einfach nur an. Plötzlich sammelten sich Tränen in
seinen Augen, seine weit geöffneten Mundwinkel verzogen sich nach oben und er
begann schrill zu lachen und zu schreien: „Hey Dreckspatz! Halt deine Bude
sauber, hahahahaahahaa...“
Drei Wochen waren seit dem Alptraum und der Begegnung mit meinem mordenden
Nachbarn vergangen. Genauso lange stand auch die Wohnung leer. Beinahe fehlten
mir die lautstarken Streitereien, aber noch mehr fehlte mir die Erklärung wie es
mein Nachbar in meinem Alptraum geschafft hatte an den anscheinend nur wir beide
uns erinnern konnten.
Ich hatte das auf meiner Arbeit und unter den wenigen Freunden die ich noch
hatte getestet. Nicht einer hatte einen Traum in dem er zwei Zentimeter groß
war. Stattdessen wuchs die Zahl der Erklärbären, die versuchten meinen Traum zu
analysieren ins Unerträgliche. Ich hatte sogar eine Kurzgeschichte darüber
verfasst und in einem Online Fußballspiel veröffentlicht. Wenigstens halfen mir
die Kommentare für einige Zeit über meine innere Zerrissenheit hinweg. Doch die
Sache war noch nicht ausgestanden, so lange ich nicht den Grund kannte, warum
ich meinen Zwei Zentimeter Alptraum ausgerechnet mit meinem Psychonachbar
verbracht hatte. Es gab nur einen Weg herauszufinden wie das möglich war. Lange
Zeit sträubte ich mich dagegen, aber der Gedanke hatte sich wie eine
vollgesogene Zecke in meinem Hirn festgesetzt. Und die Zecke musste weg.
„Der Gefangene ist in wenigen Minuten bei Ihnen. Wenn Sie das Gespräch mit ihm
beenden wollen, drücken Sie bitte den Schalter unter ihrem Sitz, so hat Ihr
Gegenüber nicht das Gefühl, das Sie an unserem Eingreifen Schuld sind.“
„Halten Sie ihn für so blöd, dass er das nicht weiß?“ Ich konnte einfach nicht
anders. Anstatt einfach nur die Fresse zu halten, musste ich einen auf altklug
machen. Die Antwort, deformiert in eine Frage, wurde mir entsprechend sachlich
serviert. „Sie wurden informiert, dass wir ihr Gespräch aufzeichnen?“ Ich hatte
den Bogen mal wieder überspannt. „Selbstverständlich.“ Nach dem Gespräch würden
sie vielleicht überlegen mich gleich da zu behalten, wenn ich es nicht geschickt
anstellte. Oder sie würden mich in eine Geschlossene einweisen lassen. Mein
Nachbar wiederum hatte keinen Grund mich zu schonen. Immer mehr kam mir die
Idee, mich mit meinem mordenden Psychonachbar in einem überwachten Raum über
einen gemeinsamen Traum zu unterhalten wie eine Art geistiges Selbstmordkommando
vor.
Endlich öffnete sich die Tür und mein Nachbar setzte sich vor die Glaswand.
Natürlich war die nicht üblich, aber bei ihm schien man sie für angebracht zu
halten. Als er mich sah, schien ihm ein Stein vom Herzen zu fallen. „Endlich!“,
sagte er.
„Zum Kotzen!“, sagte ich. Er lachte. Von Herzen. Ich verstand das erst viel
später.
„Kannst du mir einen Gefallen tun?“, ging er sofort in die Offensive.
„Welchen?“, hörte ich meine Stimmorgane lauthals verkünden, ohne ein Okay vom
Resthirn erhalten zu haben. Mein Nachbar war klug genug um zu verstehen. Psychos
können das einfach. Und ich wollte Psychos immer verstehen. Aber eben nicht um
alles in der Welt.
„Kannst du Bruno aus dem Tierheim auslösen und bei dir aufnehmen?“
„STOPP!“, beendete ich den Rührseligkeitsversuch sofort. Schließlich hatte ich
die Fragen. „Wie bist du in meinen Traum gelangt?“
„Alter! Du bist in meinem Traum aufgetaucht!“ Zu meinem Erstaunen stellte ich
fest, dass wir gleichermaßen überrascht waren, wer bei wem wohl das erste mal
aufgetaucht war.
Spätestens jetzt mussten die Beamten, die uns zuhörten, endgültig zu dem Schluss
kommen, dass auch mir staatliche Fürsorge zuteil werden musste. Wären wir doch
bloß beim Hund geblieben. Vielleicht war ja noch was zu retten.
„Ich nehme Bruno auf!“, sagte ich entschlossen.
„Danke für deinen Besuch.“, sagte er leise aber bestimmt und lächelte auf eine
Art die nichts gutes verhieß, sollte ich Bruno nicht retten. Psychos haben ein
erschreckend einnehmendes Wesen. Kein Wunder, das so viele von ihnen Manager
oder Politiker werden.
Das Tierheim hatte noch geöffnet. Bruno war noch das. Er war ein alter, treuer,
zotteliger Schäferhund mit traurigen Augen. Er hatte sofort mein Herz gewonnen.
Es war, als würde ich in einen Spiegel sehen.
Als er mich sah sprang er auf und fing freudig an schwanzwedelnd zu hecheln.
Kaum hatte ich die Wohnungstür hinter uns geschlossen fing Bruno plötzlich an zu
würgen. Als ich sah was er hervor gewürgt hatte traute ich meinen Augen nicht.
Da liefen sie, und sie waren quicklebendig. Die Töchter und die Frau meines
Nachbarn, etwa 2 Zentimeter groß. Sie tanzten und lachten, und als sie mich
sahen lachten sie noch mehr, und ich hatte nur noch einen Gedanken. Hört der
Scheiß auch irgendwann mal auf?
In eigener Sache: Diese Fortsetzung verdankt ihr
Tommy, weil er wissen wollte das es dem
Hund gut geht, verdankt ihr Cooker, der
wissen will wie es kafkaesk und metaffheroisch weiter geht (übrigens danke für
den Vergleich, ich habs nie gelesen), und Schorsch, für den das eigentlich gereicht hätte,
aber nee, das ist eben gelebte Demokratie, dass es weitergeht, und natürlich den
heimlichen Lesern die das
bewerten.
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Verfasst am : 20.09.2025 00:17
Kommentare: 7
Zwei Zentimeter- Leberwurstfinale
Auf dem Boden lagen Staubkörner wie Steine herum.
Weggeschnippste Popel stapelten sich wie Felsbrocken auf dem Linoleum, ebenso
Brotkrümel, Haare und zermatschte Fruchtfliegenleichen, die aber aufgrund der
Zeit kaum von Popeln zu unterscheiden waren. Wenigstens hatten wir fürs erste
Nahrung.
„So bald wir wieder groß sind solltest du dringend mal staubsaugen.“, belehrte
mich mein Nachbar abermals, während wir uns vorsichtig aus der Deckung des
Bettes wagten. Für mich klangen diese Worte angesichts der Umstände wie
realitätsfernes Gefasel, aber ich wagte nicht zu widersprechen. Immerhin hatte
mein Nachbar gerade seine Familie an den hauseigenen Schäferhund Bruno verloren,
und ich nahm an, dass das seine Art war mit einem Schock dieser Größe emotional
fertig zu werden.
„Ob die anderen Nachbarn auch so klein sind wie wir?“ Mein Nachbar sah mich mit
großen Augen an. „Weißt du wie scheißegal mir das ist?“ Offensichtlich saß der
Schock tiefer als ich dachte. Ich entschloss mich zu einer neuen Strategie.
Traumatisierte Psychos muss man nur beschäftigen. „Ne Idee was wir als nächstes
tun?“
„Wir schalten deinen Computer oder dein Smartphone an und erfahren was zum Geier
hier los ist.“, entgegnete er grimmig. Und so klug der Gedanke auch war, ich
musste unbedingt irgendeinen Schrott erwidern. „Ich hab kein Smartphone.“ Zu
meiner Überraschung erkannte ich in seinen Augen so was wie Respekt als er mir
zunickte. „Respekt! Dann eben dein Computer. Einer von uns klettert den Tisch
zur Fernbedienung des Fernsehers hoch und der andere den...“, er sah sich meine
hausgemachte Konstruktion an, „Tower! Wollen wir schnick schnack schnuck spielen
um das auszulosen, oder machst du freiwillig den Computer an?“ Sein blödes,
irres Grinsen machte mir eines deutlich. Je eher wir getrennte Wege gingen,
desto besser. Außerdem war er viel stärker als ich. Wir winkten uns ein
vorletztes mal zu.
Aus der Ferne sah ich ihm bewundernd zu, wie er sich an den Sesselfusseln
hochhangelte und schließlich auf den Tisch sprang. „Dein Tisch sieht aus wie
eine riesige Müllhalde!“, brüllte er lachend und wollte gar nicht mehr aufhören.
„Ist das Gras da in der Plastikbox? Nein, sag nix! Es ist Gras, und dann dieser
riesige Joint, heilige Scheiße. Ich wusste gar nicht das du 'n Kiffer bist, ich
hab dich immer für nen verrosteten Spießer gehalten.“
„Du musst die HDM3 Taste drücken.“
Er nickte und rief: „Mooment! Ich muss das Kackteil erst mal aus der Leberwurst
ziehen..ääääh...chz...äääähuuu!“
Gott, war mir das peinlich und unangenehm. Da lagen zwei alte Teller
übereinander gestapelt, gefühlt um die zwanzig leere Tabakstüten, mehrere leere
Bierflaschen und Kronkorken, jede Menge Kronkorken. Und natürlich die
Leberwurst.
„Deine Leberwurst schmeckt leicht angeschlagen!“, feixte mein Nachbar. Sekunden
später erstrahlte der Fernseher in hypnotischen Blauton. „Du bist dran,
Dreckspatz!“
Ich stand noch immer wie angewurzelt vor dem Tower. Wie sollte ich da hoch
kommen mit meiner Höhenangst. Meine innere Stimme mahnte. ,Du bist doch heute
schon mal fünfzig Zentimeter gefallen, ohne dir was zu brechen. Was ist da schon
ein Meter?'
Die ersten fünfzig Zentimeter am Rand des Pappkartons waren tatsächlich leichter
als gedacht. Mein Nachbar klatschte Beifall und naschte nebenbei an der
Leberwurst. Meine KI aber war glatt wie ein Ei. Wie da hoch kommen? Die Antwort
war so einfach wie sie schrecklich war. Es war ein Spinnenfaden der direkt zum
Dach des Towers führte. Aber was, wenn er noch aktiv war? Ich brauchte dringend
eine Waffe. Am besten eine Nadel, oder einen Zahnstocher. Und wie der Zufall so
wollte lag fünfzig Zentimeter unter mir eine Sicherheitsnadel.
Einige Zeit später.
Mit der Sicherheitsnadel auf dem Rücken wagte ich den Aufstieg. Und natürlich
war dieser Faden noch aktiv. Auf halber Strecke kam sie mir mit ihren langen
Beinen entgegen. Wie ein Held stieß ich ihr immer wieder neben die Beine, bis
mit klar wurde wie unsinnig mein Unterfangen war. Ich musste ihren Körper in
Distanz der Nadel kommen lassen, wobei immer die Gefahr bestand, dass sie mich
durch einwickeln bewegungsunfähig machen konnte. Und so geschah es dann auch.
Zwei lange Hinterbeine schlängelten sich von der Seite an mir vorbei und
begannen meine Füße einzuwickeln. Der Spinnenkörper näherte sich. Ich stieß zu.
Ein ohrenbetäubendes Kreischen betäubte den Raum. Ich fiel und spürte einen
unbändigen Schmerz beim Aufprall. Nur mühsam hoben sich meine verklebten
Augenlider. Etwas kam auf mich zu. Schemenhaft erkannte ich eine Spinne. Wie aus
einem Reflex heraus schlug ich zu und betrachte anschließend meine Handfläche.
Ich habe ein Spinnenbaby ermordet dachte ich bedauernd und begann mich zu
erheben. Als erstes prallte ich gegen den Tower und erlöste den Pappkarton, der
sein Versprechen noch vor seiner Zeit einlösen konnte. Die KI prallte erst gegen
das Balkonfenster und dann krachend auf den Boden und hatte schwere innere
Verletzungen zu beklagen. Und ich war offensichtlich aus dem Bett gefallen und
hatte alles nur geträumt. Ich hatte ja schon öfter Alpträume, aber das...
Nur mühsam kam ich in die Gänge, aber alles was ich tat wirkte intensiver als je
zuvor. Ich freute mich sogar auf die Arbeit. Beinahe fröhlich öffnete ich die
Tür. Mehrere Polizisten verstopften die Treppe. Anscheinend nahmen sie mal
wieder meinen Nachbarn fest.
„...nehmen wir Sie wegen des Dreifachmordes an Ihrer Frau und Ihren Kindern
fest. Haben Sie meine Worte verstanden? Dann unterschreiben Sie!“ Mein Nachbar
stand nur versteinert da. Sein rechter Arm führte die Hand wie mechanisch zur
Unterschrift. „Ich habe alles verstanden und gebe alles zu.“
Dann sah er mich. Sekundenlang stand sein Mund offen und er starrte mich einfach
nur an. Plötzlich sammelten sich Tränen in seinen Augen, seine weit geöffneten
Mundwinkel verzogen sich nach oben und er begann schrill zu lachen und zu
schreien: „Hey Dreckspatz! Halt deine Bude sauber, hahahahaahahaa...“
...
zum Artikel
Verfasst am : 13.09.2025 22:33
Kommentare: 7
2 Zentimeter
„74?“, antwortete ich ängstlich, obwohl dieser
Mann selbst Gandalf an Falten übertraf und damit locker über die 120 schoss. Der
Alte lächelte bitter und nickte wohlwollend.
„Ich bin 20.“
..
Plötzlich näherte sich ein ohrenbetäubendes Getrappel. „Ach du Scheiße!“,
flüsterte mein neuer Begleiter, der mindestens zwei Millimeter größer war als
ich. Noch bevor ich ,Was denn?' , fragen konnte schob er mich unter mein
Hochbett und drängte mich zwischen die darunter gelagerten Kartons die meine
Textilien aufbewahrten. Das Getrappel wich einem unsagbar lautem Schnüffeln,
Knurren und Gescharre. Immer wieder bewegten sich die Kartons gefährlich auf uns
zu, und wir konnten nur mit letzter Kraft der Zerquetschung entkommen.
Allmählich wurden wir müde und landeten schließlich in der letzten Ecke meines
Wohnzimmers unterm Bett. Die Bestie draußen musste schon ein Genie sein um uns
zu erwischen. Ich tippte auf einen Hund und plötzlich wurde mir klar, dass mein
Begleiter keineswegs nur zwanzig Jahre alte war.
…
„Du bist keine zwanzig!“, konfrontierte ich ihn, sobald ich mir sicher war, dass
der Hund das Interesse verloren hatte. Er sah mich überrascht an. „Was hat mich
verraten?“ Das Gespräch begann mir auf die Nerven zu gehen. „Du bist mein
Nachbar der ständig seine Frau verprügelt, weswegen sich hier regelmäßig die
Bullen und die Krankenwagen ein Stelldichein geben. Ist es nicht so?“, schrie
ich ihn an. Mit einem Satz sprang er auf mich zu und hielt seine tentakelartige
Hand über meinem Mund. „Bruno hat ein sehr gutes Gehör, du solltest ihn nicht
her locken!“, zischte er mich an. Dann ließ er von mir ab, lehnte sich gegen die
Mauer und vergrub sein Gesicht in seinen Händen.
„Ich hab das nie gewollt!“, begann er unaufhörlich zu heulen. Weniger aus
Herzensgüte, denn mehr aus Pragmatismus versuchte ich ihn mit meiner Hand auf
seiner Schulter zu beruhigen. Das schien seine Heulerei nur zu ermutigen. Der
Hund schien auch endlich aufgegeben zu haben, oder war einfach nur gelangweilt
abgehauen, was mich sofort zu meinen nächsten Fragen brachte. Wie war das Vieh
überhaupt in meine Wohnung gelangt, und warum war mein heulender Nachbar vorher
in sie eingebrochen?
„Hör endlich auf zu flennen, du Idiot, und erzähl mit was passiert ist!“,
unterbrach ich mein solidarisches Schulterklopfen und ersetzte es durch ein paar
kräftige Backpfeifen. Allmählich entschleierte sich sein Blick und er blickte
angewidert auf den Boden. „Machst du hier eigentlich auch mal sauber?“ Anstatt
darauf zu antworten, packte ich ihn am Kragen, drückte ihn gegen die Wand und
zischte ihm mit dem irrsten Blick den ich drauf hatte entgegen: „Ich will jetzt
endlich ein paar Antworten!“
Das nächste was ich verspürte war ein vernichtender linker Haken gegen mein Kinn
der mich ausknockte und gegen die Wand warf. Ich weiß noch, dass ich dachte:
,Endlich mal wieder ordentlich durchpennen!'
..
Als ich nach gefühlten acht Stunden erwachte, hatte ich immer noch dieses
verheulte Gesicht meines Nachbars vor der Nase. „Bist du wach?“, wagte er es
mich zu fragen.
„Was ist passiert?“, stöhnte ich leise, obwohl ich ihm am liebsten eine
verpasste hätte. „Bruno hat meine Frau und meine Töchter gefressen. Dann bin ich
nur noch gerannt. Deine Tür stand offen, du lagst am Boden. Den Rest der
Geschichte kennst du.“ Ich sah ihn ungläubig an. Sollte es wirklich so einfach
sein?
Auf dem Boden lagen Staubkörner wie Steine herum. Weggeschnippste Popel
stapelten sich wie Felsbrocken auf dem Linoleum, ebenso Brotkrümel, Haare und
zermatschte Fruchtfliegenleichen, die aber aufgrund der Zeit kaum von Popeln zu
unterscheiden waren. Wenigstens hatten wir fürs erste Nahrung.
...
27.11.2025 H3HS
:)
zum Artikel
Verfasst am : 10.09.2025 23:48
Kommentare: 3
2 Zentimeter
Spinnen, Fliegen, Ameisen und mehr...
Irgendwann wachte ich in meinem Bett auf und war nur noch zwei Zentimeter groß.
Natürlich wusste ich das im Moment des Erwachens noch nicht. So wunderte es mich
auch nicht wirklich, dass mich meine Bettdecke wie ein Gebirge erdrückte, was
sie praktisch täglich tat um mich davor zu bewahren in die Berufswelt
hinauszuziehen. Also stand ich wie gewohnt auf und fiel 50 Zentimeter tief auf
den Boden. Endlich war ich wach und doch wieder nicht. Ich hatte mir nicht mal
was gebrochen. Neben mir stand mein Rechner, gut einen Meter hoch. Ich hatte ihn
auf einen Pappkarton gestellt, damit ich mich beim Einschalten nicht immer so
tief bücken musste. Nie hätte ich gedacht, wie brüchig meine Konstruktion war,
denn mit meiner Schrumpfung, die mir immer mehr bewusst wurde und meine Laune
nicht unbedingt verbesserte, schärften sich auch meine Sinnesorgane. Der
Pappkarton ächzte unter seiner Last, die er nicht länger bereit zu tragen war.
In spätestens vierzig Menschenjahren, so schwor er mir, werde er diese
stromfressende intellektuelle Pestbeule fallen lassen wie eine heiße Kartoffel.
Mit etwas Wehmut schaute ich auf meinen alten Rechner und mit wurde klar, dass
ich wohl nie wieder Netflix schauen konnte. Plötzlich wurde mir bewusst, wie
schwachsinnig mein Gedanke war. Natürlich konnte ich weiterhin Netflix sehen,
aber ich komme nicht mehr an den Kühlschrank heran. Ich kann nicht mal
selbstständig ein Bier öffnen, und wenn ich müde bin komme ich nicht mal in mein
Bett hoch, und dann sind da ja auch noch die Insekten und Spinnen, die nicht so
viel kleiner sind als ich. Kurzum, die Welt war von einer Sekunde auf die andere
ein völlig neuer Ort geworden.
Als erstes begegnete mir ein Museumskäfer. Mit gerade mal zwei Millimeter Größe
hätte er selbst bei einem zwei Zentimeter Hünen der ich nun war locker unter die
Schuhsohle gepasst. Ich hasste diese Viecher. Ihre Larven fraßen mir regelmäßig
Löcher in meine T- Shirt, weshalb ich dafür sorgte, dass immer mehr Spinnen bei
mir wohnen durften. Und plötzlich stand sie vor mir.
Steatoda Triangulosa. Gattung Kugelspinnen, wie die schwarze Witwe, und nur halb
so groß wie ich. Wenn die meinen Herzschlag wahrnimmt, gute Nacht! Gleichzeitig
rief die Vernunft wie ein verzweifeltes Echo aus der kürzlich gewordenen alten
Welt: „Es ist Altweibersommer, bleib einfach ruhig stehen, der sucht nach einem
passenden Weibchen, und je panischer du reagierst, desto mehr will er dich als
Geschenk mitnehmen um nach der Paarung nicht selbst gefressen zu werden.“
Steatoda kam näher. Ich starrte in seine geifernden Cheliceren die sich immer
weiter öffneten um zum finalen Biss anzusetzen. Ich schloss die Augen. Ich weiß
noch, dass ich dachte: Nie hätte ich gedacht, dass mich mal eine Spinne frisst.
Und während ich wartete und wartete, und wartete... erst ein Auge langsam
öffnete, dann ein zweites, sah ich es. Wie oft hatte ich beim beobachten meiner
heimischen Arachniden darauf gehofft, dass Steatoda und Zitterspinne mal
aufeinander treffen. Und jetzt sah ich es livehaftig. Steatoda hatte sich beim
Angriff auf mich mit einem ihrer Hinterbeine im Signalfaden einer Zitterspinne
verfangen und war ihr damit hoffnungslos ausgeliefert. Ich weiß noch, wie
fasziniert ich dem Schauspiel zusah. Als wäre ich in einem Godzillafilm. Und
dann wurde es zu viel. Mir wurde schwarz vor Augen.
.
„Hey, Arschloch!“
„Ja?“, stöhnte ich beim Versuch die Augen zu öffnen.
„Wie lange bist du schon klein?“, erkundigte sich die Stimme, die mit einem
Reibeisen hätte konkurrieren können.
„Seit 8 Uhr 30, als ich aus dem Bett gefallen bin.“
„Wie alt bist du?“, fuhr mich ein faltiges, graubärtiges Gesicht an.
„Was spielt das für eine Rolle?“
„Na gut!“, räumte der Alte ein. „Für wie alt hältst du mich?“
„Ist das eine Fangfrage?“ Der Alte rollte mit den Augen.
„74?“, antwortete ich ängstlich, obwohl dieser Mann selbst Gandalf an Falten
übertraf und damit locker über die 120 schoss. Der Alte lächelte bitter und
nickte wohlwollend.
„Ich bin 20.“
..
Apropos:
Am 27.11 findet das dritte Honkyschwonkygerangel statt. Der gute alte Hein Seemann lädt als Titelverteidiger zum Fest.
…
:)
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Verfasst am : 06.09.2025 22:08
Kommentare: 6